Kapitel 25

313 16 1
                                    

Erst ziemlich spät, gefühlt geht die Sonne schon wieder unter, wache ich schließlich auf und sehe mich zunächst ein klein wenig verwirrt um.

Das ist das erste mal das ich mich in Angels Schlafzimmer wirklich umsehe. Es ist schön eingerichtet. Erstmal das große, wundervoll bequeme Bett, ihr Kleiderschrank aus dunklem Holz aus welchem auch das Bettgestell, genauso wie eine Kommode und ein Bücherregal, gemacht ist welche auch beide im Raum stehen.

Außerdem stehen auf der Kommode direkt neben der Tür einige Fotos und Souveniers oder Erinnerungsstücke, vom Bett aus erkenne ich das nicht so gut. Langsam stehe ich schließlich auf und streiche mir leise gähnend meine Haare aus dem Gesicht bevor ich die in einen unordentlichen Dutt binde.

Ich sollte jetzt wohl Angel suchen gehen, sie scheint wohl schon aufgestanden zu sein auch wenn ich nichts dagegen haben würde neben ihr aufzuwachen, jedoch habe ich so lange geschlafen das sie das vermutlich gar nicht ausgehalten hätte. Außerdem, warum hätte sie warten sollen oder so? Ich bin eigentlich ja noch immer wie eine fremde und habe sie die letzte Nacht über vollgeweint ohne ihr wirklich zu erzählen was mein Problem ist.

Vermutlich bin ich ihr sogar ein wenig auf die Nerven gegangen oder so, selbst wenn ich mir das nicht so wirklich wünsche aber es ist nach meinem Verhalten gestern und dem Auftauchen spät abends auch nicht wirklich verwunderlich.

Ein wenig verwundert als ich Angels stimme aus dem Wohnzimmer höre runzle ich meine Stirn, hat sie etwa Besuch? Ist es besser wenn ich nicht vor gehe? Sie hat es mir zumindest mal nicht geschrieben, auf meinem Handy habe ich keine neue Benachrichtigung.

Trotzdem gehe ich am besten erstmal ins Bad, wie ich nach letzter Nacht aussehe will ich gar nicht wissen. Und vor allem wenn Angel wirklich Besuch hier hat möchte ich nicht unbedingt so vorgehen, Hunger hin oder her.

Nach einem kurzen Blick in den Spiegel seufzte ich leise auf, meine Augen sind noch immer leicht geschwollen und ich habe ziemlich tiefe Augenringe... abgesehen mal davon das ich ziemlich blass bin was es kein bisschen besser ist. Aber etwas zum abdecken habe ich hier nicht und Angels haut ist ein wenig dunkler als so das es vermutlich auch nicht wirklich gut aussehen würde. Außerdem will ich nicht einfach Sachen von ihr benutzen, ich bin ihr schon unheimlich dankbar das ich hier sein durfte.

Letztendlich beschränkt sich meine Morgenroutine leider auf Gesicht waschen und Haare kämmen, Zähneputzen natürlich auch. Meine gekämmten Haare binde ich allerdings direkt wieder hoch, ich sehe sowieso schon vollkommen elend aus. Da helfen auch die Sachen die ich von Angel bekommen haben nicht, ein Oversized Hoodie und eine Leggins sehen jetzt nicht unbedingt besonders aktiv aus. Allerdings will ich auch nicht meine eigenen Sachen anziehen, dafür gefällt es mir irgendwie zu gut Angels Sachen zu tragen.

Als ich im Bad schließlich fertig bin mache ich mich langsam auf den Weg nach vorne wobei ich vor der Wohnzimmertüre nochmal kurz stehenbleibe und lausche, ich will keinen blöden Moment erwischen. Vielleicht sollte ich tatsächlich auch einfach nur in Angels Schlafzimmer auf sie warten... aber ich will irgendwie auch nicht zu lange bleiben oder ihr das Gefühl geben gelauscht zu haben. Dann ist es vielleicht schon besser wenn ich mich kurz melde.

Aus diesen Gedanken werde ich allerdings gerissen als Angels Gast ihr antwortet. Mir stockt der Atem während mir viel zu schnell wieder Tränen in die Augen schießen. Das kann jetzt einfach nicht sein, ich will nicht das Angel ausgerechnet auch noch mit ihm in Kontakt steht wenn ich mich schon hierher geflüchtet habe.

Doch trotz dessen das ich seine Stimme mehr als nur gut kenne möchte ich nochmal sichergehen und öffne die Türe vorsichtig einen kleinen Spalt während ich versuche mich zu beruhigen. Es ist einfach nur Einbildung, es kann nicht sein das ausgerechnet Jonas hier ist.

Mit angehaltenem Atem spähe ich in das schön eingerichtete Wohnzimmer wobei ich kurz darauf wie erstarrt auf Jonas Hinterkopf schaue. Warum muss er ausgerechnet jetzt und ausgerechnet hier sein? Ich weiß sowieso nicht wie es weitergehen soll, sich jetzt darum zu kümmern ist aber viel zu früh.

Eigentlich wollte ich doch nur einen weiteren möglichst entspannten Abend mit Angel verbringen ohne mir irgendwelche Gedanken zu machen. Und jetzt stehe ich wie versteinert im Flur und starre auf den Hinterkopf meines Freundes neben dem ich heute eigentlich hätte aufwachen sollen.

Am liebsten würde ich die Türe einfach nur schließen, zurück in Angels Zimmer gehen und mich unter der Bettdecke vergraben, doch ich kann mich einfach nicht von dem Anblick lösen während Angel gerade auch noch ihren Kopf zu mir dreht und mich freundlich anlächelt.

Was natürlich auch Jonas bemerkt und sich langsam umdreht wobei er stockt und mich teils wütend, teils verzweifelt ansieht.

Spätestens jetzt kann ich nicht mehr einfach gehen, den Moment habe ich komplett verpasst. Langsam gehe ich schließlich in den Raum während ich mir mein Kapuze überziehe und vollkommen unsicher zu Jonas sehe.

Angel währenddessen scheint es noch nicht wirklich bemerkt zu haben und setzt wohl gerade dazu an uns einander vorzustellen wobei sie allerdings von Jonas unterbrochen wird der aufsteht und auf mich zukommt. Trotz dessen das ich es nicht sollte kann ich nicht anders als ein wenig zurückzuweichen, das gestern hat unserer Beziehung auf keinen Fall geholfen.

„Jana? Was machst du hier? Warum warst du heute morgen einfach weg?" konfrontiert er mich sofort während ich meinen Blick auf den Boden gesenkt habe und meine Arme dabei fest um mich schlinge. „Tut mir leid" murmele ich daraufhin nur während ich meinen Kopf nur wieder weiter einziehe, ich kann Jonas einfach nicht antworten während ich erneut ein wenig zurücktrete und den Blick in sein vermutlich wütendes Gesicht vermeide.

Angel hat das ganze wohl die Zeit über mehr oder weniger verstehend was passiert verfolgt und steht jetzt auch langsam auf um zu uns zu kommen wobei sie mit ihrer Hand meinen Arm streift wodurch ich mich gleich zumindest ein wenig besser fühle, alleine diese kleine Geste zeigt mir das sie irgendwie zumindest hinter mir steht, selbst wenn ich nicht weiß was Jonas ihr bisher erzählt hat und warum er hier war. 

Right with youWo Geschichten leben. Entdecke jetzt