18. Austausch

252 8 8
                                        

Tsubasa steht vor dem Hubschrauber, er ist mit einem nachdenklichen Ausdruck auf seinem Gesicht in sein Handy vertieft und hat wie du seinen Rucksack geschultert.

Sofort beschleunigst du dein Tempo etwas und stellst dich mit einem leisen „Hi" neben ihn, um ihn nicht zu erschrecken. „Entschuldige, dass ich dich habe warten lassen. Ich wurde aufgehalten", fügst du hinzu, nachdem er von seinem Display zu dir aufsieht.

Aus den paar Minuten, wie du behauptet hast, sind einige mehr geworden, du hast eindeutig die Zeit vergessen und eventuell etwas langsamer als sonst deine Sachen zusammengepackt.

„Kein Problem, das dachte ich mir." Tsubasa schenkt dir ein leichtes Lächeln und deutet dabei zum Hubschrauber. „Wir haben keinen Zeitdruck, ein paar Minuten machen keinen Unterschied und verwerfen unseren Zeitplan nicht."

Er verstaut sein Smartphone wieder in seiner Hosentasche und betrachtet dich mit einem vielsagenden Blick. „Ich musste selbst noch etwas Dringendes erledigen." Sein eindeutiger Ausdruck kommuniziert dir, dass er dich später darüber informieren wird.

Verstehend nickst du, ehe du aber etwas darauf erwidern kannst, meldet sich der Pilot eilig zu Wort: „Im Gegensatz zu euch habe ich Zeitdruck, also steigt gefälligst ein!" Sein genervter Tonfall ist nicht zu überhören.

Das unhöfliche Verhalten kannst du ihm nicht einmal verdenken, Doji ist nicht sonderlich kulant und du wärst auch verärgert, wenn du deinen Job nicht rechtzeitig erledigen könntest, weil zwei Jugendliche nicht pünktlich auftauchen und dann noch vor dem Helikopter quatschen, mit dem sie gemeinsam fliegen werden.

Demzufolge sparst du dir einen frechen Kommentar und folgst Tsubasa in den Hubschrauber. Tsubasa nimmt an der Fensterseite Platz, während du dich in den Gang setzt. Die Höhe ist dir nach wie vor nicht geheuer – wollte Tsubasa nicht deshalb angeblich einen Flug vermeiden? – und es wird definitiv nicht besser, solltest du nach draußen gucken und sehen, wie hoch ihr euch tatsächlich befindet.

Unter anderem deswegen hast du auch deinen Laptop mitgenommen, einerseits soll eine gewisse Person keinen unüberwachten Zugang zu ihm mehr bekommen und andererseits kannst du dich so etwas von dem Flug ablenken. 
Dadurch dass du den Laptop direkt zugeklappt hast, hat Ryuga keine Möglichkeit gehabt, den Verlauf zu löschen und es interessiert dich brennend, was er sich angesehen hat – vielleicht Bilder von Ryuto?

Aufgrund einer positiven Unterhaltung dürftest du dir eigentlich niemals solche Hoffnungen machen, allerdings kannst du nicht anders. Ryuga ist nicht egal, was mit Ryuto ist und er ist weiterhin wichtig für ihn. Das entkräftigt seine Drohung und bringt Ryuto vorerst aus der Schusslinie. Dies ist viel mehr, als du dir erhofft hättest. 
Er wird nicht zulassen, dass Doji auf blöde Ideen kommt und ihm irgendetwas tut. Die Tatsache beruhigt dich allgemein, weil sie dir eine deiner größten Sorgen nimmt. 
Zwar ändert das nichts an Ryugas Aussage, allerdings hast du immerhin die Gewissheit, dass Ryuto in Sicherheit ist und weiterhin wäre.

Noch kannst du den Gedanken an einen potentiellen Kampf zwischen euch verdrängen und auf später verschieben. Eventuell lassen sich die Dinge doch anders lösen und es muss gar nicht erst dazukommen, obwohl die Chance leider sehr gering ist. Im Vergleich zu gestern erscheint sie heute aber deutlich höher als je zuvor.

Anscheinend ist ein bisschen von deinem Glück zurückgekehrt, denn der Tag heute wirkt sehr vielversprechend und auf das Turnier morgen freust du dich ebenfalls. 
Tsubasa ist ein starker und geschickter Blader und es wird sicherlich Spaß machen, mit ihm zu kämpfen. Als Team zu bladen, ist noch einmal etwas völlig anderes und verlangt andere Fähigkeiten, der Spaß und der Nervenkitzel bleiben allerdings gleich.

Kindheitsträume - I. Versprochen ist versprochenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt