Jetzt wirklich ziemlich nervös stehe ich gerade nochmal im Bad, anders als die letzten Tage trage ich heute tatsächlich wieder eine Jeans zu meinen Hoodie, teilweise Kältebedingt sogar komplett ohne Löcher, und binde mir meine Haare wieder zu einem ordentlichen Zopf.
Nach dem ganzen Disaster mit Jonas von dem ich nicht wirklich sicher bin ob er es für sich behalten wird möchte ich sonst zumindest einen bestmöglichen Eindruck bei Angels Eltern machen. Immerhin sollen sie mich ja auch akzeptieren und vielleicht ein klein wenig mögen.
Gestern hat meine Freundin es zwar noch geschafft mich soweit zu beruhigen das ich gut schlafen konnte, so wie immer wenn Angel neben mir liegt und mich hält, aber heute hab ich das Gefühl das ich ein komplettes Nervenbündel bin.
„Kommst du?" ruft Angel mich schließlich während ich nochmal ganz genau überprüfe das meine Mascara nur da ist wo sie auch sein soll und nicht irgendwie auf meinem Augenlied oder so.
„Ja, gleich" antworte ich meiner Freundin schnell bevor ich nochmal leise aufseufzte und das Bad dann wirklich verlasse. Ich habe wirklich etwas Angst das Angels Familie mich irgendwie nicht mögen könnte, immerhin sind sie Angel vermutlich schon wichtig. Und selbst wenn sie akzeptieren das Angel lesbisch ist und dabei hinter ihr stehen weiß ich einfach nicht wie sie das mit Jonas auffassen würden.
Langsam trete ich dann allerdings wirklich aus dem Wohnzimmer in den Flur der kleinen Wohnung wo Angel bereits mit Schuhen und Mantel auf mich wartet.
„Tut mir leid, ich bin etwas nervös" erkläre ich ihr leise wobei Angel mich nur sanft zu ihr zieht und mir einen sanften Kuss gibt. „Du musst das aber wirklich nicht sein, sie werden doch mögen und auch die Beziehung zu Jonas wird nichts daran ändern. Vertrau mir mein Engel, es wird gut laufen" verspricht Angel mir schließlich und lächelt mich dabei wieder so unglaublich schön an das ich gar nicht anders kann als ihr wieder jedes einzelne Wort zu glauben.
„Okay" erwidere ich deshalb daraufhin nur auch wenn die Bedenken bleiben. Jedoch will ich sie erstmal beiseiteschieben. Ändern kann ich es sowieso nicht und eigentlich möchte ich Angels Familie ja auch kennenlernen. Glücklicherweise hab ich auch erfahren das erstmal nur ihre Eltern und Großeltern zum Mittagessen da sind, Jonas und seine Eltern und Stiefgeschwister kommen erst zum Kaffee und Kuchen weil sie davor noch woanders eingeladen sind.
Sprich ich habe ein wenig Zeit in der Angels Eltern mich wirklich einfach kennenlernen können bevor Jonas vielleicht dann doch noch alles kaputt machen kann. Hoffentlich einfach nicht, ich will mir nicht wieder solche Vorwürfe anhören müssen wie bei Angel. Auch wenn er sich danach dafür entschuldigt hat war es einfach in dem Moment schrecklich für mich und wirklich vergeben und vergessen ist es jetzt eben auch nicht. Es war nur etwas worüber ich wirklich nicht mehr nachdenken wollte. Gerne hätte ich mit dem Kapitel Jonas einfach vollkommen abgeschlossen, aber da er eben irgendwie Teil von Angels Familie ist geht das eben nicht. Und Angel deshalb zu verlassen kommt überhaupt nicht in frage.
„Dann lass uns mal gehen" meint Angel schließlich während ich zustimmend nicke und dann ebenfalls meine Jacke und Schuhe anziehe. Da Angel noch kein Auto hat müssen wir mit den Öffentlichen fahren, glücklicherweise sind die hier dadurch das es eine Studentenstadt ist auch heute einigermaßen nutzbar.
