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Mr. Lee kam eine halbe Stunde später zusammen mit Mr. Park in den Raum. Sie baten mich mit in Mr. Mins Büro zu kommen. Das dieser nicht gerade begeistert war, konnte man ihm deutlich ansehen. In einer kleinen Kiste unter seinem Schreibtisch erhaschte ich kurz einen Blick auf die Zielscheibe. Dann bemerkte er meinen Blick und schob sie weiter unter den Tisch.

„Also, es ist mir eine Freude sie kennenzulernen Mrs. Cleveland!", begann Mr. Lee mit einem Lächeln. Unsicher blickte ich ihn an. Seine silber-grauen Haare waren zurückgekämmt und der Anzug den er trug, verlieh ihm eine ausgesprochen gute Figur. „M-Miss Cleveland...E-Es freut mich auch", brachte ich stotternd zustande und währe am liebsten gleich im Erdboden versunken. „Reiß dich zusammen Rose!", mahnte ich mich und versuchte, meine Fassung wiederzuerlangen. Immerhin hatte ich heute schon weitaus genug Peinlichkeiten ertragen müssen. Da wollte ich nicht auch noch wie ein verschüchtertes Mädchen rüberkommen.

Auf Mr. Lees Gesicht breitete sich ein kleines Lächeln aus. Mr. Min hingegen rümpfte nur die Nase. Ihm würde es nur recht kommen, wenn ich mich blamierte. Alleine deshalb musste ich mich anstrengen. „Ich habe bereits mit Mr. Park gesprochen und dieser hat mir erzählt, dass sie das Angebot bereits angenommen haben. Trotz alle dem möchte ich sie noch einmal selbst fragen!"

Er legte eine kurze Pause ein, in welcher er mich eingehend musterte. Wie konnte man nur so wunderschöne Augen, von solch dunkler Farbe haben? Da kam man glatt ins Schwärmen. Mein Blick wanderte von seinen Augen zu seinen Lippen, auf welchen immer noch ein leichtes Lächeln lag. Erst als sich jemand, ich vermutete es handelte sich um Mr. Min, räusperte, begriff ich, dass ich den Mann vor mir anstarrte. Peinlich berührt wandte ich den Blick ab. Aber es war nicht zu verleugnen, dass dieser Mann etwas besonderes an sich hatte.

Mr. Lee fuhr fort und tat so, als hätte er von all dem nichts mitbekommen: „Also. Miss Cleveland. Ich frage sie, ob sie sich auch ganz sicher sind. Wollen sie dieses Angebot annehmen?" Klar wollte ich, nur viel es mir in diesem Moment furchtbar schwer die Worte zu formulieren. Dabei reichte ein simples ja vollkommen aus. Doch auch dieses Wort brachte ich nicht über die Lippen. Als wenn sie jemand versiegelt hätte. Um nicht wie dumm auf der Stelle zu stehen, nickte ich einfach.

Mr. Lees Lächeln wurde eine Spur breiter. Unbeholfen wie ich war, vor allem in solchen Momenten, versuchte ich sein Lächeln zu erwidern. Er strich sich mit der Hand die Haare zurück, ohne mich dabei aus den Augen zu lassen. Diese kleine Geste brachte mich völlig aus dem Konzept. Schließlich räusperte er sich: „Gut. Es freut mich, dass sie sich für dieses Angebot entschieden haben. Dann stelle ich mich noch einmal richtig vor. Mein Name ist Lee Donghae. Ich bin der Assistent von Mr. Choi."

Und dann verbeugte er sich doch tatsächlich. Etwas perplex musterte ich ihn. So wie es bei ihm aussah, könnte an meinen, er stammte aus dem 18. Jahrhundert. Gerade als ich überlegte einen Hofknicks zu vollführen, mein Verstand verabschiedete sich scheinbar gerade völlig, gab Mr. Min ein seltsam grunzendes Geräusch von sich. Als stünde ein Schwein mit Schnupfen im Raum und kein schlecht gelaunter Miesepeter.

Nachdem wir uns ihm zugewandt hatten, rümpfte er die Nase und begann in einem solch schleimigem Tonfall zu sprechen, dass es mich nicht wundern würde, wenn er beim gehen eine Spur hinterließ. Eine Schleimspur, wie es nur eine Schnecke vollbrachte. Mit jeder Sekunde konnte ich diesen Mann immer weniger leiden. Und trotz seiner dauernden schlechten Laune, war er für mich schwer zu durchschauen.

