„Chloe! Wie lange dauert das denn noch?", schallt es aus dem benachbarten Zimmer, als ich eine Strähne um den Lockenstab wickle und sie nach einigen Sekunden wieder sanft in meine linke Hand absinken lasse.
„Ja, ich bin jetzt fertig.", entgegne ich. Na ja, fast fertig. Ich blicke auf die Uhr und bemerke, dass ich schon eine glatte Halbestunde meine Haare locke. Meine Lippen formen ein stummes Oh, während ich die nächste Strähne in meine Hand sinken lasse und- „Heiß!", kreische ich auf und reiße schüttelnd die Hand weg.
„Ich biete dir jedes Mal aufs Neue einen hitzebeständigen Handschuh an, aber du verneinst stets.", schallt Amy lachend um die Ecke. Ihr Kopf ragt dabei aus dem Türrahmen.
„Ja, ja.", knurre ich und strecke ihr gespielt die Zunge entgegen, woraufhin Amy nur grinst.
„Hopp hopp, wir müssen gleich los. Die Party soll doch nicht ohne uns beginnen." Ihr Kopf verschwindet und ich höre, wie sie sich mit ihren klackernden Schuhen entfernt.
Ich stecke den Lockenwickler aus und lasse ihn zum Abkühlen auf dem Waschbecken liegen. Blind greife ich nach meinem neuen Kleid, welches ich herzlos über die Toilette links neben mir geworfen habe. „So gehst du als mit deiner teuren Kleidung um.", würde Mom vermutlich jetzt sagen. Aber was soll's. Ich weiß nicht einmal mehr von welcher Marke das ach so tolle Kleid stammt. Um ehrlich zu interessiert es mich nicht. Doch ich erwische mich dabei, wie ich einen kleinen und kurzen Blick auf das Etikett werfe. „Versace, oh ...", flüstere ich und drehe hektisch das Etikett um. Marken waren noch nie mein Ding, auch wenn Mom und Dad uns ständig damit überhäuften. Wir sind quasi damit aufgewachsen. Während Amy stets eine große Begeisterungsfähigkeit zeigte, ließen mich solche Themen wie, welche Marke hat das Kleid oder was bekommen wir diesmal wohl zum Geburtstag geschenkt, kalt. Ich bin vermutlich einfach nicht der Typ dafür. Aber wenigstens geht eine bei uns in der Familie bei dem Thema auf.
Ich krame nach einer Nagelschere in meinem Kulturbeutel auf dem Waschbecken und schneide das Etikett - vielleicht etwas zu unvorsichtig - ab. Denn schon hab ich mich versehen, ist ein Loch in dem Kleid. „Scheiße ...", forme ich stumm das Wort. Das Loch ist zwar klein, aber es ist dennoch ein Loch. Und wieder kommt mir der Satz meiner Mutter ins Gedächtnis. Es hilft jetzt nichts diesen Schlamassel zu nähen. Die Zeit ist zu knapp.
Vorsichtig öffne ich den Reißverschluss des Kleides, steige mit den Füßen zuerst rein und- verdammt. Meine Hände stoppen direkt unter meinem Po. Das kann doch nicht wahr sein!
"Habe ich etwa zugenommen oder warum ist das bescheuerte Ding so eng.", fluche ich vor mich hin.
Ich bin nicht sonderlich dick, aber besitze gute Kurven, worüber ich mich natürlich nicht beschweren sollte. Jedoch bereitet mir dies bei der Kleidersuche offensichtliche Schwierigkeiten.
Mit einem Ruck schaffe ich es endlich, das Kleid über meinen Allerwertesten zu ziehen. Blind fingere ich nach dem Reißverschluss, welcher sich mit einem Knurren schließt.
Auf Zehenspitzen drehe ich mich um und blicke in den Spiegel, welcher sich direkt vor mir im Flur befindet. Ich trete ein wenig näher, sodass ich nun im Türrahmen stehe und mich genauer im Ganzkörperspiegel betrachten kann und ... wow. Es lässt sich definitiv nicht leugnen, wie wunderschön das Kleid ist. Es sitzt wie angegossen und geht mir bis zu den Knöcheln. Der zarte, schwarze Stoff schmiegt sich wie eine zweite Haut an meinen Körper und hat auf der linken Seite einen Schlitz, welcher mein glatt rasiertes Bein bei gewissen Bewegungen entblößt, dennoch nicht zu viel. Die Träger des Kleides sind hauchdünn und vorne rafft es sich zusammen, wodurch mein Dekolleté besonders betont wird. Das Kleid ist elegant und trägt in keinster Weise auf. In anderen Worten: Es ist perfekt!
Ein leichtes Schmunzeln schleicht sich auf meine Lippen.
Meine goldenen High Heels stehen neben mir schon bereit, weshalb ich rasch in sie schlüpfe, um wenigstens etwas größer zu wirken und das Outfit abzurunden. Ich weiß zwar jetzt schon, dass ich darin keine ganze Nacht verbringen kann, aber den Schmerz ist es wert. Ein letztes Mal betrachte ich mich im Spiegel. Die Schuhe passen farblich genau zu meinem Schmuck, ebenso wie meine leicht betonten Augen, welche ebenfalls in einem Gold schimmern. Meine Lippen sind knallrot und heben sich von den anderen Tönen ab. Ich erkenne mich selbst kaum wieder, aber ich muss zugeben, ich sehe wirklich gut aus und fühle mich auch so.
Top gestylt wanke ich zu meiner Schwester, die mich mal wieder mit ihrer Schönheit übertrumpft.
Amy sieht aus wie ein Supermodel, weshalb die ganzen Jungs ihr zu Füßen liegen. Sie ist groß, hat einen Traumkörper, blondes, wallendes Haar und genau die perfekten Gesichtsproportionen an den richtigen Stellen.
Ihre Schönheit hat mich schon öfter aus der Bahn geworfen, weil ich mich jedes Mal aufs Neue unsicher fühle, wenn ich mit ihr unterwegs bin, da die ganzen Blicke natürlich nur allein auf sie gerichtet sind. Sie ist wie ein Magnet, der alles an sich zieht.
Aber heute will ich zeigen, dass ich auch existent bin. Ich habe mich nicht umsonst für die große Party von Cassy so herausgeputzt.
Cassy ist eine gute Freundin von Amy und hat mich netterweise auch auf ihre heutige Party eingeladen. Und eigentlich bin ich, was Partys angeht, das komplette Gegenteil. Ich hocke nur in meiner kleinen Wohnung in Boston und gehe auch dort zur Uni. Meine Eltern haben schon oft zur mir gesagt, dass ich doch mal was mit meinen zarten 23 Jahren unternehmen soll, um neue Leute kennenzulernen. Aber um ehrlich zu sein hege ich kein wirkliches Interesse daran, neue Leute zu treffen. Ich war schon immer ein Einzelgänger. Schon in meiner Grundschulzeit habe ich mich stets aus jeglichen gemeinsamen Aktivitäten rausgehalten und war eher der ruhigere Part. Später habe ich mich voll und ganz auf die Schule konzentriert, zumal ich auch schon immer, ohne angeben zu wollen, eine echt gute Schülerin war und es immer noch bin. Auch mein derzeitiges Studium läuft einwandfrei.
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Right or Wrong? (WIRD ÜBERARBEITET)
Romance⚠️⚠️⚠️ Ich bin mit der Schreibweise und der Story sehr unzufrieden, weshalb ich alles derzeit am überarbeiten bin und die Handlung teilweise ändere. Deshalb sorry fürs eventuelle Chaos. Danke fürs Verständnis :) Die unbearbeiteten Kapitel sind zurüc...