Kurz nickte ich nochmal bevor ich noch mein Handy, Schlüsselbund mit dem Schlüssel von Angel und meine Bahnkarte einstecke bevor wir dann wieder die Wohnung verlassen und langsam nach unten gehen wobei ich vorsichtig auch wieder nach Angels Hand greife welche meine wundervolle Freundin auch nur wieder drückt.
Ich bin wirklich unglaublich froh darüber das Angel und ich das auch in der Öffentlichkeit so zeigen können. Darüber haben wir überhaupt nicht diskutieren müssen. Selbst wenn es neu für mich ist möchte ich richtig mit ihr zusammen sein und zu ihr stehen, nicht nur hinter verschlossenen Türen oder im Geheimen. Wer würde schließlich nicht zeigen wollen das so eine wundervolle Frau zu einem gehört?
Auch wenn ich mit meinen siebzehn Jahren noch ein wenig jünger bin als Angel, sie ist immerhin schon zwanzig, wird das ja spätestens im März auch kein Problem mehr sein. Es dauert ja nicht mehr lange bis ich wirklich achtzehn bin und dann kann das hoffentlich auch wirklich alles perfekt werden. Nur hoffentlich ist es auch für Angels Familie kein Problem das ich noch nicht volljährig bin während Angel eben schon ein Stück älter ist als ich. Aber wenn das so wäre könnte Angel das sicherlich einschätzen und hätte mit mir darüber gesprochen oder so.
„Wir müssen einmal umsteigen oder?" frage ich Angel schließlich während wir an der Bushaltestelle stehen welche bei Angel ziemlich in der Nähe ist. „Genau, nur einmal am Rathaus" stimmt Angel mir wieder zu während ich leicht lächelnd nicke. Selbst wenn ich wirklich nervös bin ist es gerade einfach schön aller Welt, auch wenn nur eine ältere Frau in Sicht ist welche sich deutlich mehr für ihr Handy interessiert als uns, zeigen zu können was für eine unglaublich tolle Freundin ich jetzt habe. Wieder ein Gefühl das vollkommen neu für mich ist, allerdings aber auch wunderschön ist.
„Gut, dann geht es hoffentlich schnell" antworte ich schließlich als der Bus vor uns hält und wir schnell unsere Dauerkarten vorzeigen bevor wir uns hinten sitze suchen wo ich mich wieder ein wenig an Angel lehne, gerade jetzt wo ich wirklich ein wenig unsicher bin tut mir die Nähe zu ihr auf jeden Fall ziemlich gut.
Wenig später stehen wir dann tatsächlich schon vor Angels Geburtshaus. Ein gemütlich wirkendes Einfamilienhaus mit weißem Anstrich und ein wenig weihnachtlicher Zierde vor der Türe. Im Sommer wird auch der Vorgarten hier schön sein, gerade ist allerdings alles ziemlich erstarrt und auch der Baum hier trägt keine Blätter. Das warme Licht welches aus den Fenstern dringt lässt das Haus hier wirklich ziemlich einladend wirken während ich Angel schließlich folge als sie auf das Haus zugeht und Kurz darauf auch schon wieder klingelt. Als ich von drinnen auch noch gedämpfte Stimmen und Schritte höre werde ich mit einem Mal wieder so unfassbar nervös während ich unruhig von einem auf den anderen Fuß trete bis sich die Türe schließlich langsam öffnet.

DU LIEST GERADE
Right with you
Teen FictionJana fühlt sich falsch. Nichts wirklich ungewöhnliches an sich, jeder Teenager hat so seine Probleme und fühlt sich nicht immer wohl. Nur macht auch dieses Wissen das Leben für Jana nicht wirklich angenehmer, es bring einfach nichts sich einzurede...