„Hau dich ruhig aufs Ohr. Ich sag Bescheid, wenn es essen gibt." Man merkte Ben an, dass er Vater war. Geschiedener Vater von zwei Söhnen. Der ältere der beiden lebte bei ihm, der jüngere bei der Mutter.
Ich hatte es tatsächlich getan. Ich war fort gegangen. Fort von meinen Freunden. Meiner Familie. Fort von Ursus. Der Abschied war mir schrecklich schwer gefallen. Als er mir seinen Elbsegler auf den Kopf gesetzt und tief ins Gesicht gezogen hatte, konnte ich nicht anders als zu heulen. Doch da war die Autotür bereits geschlossen. Es gab kein Zurück mehr.
Außerdem hatte ich mich bewusst Entschieden. Entschieden zu gehen. Chancen zu nutzen, die das Leben mir gab. Also würde ich für eine Weile bei Ben wohnen, ihm bei seinem neuen Projekt helfen.
Ich verfrachtete mich auf das Bett. Es würde mein Bett sein, für eine Weile. Mein Zimmer. Mein Zuhause. Für eine Weile.
Ursus und ich hatten beschlossen, den Kontakt vollständig abzubrechen. So waren wir einander keine Rechenschaft schuldig, wenn es jemand anderes gab. Keine Eifersucht. Jeder hatte sich für seinen eigenen Weg entschieden. Ob er sich erneut kreuzte, überließen wir dem Zufall. Oder dem Schicksal. Je nach dem, woran wir glauben mochten. Vielleicht waren wir einfach zu ängstlich, es auf die Ferne zu versuchen. Zu viel Angst. Zu viel Anstrengung. Ablenkung von den eigentlichen Zielen. Wir beide waren uns einig gewesen, dass es das Beste war, wenn wir komplett unterschiedliche Wege gingen. Halbe Sachen. Davon hatten wir beide genug. Außerdem waren wir so im Guten auseinander gegangen. Kein Streit. Kein Krieg zwischen zwei Seelen, die sich längst verloren hätten. Es war gut so, wie es war. Glaubte ich. Außerdem waren wir eh nie ein richtig offizielles Paar. Wir hatten nie darüber geredet, was das zwischen uns genau war. Es sollte keinen Namen haben, das zwischen uns. Wir hatten nie über unsere Gefühle füreinander geredet. Jedenfalls nicht so, wie es andere taten, wenn sie beschlossen den Weg Hand in Hand zu gehen. Und nun hatten wir uns losgelassen.
Ich holte tief Luft und sah an die Zimmerdecke. „Es tut trotzdem weh...", flüsterte ich und fuhr mir über das Gesicht, ehe ich Ursus' Mütze von meinem Kopf nahm. Seine Mütze... Er hatte sie mir wortlos überlassen. Dabei war sie so etwas wie ein zusätzliches Körperteil.
Ich legte sie auf mein Gesicht. Sie roch nach ihm. Natürlich tat sie das. Nach ihm. Nach Zigarettenrauch. Noch immer verstand ich nicht, wieso mich sein Duft so sehr anzog. Ein kleines bisschen hinterher trauern. Das war okay. Oder?
Seufzend hob ich die Mütze hoch und begutachtete sie. Der Elbsegler war total abgeranzt. Er passte eben zu ihm. Mein Blick fiel auf diesen Zettel, der im inneren eingenäht war. Aus welchem Material diese Mütze bestand, das konnte man seit langer Zeit nicht mehr lesen. Dafür stand etwas anderes darauf. Als ich es las, musste ich Lächeln. Es war das einzige Mal gewesenen, dass ich ihm meine Gefühle offenbarte. Das Schicksal oder der Zufall sollten entscheiden, ob er es sah. Ich hatte es drauf geschrieben. Irgendwann. Ich wusste nicht mehr, wann genau. Nur den kleinen Pfeil, der unter
‚Ich liebe dich, CHRIS'
stand, kannte ich nicht.
Ich klappte den kleinen Zettel um. Und mehr brauchte es nicht, um es regnen zu lassen. Das Schicksal oder der Zufall hatte zugeschlagen. Er hatte meine kleine Nachricht gesehen. Auf die Rückseite meines Geständnisses, schrieb Ursus seine Antwort.
‚Ich liebe dich, MIKA'
Vier Worte. Alle sagten, es wären drei. Nein, vier Worte zogen mir den Boden unter den Füßen weg. Mein Herz fiel aus der Brust.
„Fuck!"
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Ursus [boyxboy]
Storie d'amore„Wieso sprichst du ihn nicht einfach an?" „Er will sicher keinen Typen. Schon gar nicht einen, der im Rollstuhl sitzt. Sieh mich doch an." „Gut, dann zeichne ihn halt für den Rest deines Lebens nur in dein Skizzenbuch ohne je ein Wort mit ihm gewech...
![Ursus [boyxboy]](https://img.wattpad.com/cover/186881890-64-k206499.jpg)