Anprobe

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Darauf bedacht, nicht gesehen zu werden, ging er auf die kleine Seitengasse zu. Innerlich verfluchte er sich wieder einmal für seine damalige Dummheit. Hätte er sich doch bloß niemals auf ihn eingelassen, dann würde er jetzt nicht so tief in der Scheiße stecken!

Er vergewisserte sich nochmal, dass ihn niemand beobachtete, dann betrat er die kleine Gasse. Er müsste sich zusammenreißen um sich nicht instinktiv die Nase zuzuhalten. Es stank fürchterlich! Schnellen Schrittes ging er auf die schwere Eisentür zu, die ihm den Weg versperrte und klingelte. Es behagte ihm gar nicht, dass Lizza nun alleine in diesem Geschäft war, doch aus irgendeinem Grund vertraute er ihr. Die Tür wurde schwungvoll geöffnet und riss ihn somit aus seinen Gedanken. "Ach du bist's!", sagte der Mann der dahinter zum Vorschein kam und lächelte. Er lächelte kurz zurück und trat ein. Er folgte ihm die Treppen hoch und blieb vor der Tür stehen. "Ich sag dem Boss eben Bescheid", sagte der Mann und verschwand. Kurz darauf wurde die Tür erneuert geöffnet und er betrat den Raum.
"Jason! Was führt dich zu mir?", begrüßte er ihn und lächelte. "Das ist doch das Mädchen, dass ihr mir bringen wolltet", sagte er und knallte den Brief auf den Tisch, den er heute morgen erhalten hatte. Er hatte keine Lust auf diese geheuchle. Er sah ihn überrascht an. "Stimmt etwas nicht? Meine Jungs sind sehr zuverlässig, was das angeht", entgegnete er und sah sich die Informationen genauer an. Jason ging nicht weiter darauf ein und zeigte auf einen kleinen Absatz. "Dann stimmt es auch, dass das ihre Freunde sind?" Er kochte innerlich vor Wut. Warum musste das gerade ihm passieren?

Er sah ihn verwundert an. "Ja wieso?" Er atmete tief durch und´versuchte ruhig zu bleiben. Dann sah er ihn ernst an. "Deine Jungs haben mir Lizza geschickt!"


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"Und wie gefällt ihnen dieses Kleid?", fragte die Verkäuferin und hielt ein beiges Kleid hoch, das über und über mit Perlen bedeckt war. Ich schüttelte den Kopf. "Also eher was schlichtes", sagte sie und verschwand wieder zwischen den unzähligen Kleidern. Ich kam mir ziemlich fehl am Platz vor in meinem engen Partykleid, in dem Jason mich hier abgeliefert hatte. Ich war Jessy, wie die Verkäuferin sich mir vorgestellt hatte, sehr dankbar, dass sie nicht weiter darauf einging.
"Und dieses hier?", fragte sie, als sie mit einem roten Abendkleid zurückkehrte. Es war schlicht und bodenlang. Außerdem fiel es ab der Hüfte locker um meine Beine. Begeistert nickte ich und zog das Kleid an. Kurz darauf verließ ich stolz die Kabine. Jessy klatschte begeistert in die Hände. "Sie haben Recht, das ist wie für sie gemacht!", sagte sie und schob mich vor einen Spiegel, in dem ich mich nun betrachtete. Das Rot harmonierte perfekt mit meinen braunen Haaren. "Ich beneide sie", sagte Jessy plötzlich und lächelte entschuldigend. "Bitte, du kannst mich ruhig dutzen. Und es gibt keinen Grund mich zu beneiden!"

Jessy sah mich verwundert an. "Und ob es den gibt! Du bist wunderschön, Lizza. Und du hast einen Mann der dir mal eben so fünf umwerfende Kleider kauft, die, nebenbei, nicht gerade billig sind." Ich schüttelte den Kopf.

"Er ist nicht mein Mann."

"Dann eben dein Freund."

"Er ist auch nicht mein Fr..."

