„Hey...", flüsterte ich und stützte meinen Kopf. Yps und seine Frau hatten längst den Tisch abgeräumt. Das Essen hatte großartig geschmeckt. So wie alles, was mein bester Freund kochte.
„Zu mir sagen, ich solle mir mein ‚Hey' in den Allerwertesten schieben und dann selbst damit ankommen." Er lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. Wir waren allein im Esszimmer. Die anderen beiden hatten sich längst in die Stube verzogen. „Ich hab nicht gewusst, dass du wieder in der Stadt bist, Äffchen."
Ich schüttelte leicht den Kopf, nahm einen Schluck von dem Rotwein. „Ich wusste auch nicht, dass du ebenfalls wieder hier bist."
„Ich hatte wohl Heimweh." Er lachte auf, schüttelte leicht den Kopf. „Es ist unglaublich oder?"
„Was genau?"
„Wir kommen beide zur gleichen Zeit in die Stadt zurück, in der wir uns kennenlernten."
„Vielleicht haben wir beide uns einfach in diese Stadt verliebt. Genau wie unsere Freunde."
„Vielleicht." Er legte seinen Arm auf die Rückenlehne des Stuhls neben sich.
„Du arbeitest also an der selben Schule wie Yps?"
„Ja. Das hat mich echt überrascht, als wir uns im Flur begegnet sind. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Schließlich wollte er immer an eine andere Schule."
„Das stimmt. Aber die beiden haben sich in dieses Haus hier verguckt und haben ihr Leben quasi um diese Hütte herum gebaut." Ich musste lachen. „Klingt irgendwie total bescheuert in meinen Ohren. Aber die beiden sind eben so."
„Das ist typisch für die zwei", gab er mir Recht und ließ seinen Blick schweifen. „Sie wirken wirklich glücklich."
„Ich glaube, das sind sie auch. Wirklich. Ich kenne die beiden wahrscheinlich besser als jeder andere auf der Welt. Und glaub mir, ich habe sie niemals so strahlen sehen wie miteinander. Sie sind wohl das beste Beispiel für wahre Liebe."
„Wahre Liebe, hm?" Er schenkte uns beiden von dem Wein nach.
„Apropos! Fährst du deine alte Lady noch?"
„Was ist das denn für eine Frage? Sie schnurrt noch immer wie ein Kätzchen."
„Wirklich?" Es hätte mein Bild vollkommen zerstört, wenn er nicht mehr in seinem altem Pick-Up durch die Weltgeschichte fahren würde.
Er nickte leicht. „Sie hat mich die letzten Jahre zwar viel Geld gekostet. Aber ich bringe es nie übers Herz, sie gehen zu lassen. Sie ist mein Baby!"
„Das war sie immer..." Ich betrachtete den Mann, der mir gegenüber am Tisch saß. Er hatte sich kaum verändert. Er hatte früher schon kein Interesse etwas an seinem Äußeren zu ändern. Das mochte ich irgendwie. Seine Mütze fehlte. Aber der Grund dafür lag schließlich auf der Hand.
„Was ist mit dir? Was machst du so? Wie war das Projekt damals gelaufen? Mit diesem... wie hieß er? Benjamin?"
„Oh das ist wirklich toll gewesen. Wir haben unsere Bilder ausgestellt, wir konnten die Geschichte dahinter erzählen. Und die Werke wurden teilweise sogar sehr erfolgreich verkauft. Ein Großteil von dem Geld haben wir gespendet. Es ist wirklich super gelaufen." Ich erzählte ihm einige Einzelheiten aus der Zusammenarbeit mit Ben. „Ich versuche davon zu leben. Also von der Kunst. Das ist ziemlich hart. In manchen Monaten klappt es, in anderen nicht. Aber mein Vermieter zum Beispiel ist echt cool drauf, er unterstützt mich und lässt mich machen. Da muss ich mir keine Sorgen machen, mein Bett unterm Arsch zu verlieren."
„Das ist cool. Vielleicht zeigst du mir ja mal, woran du so arbeitest?"
„Klar. Du bist immer willkommen", gab ich lächelnd zurück. Ich wusste, dass er sein Interesse nicht nur vortäuschte. Es war aufrichtig, er hatte sich immer gern angesehen, woran ich arbeitete. „Lebst du... lebst du allein?"
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Ursus [boyxboy]
Romance„Wieso sprichst du ihn nicht einfach an?" „Er will sicher keinen Typen. Schon gar nicht einen, der im Rollstuhl sitzt. Sieh mich doch an." „Gut, dann zeichne ihn halt für den Rest deines Lebens nur in dein Skizzenbuch ohne je ein Wort mit ihm gewech...
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