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Ich beschloss das ich die Bewerbungen auch morgen verfassen konnte, denn ein wenig Hoffnung hatte ich dennoch, dass mein ehemaliger Chef nicht so ein komplettes Ar******* war wie er gesagt hatte und mich nicht bereits auf dem Arbeitsmarkt gebranntmarkt hatte.
Was für ein unfassbar behinderter Tag.
Ich war so müde.
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Verschlafen strich ich mir die Haare aus dem Gesicht. Meine Hüfte schmerzte. Wie schon seit längerem. Ich war Seitenschläfer und wenn ich nicht meine Decke zwischen die Beine klemmte konnte ich am nächsten Tag kaum noch laufen.
Noch ein Zeichen dafür wie kaputt mein Körper war. Langsam zog ich mich aus meinem Bett und streckte mich. Mein ganzer Körper knackste lautstark. Und dann fiel mir mein Spiegelbild in den Blick.
Geschockt nahm ich meine Arme wieder runter, ging drei Schritte auf den Spiegel zu und strich mir über die Rippen.
Ich konnte jede von ihnen sehen. Ganz genau. Dort wo früher noch Muskelmasse meinen Brustkorb geschützt hatte, spannte sich heute nur noch meine Haut.
Aber trotzdem. Mein Bauch war immer noch nicht flach.
Hektisch schlüpfte ich in meinen Lieblingspulli. Meine Oma hatte ihn früher für mich gestrickt. Er war bunt, fröhlich und laut. Das Gegenteil von mir. Ich liebte ihn.
Als meine Oma dann vor Jahren verstorben war hatte ich ihn nie ausgezogen nur um mich an sie zu erinnern. Und das obwohl er wirklich fürchterlich juckte.
Selbst heute versank ich noch regelmäßig in der warmen Wolle. Durch ihn fühlte ich mich ihr wieder näher. Und man sah meine Figur nicht. Nur einen weichen, juckenden, bunten Ball Wolle.
Niemand konnte mir etwas antun wenn ich ihn trug. Er war wie meine persönliche Ritterrüstung.
Er schütze mich vor meinen Gefühlen, vor dem Hass und von mir selbst.
Obwohl er so warm war zitterte ich wieder. Wie immer.
Ich könnte in der Sauna sitzen und ich würde frieren.
Träge schlürfte ich in die Küche und setzte mir wieder einen Tee auf.
Mein Magen grummelte wieder verlangend.
Doch heute würde er nichts bekommen. Schließlich hatte er gestern Salat mit Dressing. Ich beschloss nach dem Frühstück zu beginnen meine Bewerbungen zu schreiben, ich musste ja schließlich wieder Geld verdienen.
Vielleicht war es ja gar nicht so schlecht das ich diesen Job jetzt verloren hatte. Ich hatte mich dort sowieso nicht wohlgefühlt und meine Fähigkeiten wurden unterdrückt. So war ich weniger freier. Befreiter von bösen, herzlosen Menschen. Vielleicht würde ich ja einmal in meinem Leben auch mal wieder netten Menschen begegnen.
Vielleicht, ja ganz vielleicht würde ich in der Lage sein ein ganz normales Leben zu führen.
Mich wieder über essen freuen. Endlich mal mit Freunden ausgehen. Einen Freund haben. Geküsst werden. Geliebt werden.
Einfach normal sein. Ohne Probleme oder Zweifel.
Nochmal ließ ich meinen Nacken knacken und fing an zu schreiben.
Der Himmel wurde schon langsam wieder dunkel als ich endlich fertig wurde. Während ich geschrieben hatte hatte mein Handy immer wieder aufdringlich gebrummt, doch als ich gesehen hatte das es mein Ex Boss war, hatte ich es einfach wieder weggelegt.
Ich beschloss noch auf einem kurzen Spaziergang zu gehen, schließlich musste ich immer noch Kalorien verbrennen.
Meine Wangen brannten und ich kuschelte mich tiefer in meinen Mantel.
Weiße Rauchwolken stiegen vor meinem Gesicht auf. Ich fror. So wie immer. Doch das kam nicht nur von außen. Sie kam von innen.
Ich vergrub meine von der Kälte erstarrten Händen in meinen warmen Taschen und lief los. Ich wusste selber das es dumm war am späten Abend noch in der Stadt rumzulaufen. Vorallem da ich in einer wirklich schlechten Gegend wohnte. Doch ich musste einfach raus. Mir die Beine vertreten und den Kopf freikriegen. Immer noch wollten mir diese verdammten gelben Augen nicht aus dem Kopf gehen. War das wirklich möglich? Sich so auf eine Person festzuschießen und das obwohl ich ihn nur ein einziges Mal gesehen hatte?
Mir wurde übel bei dem Gedanken ihn nie wieder sehen zu können. Ich konnte nicht mehr.
Ich wollte doch einfach nur akzeptiert werden.
Nicht mehr alleine sein.
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Bone Mate
WerewolfEine von der Angst und dem Mobbing zerbrochene Frau. In einem Teufelskreis gefangen, kaum einer schafft es diesem zu entfliehen. Sich der Opferrolle zu entwinden. Ist es überhaupt möglich? Wird sie es schaffen? Wird sie eine der wenigen sein die die...
