Zweite Familie

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*Ein halbes Jahr später*

"Tante, Charlotte? Ist es echt wahr, dass du mit Captain America befreundet bist?" Ich nicke dem kleinen Jungen lächelnd zu. "Wir sind sogar beste Freunde.", erkläre ich stolz, woraufhin auch seinem Bruder erstaunt die Kinnlade runter klappt. "Aber...ist er jetzt nicht einer von den Bösen?" Ich muss lachen. "Nun ja...es stimmt. Steve ist momentan als Krimineller auf der Flucht, aber wenn ihr mich fragt, hat er überhaupt nichts falsch gemacht, um jetzt als Krimineller abgestempelt zu werden. Außerdem versteckt sich Onkel Sam, ja gerade auch vor der Polizei. Und denkt ihr er ist ein Böser?" Die beiden schütteln gleichzeitig den Kopf. "Nein. Onkel Sam ist ein Avenger. Er kämpft gegen die Bösen." Ich nicke. "Und das ist Captain America auch." "Weißt du wo Captain America und Onkel Sam sind?" "Okay das ist genug jetzt, Jungs. Lasst Tante Charlotte in Ruhe. Sie muss sich sicher ausruhen."

Die Kinder verziehen genervt das Gesicht, lassen jedoch von mir ab und gehen in den Garten um zu spielen. "Tut mir Leid, Charlie. Sie freuen sich einfach dich zu sehen. Das letzte Mal, dass sie dich gesehen haben, war vor zwei Jahren." "Du brauchst dich doch nicht zu entschuldigen, Sarah.", erkläre ich meiner großen Schwester. "Ich freue mich auch sie wieder zu sehen. Und dich natürlich auch." Sie lächelt mich freundlich an, bevor ihr Blick schließlich ernst wird. Während sie einen Topf mit Wasser auf den Herd stellt um Nudeln zu kochen, fragt sie mich besorgt : "Wie geht es dir? Geht's dir gut? Ich schätze die ganze Sache war auch für dich nicht gerade einfach." Ich zucke nur mit den Schultern. 

"Ich versuche so gut es geht die Geschehnisse in Deutschland zu vergessen." "Deutschland. Richtig.", stellt sie grüblerisch fest. "Wer war noch mal dieser Attentäter in Wien, wegen dem ihr euch habt scheiden lassen." Ich gebe ein belustigtes Glucksen von mir. "Die Avengers haben sich nicht scheiden lassen, Sarah. Wir legen nur eine Pause ein. Und es war Helmut Zemo. Ein Ex-Söldner aus Sokovia." 

Es ist jetzt ein halbes Jahr her, seitdem sich die Avengers, wie meine Schwester es so schön gesagt hat 'geschieden' haben. Erst nach dem ich mich wegen Bucky wieder abgeregt habe, hat mir Steve die Details der Geschehenisse während meiner Abwesenheit erklärt. Als er mir erzählte, dass die Avengers gegeneinander gekämpft haben, wollte ich ihm erst nicht glauben. Und als er sagte er müsse los um Sam aus dem Gefängnis zu holen, dachte ich erst Recht, das wäre alles bloß ein richtig mieser Witz. Doch spätestens, nachdem er und Sam untertauchen mussten und nicht mal mir verraten konnten wo sie hinwollten, begann ich langsam zu verstehen.

Und dann war ich auf einmal alleine. Denn Natascha ist ja ebenfalls auf der Flucht und ich kann rein gar nichts tun um ihnen zu helfen. Also hab ich mich dazu entschlossen, mal wieder meine große Schwester zu besuchen. "Ich vermisse, die anderen. Vor allem, Sam." "Ich weiß ich auch. Und glaub mir, ich verstehe es, wie es ist jemanden zu vermissen und sich ständig Sorgen um sie zu machen." Sie sieht mich mit hochgezogenen Augenbrauen an und ich sehe mit einem beschämten Lächeln zu Boden. "Aber ich bin froh, dass sie dich da wenigstens raus gelassen haben. Reicht schon wenn Sam jetzt ein Krimineller ist." 

...

Ich bleibe ein paar Tage bei Sarah, bevor ich mich schließlich auf den Weg zum Avengers Hauptquartier mache. Oder besser gesagt zum ehemaligen Avengers-Hauptquartier. "Hey, Rhodey." Ich umarme den Mann vor mir kurz und klopfe ihm auf die Schulter. "Wie geht's dir?" Ich deute auf seine elektrischen Beine. Er zuckt nur mit den Schultern und versucht sich an einem Lächeln, was jedoch nicht seine Augen erreicht. "Ich gewöhn mich langsam dran. Wie war's bei deiner Schwester?" Ich nicke nur und antworte knapp: "Gut." 

"Konntest du irgendwas herausfinden, wo sich Sam und die anderen aufhalten?", frage ich ihn neugierig und deute mit der Hand auf die Monitore, die die Bilder von Natascha, Sam und Steve zeigen. Er schüttelt den Kopf. "Nein. Aber das ist an sich etwas Gutes. Wenn wir sie nicht finden können, kann es Ross und die C.I.A. auch nicht. Ich weiß bloß nicht was wir tun sollen, falls eine neue Bedrohung auftaucht. Wir sind drastisch unterbesetzt." "Sie werden zurück kommen.", stelle ich selbstbewusst fest, und es erstaunt mich selbst mit wie viel Vertrauen ich diese Worte ausspreche. "Ich weiß, sie werden uns helfen, wenn Menschenleben in Gefahr sind. Dafür sind wir schließlich da." "Ich hoffe du hast Recht." 

"Außerdem haben wir doch nun ein paar neue Freunde gefunden.", stelle ich fest, als ich eine Karte von Wakanda auf einen der großen Bildschirme erkenne. Rhodey gibt ein sarkastisches Glucksen von sich. "Du hast vielleicht ein paar neue Freunde, in deiner Zeit in Wakanda gefunden, aber ich bezweifle dass der König uns helfen wird, wenn wir Amerikaner ein Problem haben." "T'Challa ist ein guter Mann. Ich weiß, dass er auf unserer Seite ist, egal welcher Art Bedrohung wir uns stellen müssen." "T'Challa, ja? Ihr seid also schon per du. Seid ihr jetzt etwa sowas wie beste Freunde oder was", fragt er grinsend. "Nun ja, nicht direkt, aber ich hab mich wirklich sehr gut mit seiner kleinen Schwester angefreundet, weswegen ich auch viel Zeit mit ihm verbracht habe. Und wie ich schon sagte, er ist ein wirklich guter Mann und wird ein sehr guter König werden." 

"Und was ist mit diesen Insekten-Superhelden? Können wir sie nicht rekrutieren, um unser Team wenigstens vorübergehend, ein wenig zu stärken?", frage ich schließlich nach einer Weile. "Fehlanzeige. Scott Lang hat sozusagen Hausarrest und dieser 'Spider-Man' geht noch zur Highshcool . Und bevor du fragst: Von Banner und Thor ist immer noch keine Spur zu sehen." Ich seufze. Das sieht wirklich nicht gerade gut aus für die Avengers. Wenn diese überhaupt noch existieren. 

...

Ich bringe meine Sachen in mein altes Zimmer und lasse mich auf mein Bett fallen. Wie konnte das alles nur passieren? Wie zur Hölle konnte es passieren, dass sich die Avengers trennen? Wir sind doch keine Band, wie die Beatles. Schnaufend fahre ich mir mit den Händen übers Gesicht. In diesem Moment fühle ich mich merkwürdig alleine. Als hätte ich einen Teil meiner Familie verloren. Denn das waren die Avengers für mich. Eine zweite Familie. Ich hoffe das ränkt sich bald alles wieder ein. 

Mein klingelndes Telefon, holt mich plötzlich aus meinen Gedanken. Schnell stehe ich auf, hole es aus meiner Tasche und drücke auf den grünen Hörer, als ich den Namen darauf erkenne. "Shuri? Ist was passiert?", frage ich meine neu gewonnene Freundin besorgt. "Oh und wie was passiert ist. Du wirst dich freuen das zu hören." Ich halte gespannt die Luft an. 

"Er ist wach." 

Hate and Love (Bucky FF)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt