Genauso übermüdet wie man es mit ungefähr zwei Stunden Schlaf vor der Schule nur sein kann und mich vollkommen gerädert fühlend versuche ich am nächsten Morgen meine schlimmsten Augenringe genauso wie meine Blässe mit ein bisschen Make-up wenigstens abzudecken.
So schlimm sah ich wohl wirklich noch nie aus... schwarze Augenringe, blasse Haut, farblose Lippen und selbst mein braunes, langes Haar wirkt vollkommen stumpf, auch wenn ich mir nicht sicher bin ob das wirklich so ist oder ich mir das einbilde weil heute generell alles scheiße ist. Abgesehen davon natürlich auch noch alles das nicht von der praktisch durchgemachten Nacht kommt, meine leicht geknickte Nase und die meiner Meinung nach etwas zu kleinen Augen zum Beispiel.
Da mir weder viel anderes übrig bleibt, noch das ich Lust zu irgendwas mit mehr Aufwand habe Binde ich mir meine Haare zu einem niedrigen Pferdeschwanz sodass diese geglättet fast bis zur Hälfte meines Rückens reichen.
So habe ich sie immerhin nicht im Gesicht und ich bekomme hoffentlich nicht noch mehr Kopfschmerzen wie bei einem hohen Zopf. Seufzend ziehe ich meinen dunkelblauen, etwas zu großen Hoodie nach unten bevor ich beschließe das ich jetzt auch nichts weiter machen kann und das Bad verlasse.
Im Flur schaue ich mich kurz um, das letzte das ich möchte ist es meinen Eltern jetzt zu begegnen,auch wenn sie eigentlich schon arbeiten müssten, nachdem ich mich gestern einfach umgedreht habe und gegangen bin. Außerdem bin ich noch immer wütend, wegen Religion und zwei kleinen, unbedeutenden nicht perfekten Noten gleich meinen mich hier einsperren zu müssen ist einfach übertrieben und ich hasse es.
Endlich in der glücklicherweise noch leeren Küche fülle ich Wasser in den Wasserkocher und fülle etwas von dem Instand-Kaffeepulver in meine Thermoskanne. Anders als mit ordentlich, wenn auch nicht wirklich gutem, Kaffee werde ich diesen Tag sicherlich nicht durchstehen können. Doch gestern, als ich mit Angel geschrieben habe, war mir das ganze eben auch vollkommen egal.
Während das Wasser sich noch aufheizt fange ich auch an gleichzeitig noch Toast zu machen, da meine Eltern immer früher zur Arbeit gehen muss nämlich auch noch ich dafür sorgen das meine kleine Schwester etwas isst... dabei bin ich mir oft unsicher ob es nicht doch besser wäre sie mal ein bisschen hungern zu lassen. Gut tun würde es ihr sicherlich, dann müsste sie sich um sich selbst kümmern und würde mich mit etwas Glück in Ruhe lassen.
Da jetzt beides erstmal einen Moment braucht fange ich an den Tisch zu decken und auch verschiedene Aufstriche rauszurichten wobei ich mich einzig und alleine darauf freue heute Nachmittag nach der Schule einfach erstmal schlafen zu können. Das einzig positive das es heute wohl geben wird.
„Hey" kommt meine elf- oder zwölfjährige Schwester mit komplett verstrubbelten Haaren und absolut nicht zusammenpassenden Klamotten in die Küche wo sie sich gleich an den Tisch setzt während ich das endlich fertige Brot auf den Tisch lege wonach Elisa auch gleich darauf greift. Sie sieht mir wirklich kein bisschen ähnlich mit dem viel jungendlicherem Gesicht, den Sommersprossen und den eher blond-roten Haaren.
Anscheinend kommt sie nach meiner Großmutter, doch alle Bilder mit ihrer richtigen Haarfarbe sind noch in schwarz-weiß sodass ich das schlecht beurteilen kann. Abgesehen davon hat sie aber keinerlei Ahnung davon wie man vor die Türe gehen sollte und wie nicht. Das was sie trägt, ein buntes gemustertes Shirt und eine anders bunte und gemusterte Stoffhose mit einer rosanen Stoffjacke darüber, geht einfach gar nicht, doch mir kann es ja auch egal sein. Würde sie mich nur mal in Ruhe lassen und müsste ich sie nicht ständig sehen zumindest...
„Morgen" antworte ich ihr ziemlich schlecht gelaunt, ich hasse es einfach mit irgendwem aus dieser Familie irgendwie in Kontakt treten zu müssen. Hoffentlich hat Angel einfach recht und es wird tatsächlich besser wenn ich nur erstmal, endlich ausgezogen bin. Wobei es mir vermutlich schon gut tun wird noch jeden Tag hier sein zu müssen und sie trotz aller Vorsicht immer wieder antreffen zu müssen.
Endlich ist das Wasser auch fertig während ich dieses in meine Kanne fülle und danach den Deckel auf diese drehe.
„Was machst du?" fragte Elisa auf ein Mal neugierig während ich nur die Augen verdrehte, ist es so schwer mich einfach in Ruhe zu lassen wenn ich das mehr als nur deutlich mache.
„Nichts das dich etwas angeht" antworte ich nur noch immer schlecht gelaunt darauf. Zugegeben, manchmal bin ich schon ein kleines bisschen gemein zu meiner Schwester, aber sie geht mir schließlich auch auf die Nerven. Vor allem gerade wenn ich sowieso zu müde und schlecht drauf bin. Nachdem ich einige Schlucke von meinem Kaffee getrunken haben, was mich zumindest ein kleines bisschen belebt, packe ich die Kanne in meine Schultasche.
Ich weiß zwar das die Wirkung des Getränks nicht lange halten wird, doch für jetzt ist es einfach besser als nichts. Außerdem bin ich mir ziemlich sicher das der Kaffe trotz allem gesünder ist als jeder Energydrink, abgesehen davon das er auch Bio und Fairtrade ist, was beides eher selten bei Energydrinks vorkommt, soweit ich weiß.
„Ist ja gut" brummt Elisa daraufhin verstimmt und beißt in ihren Toast während sie genervt die Augen verdreht, dabei ist sie es die mir auf die Nerven geht. Müsste ich sie nicht so oft sehen ginge es mir manchmal durchaus besser.
Selbst die Augen verdrehend greife ich nach zwei Scheiben Toast die ich mit Butter beschmiere und mir danach in einer Box gemeinsam mit etwas geschnittener Paprika als Vesper einpacke, irgendwas muss ich ja in der Schule auch essen, und dann in ein Fach meiner sonst schon fertige gepackten Schultasche packe.
„Sei einfach ruhig" sage ich dann nochmal zu Elisa die mich ein wenig gekränkt ansieht bevor sie wieder wie üblich zickig und beleidigt wird sodass sie sich komplett von mir abwendet, einen größeren gefallen hätte sie mir heute wirklich nicht tun können.
Endlich fertig mit allem was ich heute morgen machen muss fange ich gleich wieder an den Tisch abzuräumen, mir doch egal wenn Elisa noch irgendwas bestimmtes wollte. Nur das restliche Brot und ihr Geschirr lasse ich nicht stehen bevor ich nach meiner Tasche greife und dann in den Flur gehe um mir Schuhe und meine Winterjacke anzuziehen bevor ich die Wohnung dann nur noch schlechter gelaunt als sowieso schon in Richtung Schule verlasse.
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Right with you
Fiksi RemajaJana fühlt sich falsch. Nichts wirklich ungewöhnliches an sich, jeder Teenager hat so seine Probleme und fühlt sich nicht immer wohl. Nur macht auch dieses Wissen das Leben für Jana nicht wirklich angenehmer, es bring einfach nichts sich einzurede...