„Gibt es ein Problem?", fragte Mr. Park mit einem ernsten Unterton. Mr. Min schüttelte den Kopf: „Nein, nein, fahren sie ruhig fort." Leise begann er etwas zu nuscheln, was sich ein wenig wie: „Ist ja nur mein Büro. Wer braucht schon arbeiten...", anhörte. Den Kopf schüttelnd wandte ich mich wieder den beiden anderen Männern zu. Es gab jetzt wichtigeres zu klären. „Also Miss Cleveland. Ich bin der festen Überzeugung, dass sie geeignet für diesen Job sind. Mr. Choi und ich werden uns jeden Monat über die Fortschritte Informieren und wir werden gespannt sein, wie sie ihre Arbeit erledigen." Er kramte in seinem Aktenkoffer, den er bei sich trug und zog eine dünne Mappe heraus. Mit gemischten Gefühlen nahm ich sie entgegen.

„Diese Mappe enthält ihren Wohnungsschlüssel für das Loft in Seoul. Sie müssen sich dort nur noch einen Schlüssel für die Eingangstür am Empfang holen. Sie schließen ab elf Uhr Abends die Türen aus Sicherheitsgründen. Man bekommt sie dann nur noch von innen ohne Schlüssel auf. Des Weiteren liegen ihr Arbeitsvertrag und der Arbeitsplan dabei. Morgen werden sie mit einem privaten Flugzeug nach Seoul fliegen. Vom Flughafen wird sie ein Fahrer abholen, der sie direkt zu ihrer Wohnung bringt!" All diese Informationen regneten auf mich ein, ohne dass ich genaueres Verstand. Diese ganze Situation kam mir auf einmal so unwirklich vor. Ich war zu nichts weiter imstande und nickte nur wie einer dieser Wackeldackel. 

Nachdem Mr. Lee zusammen mit Mr. Park verschwunden war, schmiss mich Mr. Min geradezu aus seinem Büro. Wutentbrannt knallte er die Tür zu, wobei man ihn unverständliche Flüche aussprechen hörte. Jisoo kam sogleich zu mir herüber gerannt: „Der hat vielleicht schlechte Laune. Sag schon, was ist passiert."

In allen Einzelheiten musste ich ihr von dem Gespräch erzählen. Gebannt hörte sie mir zu, bis sie mir anerkennend auf den Rücken klopfte. „Was hätte ich dafür gegeben, Mr. Mins Gesicht zu sehen, während ihr geredet habt!", meinte sie mit einem breiten Grinsen auf den Lippen. Wir mussten lachen.

Zum Glück hatte ich hier jemanden kennengelernt, der im Gegensatz zu meinem Vorgesetzen locker und humorvoll war. Ich war nicht einmal einen Monat hier und schon hatte ich das Gefühl, eine beste Freundin gefunden zu haben. Ein wenig wie bei Seo-Hyeon und mir damals. Und das mir in dieser kurzen Zeit bereits ein lukratives Angebot gemacht wurde, machte mich ungemein stolz.

Endlich konnte ich allen und vor allem Mr. Min beweisen, dass auch ich etwas konnte. Vor allem diesem Stinkstiefel wollte ich zeigen, was in mir steckte. Von seiner Abneigung zu Amerikanern durfte ich mich nicht unterkriegen lassen. Und solange seine Pfeile nur die Dart Wand und nicht mich trafen, war es mir herzlich egal.

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Teil 2 von Kapitel 10. Hoffe es gefällt euch :)

Am Sonntag kommt Teil drei und vielleicht schaffe ich es bis nächste Woche, das 11 Kapitel zu schreiben. Habe überlegt dieses Jahr wieder mit dieser Story an den Wattys teilzunehmen. Also schreib ich im Moment fleißig 😂

Ich kann euch schon mal soviel verraten. Im nächsten Kapitel werden drei neue Charaktere vorkommen. Wer das verrate ich natürlich noch nicht 😉

Wünsche euch allen noch einen schönen Tag und ein ein schönes Wochenende. Vorausgesetzt man muss nicht wie ich arbeiten😂

Bis bald eure Sabrina

Mianhae- Kirschblüten Sommer// #Wattys2018/19Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt