Diese Frage lässt dich auf dem Weg zu Gingkas „perfektem Ort zum Reden" nicht mehr los. Was passiert, wenn Ryuga danach immer noch so ist und niemals wieder auch nur ansatzweise zu dem wird, der er einmal vor langer Zeit gewesen ist?
Vielleicht ist es längst zu spät und Ryuga nicht mehr vor der Dunkelheit zu retten. Sie gehört mittlerweile zu ihm, das hast du gespürt – die düstere Aura, die ihn umgibt, war nicht zu übersehen – und ist ein fester Bestandteil von ihm.
LDrago könnte jederzeit die Kontrolle übernehmen und dann seid ihr alle verloren, Ryuga miteingeschlossen.
Battle Blader kann das Ende oder der Anfang sein, der Anfang einer Welt voller Finsternis, die du nicht erleben willst oder das Ende von Dojis bösen Machenschaften. Selbstverständlich hoffst du, dass Letzteres einkehren wird.
Da du dich in Metal City nicht sonderlich gut auskennst, versuchst du nebenbei, dir die Gegend genau einzuprägen, um irgendwie nachher zu deinem Hotel zurückzufinden. Ihr geht über eine Brücke und entfernt euch ein Stück von dem Zentrum der Stadt.
Mit gefühlt jedem Schritt kommen euch immer weniger Menschen entgegen, bis ihr komplett alleine am Ufer eines dir unbekannten Flusses entlangschlendert. Es ist beeindruckend, was für einen großen Unterschied einige Meter hinsichtlich des Trubels machen.
„Hier komme ich immer zum Nachdenken her", erklärt Gingka dir und ein leichtes Lächeln ziert seine Lippen, „Und neuerdings auch zum Reden, nachdem ich Kenta das erste Mal getroffen habe."
Gingka hüpft mit Leichtigkeit über das Geländer vor euch und lässt sich mit ausgestreckten Armen ins Gras fallen. „Nachts kann man hier wunderbar die Sterne beobachten, der Ausblick ist fantastisch."
Im Gegensatz zu ihm steigst du sicherheitshalber über die Brüstung, bevor du noch auf deiner Nase landest und nimmst neben ihm Platz. Vor euch erstreckt sich der Fluss und im Hintergrund die Hochhäuser Metal Citys und trotzdem hört ihr nur das Rauschen des Wassers und das Rascheln des Grasses. Du kannst dir vorstellen, wie schön der Anblick im Dunklen sein wird und warum dies einer von Gingkas liebsten Plätzen zu sein scheint.
Bestimmt wirst du ihn nun öfter aufsuchen, wenn du in der Stadt bist, der Ort ist perfekt zum Entspannen und zum Grübeln, nebenbei wird einem zusätzlich ein tolles Bild geboten.
Beinahe hättest du deshalb vergessen, warum ihr dort seid und dass Gingka Antworten von dir erwartet, die du nicht unbedingt teilen möchtest. Du vertraust ihm – wie kann eine Person Gingka Hagane auch nicht trauen? – allerdings willst du dich mit manchen Sachen nicht erneut auseinandersetzen.
Ryuga gehörte der Vergangenheit an und seit er es nicht mehr tut, schmerzt es viel mehr. Das ist der Grund, weswegen du das Gespräch schnell hinter dich bringen willst, eher dich die Gefühle erneut übermannen.
„Ich kenne Ryuga seit ich denken kann, wir sind in demselben Dorf aufgewachsen und da unsere Eltern beste Freunde waren, haben wir uns fast täglich gesehen. Wir sind nicht blutsverwandt, aber er und Ryuto, sein kleiner Bruder, gehören zu meiner Familie", durchbrichst du die Stille zwischen euch und verhinderst damit, dass du weiterhin in Gedanken schwelgst und einen Rückzieher machst.
Gingka dreht sich leicht zur Seite, um dir beim Reden in die Augen sehen zu können und hört dir schweigend zu. Er will dich erst das erzählen lassen, was du berichten möchtest und danach gegebenenfalls Fragen stellen. Du bist ihm gegenüber nicht verpflichtet, ihm überhaupt irgendetwas zu sagen und er ist froh, dass du es dennoch tust.
„Ryuga und ich haben uns früher öfter nachts heimlich rausgeschlichen, um die Sterne zu beobachten. Dabei ist uns Doji dann das erste Mal begegnet und hat davon geredet, dass wir talentierte Blader wären und er uns gerne helfen würde, noch stärker zu werden. Er hat danach seine tolle Organisation – die Dark Nebula, die uns dabei unterstützen könnte – erwähnt und wir waren wie gebannt.
Wir waren jung und naiv. Natürlich haben unsere Eltern uns erzählt, dass wir nicht mit Fremden reden sollten – vor allem nicht vollkommen alleine nachts im Dunkeln – aber es hörte sich so verlockend an. Wir waren die stärksten Beyblader in unserem Dorf, uns fehlte die Herausforderung und das wäre eine einmalige Change für uns gewesen."
Nachdenklich drehst du das Ende deines geflochtenen Zopfes um deinen Finger und schließt die Augen halb. Du kannst nicht mehr wortwörtlich wiedergeben, was er damals alles behauptet hat und auch die Szene, die sich früher jeden Abend in deinem Kopf abgespielt hat, ist nur noch unscharf. Nur eine Sache wirst du niemals wieder vergessen: Du hast Ryuga im Stich gelassen.
Du schluckst hörbar und suchst Halt im nassen Grass, deine freie Hand umklammert ein paar Halme und Gingka schenkt dir einen besorgten Blick. Leider bist du in der Hinsicht viel zu durchschaubar, neben tausend anderen einer der Gründe, warum du nicht gerne über das Thema sprichst.
„Ich würde am liebsten sagen, dass ich seinen Plan durchschaut habe oder von seiner finster wirkenden Art abgeschreckt worden bin, allerdings wäre das gelogen. Ich bin vor Ryuga nach Hause gegangen, weil mir kalt war." Abfällig schnaubst du und schüttelst den Kopf. „Du musst dir das mal vorstellen. Ich habe meinen besten Freund, der wie ein Bruder für mich war, alleine in tiefster Nacht mit einem völlig fremden Mann gelassen, weil ich ein bisschen gefroren habe! Eine tolle beste Freundin war ich ..."
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Kindheitsträume - I. Versprochen ist versprochen
FanfictionDu kennst Ryuga gefühlt, seit du denken kannst und dennoch kommt es dir so vor, als würde ein Fremder und nicht dein ehemaliger Kindheitsfreund vor dir stehen. Was ist aus dem kleinen Jungen geworden, der dir einst das Versprechen gegeben hat, dass...
