Zum zweiten Mal in dieser Woche verließ Liv das Caraunt und ging in die Stadt. Wieder kam sie an dem riesigen Eingangstor vorbei. Falkum stand davor. Die Erinnerung an den verwundeten Hunter, der durch die Torflügel stolperte, kam in ihr auf, doch sie schob sie von sich.
Zum zweiten Mal in dieser Woche kam sie vor dem Bürogebäude der Minister zum Stehen. Resignation durchflutete sie. Sie brauchte nur dieses eine Formular, dann könnte sie sofort wieder gehen. Hoffentlich würde ihr Vater sie nicht unnötig aufhalten…
Der Rezeptionist am Eingang beachtete sie nur mit einem flüchtigen Blick. „Er ist nicht da.“, murmelte er und blätterte eine Seite aus dem abgegriffenen Taschenbuch um. Die wenigen überbliebenen Schriftstücke aus vergangenen Zeiten bewahrten die Menschen in einer schmalen Bibliothek am Rande der Stadt auf. Man konnte sie sich ausleihen, wenn man gut damit umging. Um selber Schriften zu drucken, fehlten ihnen die Mittel, doch Liv wusste, dass in irgendeinem Winkel der Stadt Papier geschöpft und die Geschehnisse seit der Erschaffung des Virus per Hand niedergeschrieben wurden. Immerhin musste das alles für die Nachwelt festgehalten werden – damit sie nie wieder den Fehler begehen konnten, ihren Wissenschaftlern allzu viel Spielraum zu geben.
Das waren die eigentlichen Verantwortlichen. Die Wissenschaftler und die Reichen und Mächtigen, die unbedingt immer mehr und noch mehr Wissen erstrebt hatten. Sie wollten immer mehr Ruhm, immer noch mehr erreichen – mit allen Mitteln und ohne Rücksicht auf Verluste.
Auf das Volk hatte dabei niemand Rücksicht genommen. Tausende Demonstrationen von Tierschützern – dieses Wort kam Liv immer noch seltsam vor. Ganz offensichtlich benötigten eher die Menschen Schutz als die Tiere – waren überall auf der Welt veranstaltet worden. Philosophen und Skeptiker hatten ihre Meinungen in zahlreichen Zeitungen bekannt gegeben. Organisationen hatten sich gebildet…
Doch es hatte alles nichts genutzt. Die Wissenschaftler hatten entgegen aller Proteste weiter gemacht – und man sah ja, was dabei heraus gekommen war. Jetzt musste es die gesamte Menschheit ausbaden.
Die Politik versuchte, die Schuld der Wissenschaftler ein wenig zu vertuschen und gutzureden. Zugegeben: Verdient hatten sie es nicht, doch die Stadt brauchte sie. Sie arbeiteten fleißig an der Wiederherstellung alter Gerätschaften, die ungemein nützlich und teilweise auch überlebensnotwendig waren. Dafür wurden sie von der Regierung geschützt. Es war nicht schön oder gerecht, doch es war das, was nötig war, um diese Gesellschaft aufrecht zu erhalten.
Liv machte sich von diesen Gedanken frei und konzentrierte sich wieder auf das Hier und Jetzt. Ihr Vater war nicht da – umso besser. Dann würde er sie nicht aufhalten. „Ich muss nur schnell was holen.“, murmelte sie und verschwand im Gang. Wenig später fand sie sich im Büro ihres Vaters wieder und sah sich einem überwältigenden Berg an Dokumenten und Akten gegenüber.
Wie um alles in der Welt sollte sie den Zettel finden, den sie für den Durchlass am Tor benötigte?
Da half wohl nur Suchen. Liv kämpfte sich durch Aktenordner und Hefter, durchforstete lose Blätter und scheiterte an den Versuchen, sie hinterher wieder zu ordentlichen Stapeln werden zu lassen. Schließlich kam sie an den Schreibtisch und kramte darauf herum, durchwühlte Schubladen und ließ Blätter fallen.
Als sie die Zettel wieder aufhob, sprang ihr ein Formular sofort ins Auge. Der Schreiber hatte sich Mühe gegeben, in besonders neutralen Druckbuchstaben zu schreiben. Es unterschied sich deutlich von allen anderen, deren verschmierte Handschrift man kaum entziffern konnte. Livs Interesse war geweckt und sie begann zu lesen.
Es war ein Brief.
Sehr geehrter Herr Ferring,
Wie Sie sicher wissen, sind in letzter Zeit Unruhen im Volk aufgekommen, welche sich konstant auszuweiten scheinen. Die Bevölkerung ist mit den jetzigen Lebensbedingungen unzufrieden und fordert eine sofortige Änderung dieses Zustands. Ich zähle mich zu einem von diesen Menschen und kann Ihnen nur wärmstens empfehlen, dieses Mal auf Ihr Volk zu hören und etwas an den gegenwärtigen Verhältnissen unserer Stadt zu ändern – oder im Grenzfall von Ihrem Amt abzudanken. Möglicherweise wäre dieser drastische Schritt sogar der angenehmste für sämtliche Beteiligten. Bei weiteren Verzögerungen kann es in den zivilen Bevölkerungsschichten schnell zu unschönen Alternativen kommen.
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Hunters 2 - der Pfad des Jägers
Fantastik*** WICHTIG: Da der erste Teil von "Hunters" überarbeitet wurde, passen einige Dinge nicht mehr zusammen. Wenn Zeit ist, wird dieser Teil deshalb ebenfalls überarbeitet.*** Die Schwerter schlugen aufeinander - schwer und hart. Die Atmosphäre schien...
