Eurybia

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Ich stand im Keller der Klinik und musterte den Overall, den man mir rausgelegt hatte. Er war grün und gefühlte drei Nummern zu groß. Seufzend schälte ich mich aus meinem Shirt und meiner Jeans und musterte den Overall erneut. Ich dachte an Niall, den es gut getroffen hatte. Er wurde nicht erwischt und hatte nicht diese scheiß Sozialstunden zu leisten. Und zu meinem Glück durfte ich nicht mal nach Hause, sondern musste abends zurück zum Knast. Ich beneidete Niall in diesem Moment sehr. Er saß zu Hause, im Jogginganzug vor der Glotze und konnte tun und lassen, was er wollte.

„Du bist ja immer noch nicht fertig!“, hörte ich eine leicht aggressive Stimme hinter mir. Nur in Boxershorts bekleidet, drehte ich mich zu der Frau um, die mich mit bösen Blicken strafte. Ungeduldig tippte sie auf ihr Handgelenk, was mir symbolisieren sollte, dass ich mich beeilen sollte. Ich nickte leicht genervt und sah die Frau wieder raus rauschen. Abermals seufzte ich und schlüpfte in diesen Overall, der erstaunlicherweise gar nicht zu groß war, sondern wie angegossen passte. Ich fuhr mir durch die Haare und verließ die improvisierte Garderobe. Nachdem ich die Treppen empor gestiegen war, wurde ich sofort von der Frau, die mich eben schon angemeckert hatte, in Empfang genommen.

„Immer das gleiche mit euch Sozialarbeitern“, murmelte sie und schritt zu einem Putzwagen. Ich folgte ihr und ließ meinen Blick über die Reinigungsmittel schweifen.

„Also“, begann sie. „Deine Aufgaben sind recht simpel.“ Sie hielt mich also für dumm. Vielleicht war ich das, schließlich brach ich in sein Schlafzimmer ein, während er dort drin lag. Manchmal schaltete mein Kopf einfach aus. „Du putzt jeden Raum, in dem keiner ist. Vor und nach dem Essen, den Speisesaal. Die Toiletten. Die Behandlungszimmer, die Zellen. Abends die Flure. Jeden Mittwoch das Büro des Chefs. Dort nichts anfassen. Auch sonst nichts. Verstanden?“ Ich nickte. Dann drückte sie mir einen Wischmopp in die Hand und beauftragte mich, im Speisesaal durchzuwischen, weil es gleich Mittagessen gab. Als ich zögerte, drückte sie mir zwei Flaschen der Reinigungsmittel in die Hand und einen Eimer, der bereits mit Wasser gefüllt war. Ich machte mich auf die Suche nach dem Saal. Dabei musste ich eine Krankenschwester fragen, die mir auf dem Weg entgegen kam. Sie war heiß. Blondes Haar, zu einem Knoten gebunden, braune Rehaugen, die einen unschuldig anblinzelten. Oberweite. Sie war perfekt. Sie beschrieb mir den Weg, doch ich hatte nicht zugehört, ich war einfach zu abgelenkt von ihrer Schönheit. Also musste ich eine weitere Schwester fragen und diesmal hörte ich auch zu. Ich bedankte mich und folgte der Wegbeschreibung, bis ich in einem großen Saal stand. Es waren Gruppentische mit unterschiedlich vielen Plätzen. Bei einem waren sechs Stühle um den Tisch gestellt, bei einem anderen sogar neun. Auf jedem der Tische standen in der Mitte je ein Pfeffer- und ein Salzstreuer. Daneben ein Serviettenhalter. Würde man nicht wissen, dass das hier eine Anstalt war, könnte man meinen, es wäre eine Schulcafeteria oder so.

Ich stellte den Eimer ab und tauchte den Mopp in das leicht erkaltete Wasser. Danach schüttete ich einen der beiden Reiniger hinein und rührte mit dem Mopp kurz um. Dann zog ich ihn raus und klatschte ihn auf dem grauen Boden und begann zu wischen. Kurz nachdem ich fertig war, kam eine Schwester mit einem älteren Mann im Arm herein und setzte ihn an einen der Tische. Erst jetzt stieg mir der Geruch von Essen in die Nase. Was es genau war, konnte ich nicht identifizieren, aber es roch vorzüglich. Eine Frau mit Schürze und Haarnetz kam aus der Küche und ging auf den älteren Herrn und die Schwester zu, redete kurz mit ihr und verschwand wieder in der Küche.

