Nach Feierabend begleitet mich Isla nach Hause.
Es ist ein herrliches Gefühl, als ich den strengen Haarknoten löse und meine braunen Locken Freiheit gönne.
Am liebsten wäre ich geflogen, aber Isla zuliebe latsche ich jetzt gemächlich neben ihr her."Du hast keine Ahnung was in Baylon gerade abgeht." beginnt sie auf einmal ernst.
Baylon ist eine reine Studentenstadt, die für alle Fabelwesen zugänglich ist. Nur sind nicht wirklich alle Völker vertreten. Die Elementgeister sind meistens zu scheu, die Wassernymphen haben genug gelernt, wenn sie alle Frisurtechniken beherrschen und wir Feen tanzen eben.
Da ist keine große Bildung notwendig. Damit bleiben nur die oberschlauen Elfen.
Ich persönlich wurde noch nie eingeladen um mich an einem Studium zu versuchen, weil sie wahrscheinlich die Feen längst von ihren Einladungslisten gestrichen haben. Wäre auch irgendwie unpraktisch, wenn im Unterricht jemand aufspringt und 'Let's twist again'anstimmt."Alle sind erstmal nach Hause geschickt worden. Irgendjemand oder Irgendetwas greift gerade Fabelwesen an. In Baylon direkt gab es zwar noch keine Tat, aber im Geisterwald ist etwas Schreckliches passiert. Ein Waldgeist ist auf das übelste gefoltert worden. Man hat ihn eingefangen, mit irgendeinem Menschenzeug übergossen und dann angezündet."
Fassungslos höre ich Isla zu. Das es jemanden gelingt überhaupt einen Waldgeist einzufangen, ist schon verwunderlich. Aber das man ihn auch noch Feuer aussetzt ist furchtbar.
Die Geister sind die friedlichsten Wesen die es gibt und sehr schüchtern.
Sie nehmen den Charakter ihrer Bestimmung an. Ein Waldgeist hat beispielsweise Rinde und Blätter am Körper.
Bei Feenauftritten kommen die Elementgeister als letzte, gehen als erste wieder und während der Vorstellung sitzen sie im hintersten Eck."Dann waren es diese Menschen!" meinte ich empört.
"Das hat die Untersuchungskommission schnell wieder ausgeschlossen. Menschen können ohne Hilfe die Grenzlinie zu unserer Welt nicht sehen. Es muss ihnen wendern jemand geholfen haben."
"Aber wer soll den seine eigene Welt verraten und außerdem, was verspricht er sich davon einen Waldgeist zu verletzen?"
"Naja, also genau genommen hat er ihn getötet. Nachdem ihn ein Blumengeist gefunden hat, ist er später an den Verletztungen gestorben."
Sprachlos schaue ich auf meine Füße, während wir das belebte Stadtzentrum hinter uns lassen.
"Auf alle Fälle gibt es keinerlei Hinweise auf den Täter, deshalb haben sie in Baylon Schiss bekommen. Mein Abschluss wird warten müssen." seufzt Isla.Grübelnd frage ich mich immer noch weshalb jemand so etwas tut. Was hat man derjenige für ein Motiv?
"Lassen wir das jetzt. Wie geht's dir so? Jedes mal denke ich mir wieder wie schön du es hier hast."
Zu meiner Schande konnte ich Isla bis jetzt noch nie sagen, dass ich keine Tanzgene besitze. Das schraubt nämlich hier die Lebensqualität, gravierend runter.Sonst kann man den Feenkessel durchaus als einen schönen Ort bezeichnen. Rein optisch gesehen.
Die Stadt wird ringsum von einer hohen bewaldeten Bergkette umschlossen. Es sieht aus wie ein Vulkankrater also wie ein Kessel, darum Feenkessel.
Um dorthin zu gelangen muss man darum zuerst die Berge hoch und dann wieder runter.
Auf die grandiose Idee einen Tunnel zu bauen, ist noch keiner gekommen.In der ganzen Stadt ist alles mit Efeu bewachsen und überall sprudeln kleine Quellen hervor.
Sehr paradiesisch hier.
Ach, und an jeder Ecke dudelt es und alle sind glückselig und/oder betrunken. Wie gesagt paradiesisch.Etwas spät reagiere ich auf Islas Frage:"Ja absolut super hier. Ein Traum."
"Oha, das ist ja mal eine gehörige Portion Sarkasmus. Ich kann mir schon vorstellen das du dich langweilt. Du brauchst unbedingt einen Kerl." erwidert sie glucksend und lächelt dann selig.
"Du hast leicht reden. Dein Finlay betet dich an."
"Ja das stimmt, uns wird es nie 'langweilig'."zwinkert sie mir zu.Die beiden kennen sich schon ewig. Bereits zu Schulzeiten waren sie befreundet. Und als sie erwachsen wurden, musste Finlay sich einfach in sie verlieben.
Mit ihren goldblonden Haaren und strahlend blauen Augen entspricht Isla den kompletten Elfenklischee. Wunderschön, anmutig und schlau.
Der arme Kerl konnte gar nicht anders als ihr zu Füßen zu liegen.Auf dem restlichen Nachhauseweg höre ich mir ihre Schwärmereien an und bin froh endlich wieder mit einer ungekünstelten Person sprechen zu können.
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Feenglück
RandomLivia fällt ein wenig aus ihrer Art und ist kaum so wie eine Fee sein sollte. Doch als die Fabelwelt von einer Mordserie erschüttert wird, wählt man sie aus, um der Sache nach zugehen. Nur ist sie nicht die Einzige, auf der alle Hoffnungen liegen. Z...