"Ist ja auch egal!", unterbrach sie mich und hob abwehrend die Hände. Dann fingen wir ohne Grund an zu lachen. "Also möchtest du dieses Kleid nehmen?", fragte Jessy mich und lächelte aufmunternd. Ich zögerte und betrachtete mich abermals im Spiegel. Dabei fiel mein Blick zufällig auf das kleine Preisschild, das zwischen dem ganzen roten Stoff etwas herausstach. "Das ist doch viel zu teuer!", sagte ich erschrocken, als ich die Summe darauf erkannte. Jessy zuckte mit den Schultern. "Wenn ein Mann eine Frau alleine in einem Laden lässt, mit dem Auftrag ein paar Kleider für sie zu finden, kann der Preis ja keine so große Rolle spielen. Sonst würde er darauf achten, wie teuer die Kleider sind, die seine Begleitung anprobiert." Ich zögerte. "Trotzdem... Ich weiß nicht so Recht!"

"Hat er Geld?", flüsterte sie mir verschwörerisch ins Ohr. "Ja", entgegnete ich verwirrt. "Dann ist der Preis egal! Also? Nimmst du es?", fragte sie erneuert. Ich überlegte und nickte schließlich. "Ja ich nehme es!" "Super! Dann brauchen wir jetzt nur noch vier Kleider!", sagte sie und war auch schon wieder verschwunden. Ich lächelte und verschwand wieder in der Kabine. Selbst Schuld, wenn er mich hier alleine lässt!

"Es macht wirklich Spaß dich zu beraten", verkündete Jessy, als ich mit dem nächsten Kleid die Kabine verließ. "Danke", sagte ich und lächelte. Sie lächelte zurück. "Wirklich! Die meisten Leute die hier her kommen sind irgendwelche eingebildeten Schnösel, die meinen sie wären etwas besseres, nur weil sie Geld haben." Ich musste lachen. Irgendwie tat sie mir ja schon leid, aber das war nun Mal das Risiko, wenn man in so einem Laden wie diesen arbeitete.

"Das steht dir wirklich gut! Das nimmst du, keine Wiederrede!", sagte sie, als ich mich im Spiegel betrachtete. Ich nickte und ging mich wieder umziehen. Anschließend ließen wir uns erschöpft auf das Sofa fallen, das vor den Umkleidekabinen stand. "Geschafft!" Jessy lächelte mich glücklich an. "Wirklich, ich hätte nie gedacht, dass Shoppen so anstrengend sein kann!", sagte ich und ließ meinen Kopf in den Nacken fallen. 

"Bist du fertig?", fragte Jason der plötzlich hinter mir aufgetaucht war. Erschrocken sprang ich auf. Er lächelte belustigt und ließ seinen Blick über den Haufen Kleider schweifen, die Jessy über den Arm gelegt hatte. "Dann lass uns gehen!", sagte er und ging zur Kasse, um zu bezahlen. Jessy zwinkerte mir zu und folgte ihm. Jason bezahlte ohne zu zögern, während der Preis bei mir für Schnappatmung sorgte. Anschließend nahm er die Tasche und sah mich fragend an. "Können wir?" Doch ich kam gar nicht zu Wort, da Jessy wieder hinter dem Thresen hervor kam und mich in den Arm nahm. "Ich hoffe wir sehen uns bald wieder, Lizza!" Ich lachte und schloss sie ebenfalls in den Arm. "Das hoffe ich auch! Komm mich doch irgendwann besuchen?", sagte ich und sah Jason bittend an. "Das ist doch okay, oder?" Er sah mich überrascht an und zögerte kurz. Schließlich lächelte er und nickte. Jessy lächelte zurück. "Das werde ich ganz sicher!", entgegnete sie und schloss mich abermals in den Arm. Jason notierte ihr die Adresse auf einem Blatt und verließ anschließend, von mir gefolgt, den Laden.

Anschließend verstaute er die Sachen im Kofferraum und stieg ins Auto. Ich folgte seinem Beispiel. Danach sah ich ihn fragend an...

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Ich hoffe euch gefällt das Kapitel! :D

Auf dem Bild seht ihr das rote Abendkleid von Lizza :)

Maid ReluctantWo Geschichten leben. Entdecke jetzt