Der Raum füllte sich und es tat mir teilweise im Herzen weh, wie sehr manche auf Hilfe angewiesen waren. Ein junges Mädchen wehrte sich mit allen Mitteln, schrie, aber niemanden schien es zu interessieren. Nicht einmal die Schwester, die sie reinbrachte. Sie zerrte bloß an ihr und brachte sie schlussendlich zum schweigen, als sie ihr einen Löffel in den Mund zwängte.

„Du sollst hier nicht rumstehen, sondern putzen!“ Die nette Dame der Putzkolonne meckerte mich schon wieder an. Ich nickte und brachte eine Entschuldigung hervor, doch das schien sie nicht zu interessieren. Sie zog mich mit sich und befahl mir, die Toiletten zu reinigen. Der erste Anblick schockierte mich und ich fühlte, wie sich mein Magen umdrehte. Ein Mädchen, kaum älter als ich, lag in einer Blutlache. Mein eigenes Blut gefror in meinen Adern und jedes einzelne Härchen auf meinem Körper stellte sich auf.

Schnelle Schritte waren vor der Tür zu hören, welche im nächsten Moment aufging und mich beinahe traf. Ein Mann mit Kittel hob das Mädchen auf und brachte es raus. Dabei rief er irgendetwas, doch ich verstand es kaum, weil meine Ohren so laut rauschten.

Ich fragte mich, ob ich für diese Sozialarbeit gewachsen war.

Nachdem ich mich wieder gefangen hatte, begann ich, das Bad wieder auf Vordermann zu bringen. Erst machte ich die Lache weg, danach reinigte ich jede der zwölf Kabinen. Toiletten putzen war keine schöne Angelegenheit.

Kurz bevor ich fertig war, ging die Tür auf. Schritte näherten sich mir, ich hielt inne. Nachdem die Schritte verklungen waren, drehte ich mich zur Kabinentür und sah meine, wie ich sie nannte, Chefin. Wir blickten uns eine Weile an, wobei ich mir so klein vorkam, wie noch nie. Vermutlich lag es aber daran, dass ich vor der Schüssel kniete und sie stand.

„Mittagspause“, sagte sie knapp und eiskalt, dann drehte sie sich um und verließ die Toiletten wieder. Ich putze die Schüssel noch zu Ende und verließ dann, mit den Utensilien, ebenfalls das Bad. Auch, wenn ich meine Chefin nicht sehen konnte, folgte ich ihren Schritten, die dank der leichten Absatzschuhe gut zu hören waren. Als ich sie eingeholt hatte, stellte ich Eimer, Mopp und Reinigungsmittel auf dem Wagen und folgte ihr ins Innere eines Raumes. Hinter mir schloss ich die Tür und sah mich um. Das Fenster, welches auf der linken Seite war, stand einen Spalt geöffnet, davor eine Frau mit Zigarette in der Hand. Sie blies grade den Rauch durch den Spalt aus. In der Mitte des Raumes, stand ein eckiger Tisch, auf dem mehrere Flaschen standen, die mit Wasser gefüllt waren. Dazwischen lagen Alufolien, auf denen angebissene Brote verweilten und sogar ein Apfel. An der hinteren Wand stand eine kleine Küche, bestehend aus einem Waschbecken, einer Ablage, auf der eine Mikrowelle stand, und eine Kaffeemaschine. An der rechten Wand hing lediglich ein Bild, vermutlich von Picasso, so wie das aussah.

„Los Junge, setz dich und iss etwas, bevor deine Pause um ist“, blaffte mich meine Chefin an. Jetzt hatte ich die Aufmerksamkeit aller Damen in diesem Raum. Die beiden, die am Tisch saßen, unterbrachen ihr Gespräch und blickten mich an, die Frau am Fenster hatte ihren Blick auf mich geheftet, die ältere Dame, die an der Kaffeemaschine zugange war, drehte sich zu mir. Mein Blick wanderte zu einer nach der anderen, dann setzte ich mich unsicher auf einen der Stühle und schaute auf den Tisch. Im Knast hatte ich kein Essen zur Verfügung gestellt bekommen und auch hier nicht. Also werde ich wohl hungern müssen. Eine der Damen reichte mir eine Alufolie, die ich dankend annahm und auspackte. Im Inneren befand sich ein Brot mit Schinken und Käse. Mit leicht knurrendem Magen, biss ich hinein. Jetzt füllte sich der Raum wieder mit Gesprächen, aber ich hörte nicht zu, sondern genoss einfach dieses Brot.

***

es tut mir so wahnsinnig Leid, dass ich nicht updaten konnte, aber ich hatte etwas Stress mit Schule und und und... ich hoffe, ihr seid mir nicht all zu böse :(

oh mein Gott *-* 300 Menschen *o* DANKE ♥♥♥♥♥♥♥♥

voten ♥

Neverland3r xoxo

Mute [*Abgeschlossen*]Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt