Alte Freunde

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New York zeigt sich ausnahmsweise mal von seiner besten Seite, als ich auf  den Weg ins nächste Cafe bin. Die Sonne scheint über dne Dächern der Stadt und fröhliches, Geplapper und Gelächter drängt aus dem Central Park und lässt mich für einen Moment die hupenden Autos und dröhnenden Sirenen vergessen. Ich war lange nicht mehr auf dieser Seite des Parks und auch lange nicht mehr so glücklich. Und das liegt nicht nur an dem guten Wetter und den gut gelaunten Menschen.

Vorfreudig laufe ich auf das Cafe an der Ecke mit den roten Ziegelsteinen zu. Davor auf dem Bürgersteig sitzen ebenso gut gelaunte Menschen, mit gefüllten Gläsern des Cafes in der Hand, in denen klirrende Eiswürfel umher schwimmen. Sobald ich die Tür öffne steigt mir der Geruch von frisch gemahlenen Kaffeebohnen in die Nase und ich muss sofort lächeln.  Das Lächeln wird nur noch größer als ich den Grund für meine Vorfreude, am Thresen stehen sehe. Für einen Moment überlege ich kurz laut seinen Namen zu rufen, doch dann schüchtern mich die vielen Gäste doch ein wenig ein und ich laufe schließich zu ihm rüber.

"Stimmt, so. Danke.", entgegnet er gerade der Verkäuferin hinter der Kasse und nimmt die zwei Getränke, welche sie ihm etwas unsicher reicht  lächelnd entgegen.
"Geht das so? Und wollen Sie, dass ich Ihnen den Kaffee an den Platz bringe?", fragt die dunkelhaarige etwas besorgt, doch freundlich.
"Oh, nein, dass schaffe ich schon selbst, danke." Er nimmt die Kaffeebecher und dreht sich schließlich zu mir herum.
Ich habe weder seinen Namen gerufen, noch irgendetwas anderes zu ihm gesagt oder mich in irgend einer anderen Weise zu erkennen gegeben und dennoch weiß er genau, wer hier vor ihm steht.
"Wie immer, zu spät.", stellt er mit einem Grinsen fest.
"Schön, auch dich zu sehen.", entgegne ich sarkastisch, nehme ihn jedoch sofort grinsend in den Arm, darauf bedacht, nicht den Stock in seiner Hand umzustoßen. Er erwidert die Umarmung.
"Es ist so lange her."
"Ist viel passiert.", erkläre ich, als ich mich wieder von ihm löse.

"Du bist groß geworden."
Ich muss lachen. "Woher willst du das wissen?"
"Ich weiß es einfach." Dann reicht er mir schließlich den Kaffee in seiner rechten Hand. "Iced Latte, mit Hafermilch und ohne Zucker. Ich hoffe, du trinkst ihn noch so."
Ich nehme ihn dankend entgegen. "Allerdings. Sehr aufmerksam."
Sein Grinsen wird breiter und er zuckt mit den Schultern. "Du kennst mich doch."
Lachend nehme ich ihm schließlich den Stock ab und hake mich bei ihm unter.

...

Als wir an unserem gewöhnlichen Platz, einer Bank direkt am See des Central Parks mit Blick auf die Bow Bridge kommen stelle ich den Stock an der Seite der Bank ab, bevor wir uns zusammen darauf setzen.
"Also, was gibts Neues in der Murdock-Nelson Kanzlei?"
"Ach weißt du...nichts besonderes. Nur ein paar kleine Fälle an denen wir zur Zei arbeiten." Das Zucken seiner Mundwinkel verrät mir etwas anderes, doch ich gehe nicht darauf ein. Ich hab keine Ahnung, an was er zur Zeit arbeitet. Ich habe seinen Namen schon lange nicht mehr in den Nachrichten gelesen. Seinen Alias hingegen schon.
"Und wie läuft es bei den Großen, hm?" So nennt er die Avengers, die großen Helden und nicht die kleinen Helden, zu welchen er sich zählt.

"Irgend eine Aussicht auf Versöhnung?"
Ich zucke mit den Schultern. "Ehrlich gesagt, ich hab keine Ahnung.", stelle ich seufzend fest.
"Die Hälfte von uns ist immer noch auf der Flucht und die andere Hälfte...scheint sich zur Ruhe gesetzt zu haben. Dabei kann ich es Tony und Clint nicht mal übel nehmen. Ich würde auch viel leiber zeit mit der Familie verbringen, als mich mit Rhodey um die globale Sicherheit zu kümmern."

"Wieso tust du es dann nicht?", fragt er neugierig bevor er einen Schluck von seinem Kaffee nimmt.
Ich stoße belustigt Luft aus. "Ich würde ja, wenn ich wüsste wo meine Familie ist." Rhodes und ich haben immer noch keine Spur von Sam und den anderen gefunden. Natürlich könnte ich zu meiner Schwester gehen, was ich auch bereits ein paar mal getan habe, aber Sarah versteht nicht wie es ist ein Avenger zu sein. Sie ist immer für mich da und passt immer auf mich auf und ich liebe sie dafür, aber sie ist nun mal nicht wie Sam und ich.

"Die Avengers sind dir wirklich wichtig geworden, hm?"
Ich nicke, als mir wieder etwas einfällt. "Ich hab in den Nachrichten gesehen, dass du auch ein paar Freunde gefunden hast."
Er muss lachen. "Ich würde uns nicht als Freunde bezeichnen. Mehr als aushelfende Verbündete. Aber Jessica würde dir sicher gefallen. Ihr würdet euch gut verstehen."
Ich zucke nur grinsend mit den Schultern und nehme eine Schluck von meinem eigenen Kaffee.

"Und wie siehts mit der Romantik aus? Etwas Neues von dem ich wissen wöllte? Jemand Neues?" Mein Körper verspannt sich bei seiner Frage augenblicklich. Das ist ein Thema, was ich seit einem halben Jahr schon versuche zu vermeiden. Beziehungsweise zu vergessen. Ihn zu vergessen.

"Nein.", sage ich schließlich etwas zu laut und beruhige meine Stimme wieder bevor ich weiter rede. "Niemand Neues. Ich in frei wie ein Vogel."
Sein Gesicht ist mir zugewendet doch durch seine dunkle Brille kann ich seine Augen nicht sehen, weiß aber dass er merkt wie angespannt ich bin. Dann wendet er den Kopf wieder von mir ab und spricht das Thema nicht mehr an, wofür ich sehr dankbar bin.

...

Für ungefähr eine Stunde sitzen wir einfach nur da und unterhalten uns noch eine Weile, über alles was in unseren Leben gerade so passiert, dabei vermeide ich weiterhin das Thema Bucky auch nur im entferntesten zu erwähnen und versuche den Schmerz in meiner Brust bei dem Gedanken an ihn einfach zu vergessen.
"Na dann. Ich muss dann auch wieder los. Du weißt ja, die Arbeit ruft." Ich nicke verständnissvoll und reiche ihm seinen Stock, als er sich von der Bank erhebt. Er nimmt ihn dankend entgegen und kommt mir noch einmal etwas näher um mich zum Abschied zu drücken.
"Danke für das Treffen, Matt. Und für den Kaffee. Es war wirklich schön, dich mal wieder zu sehen."
"Wenn du wieder langfristig in New York bist, können wir das gerne öfter machen. Es ist immer wieder schön eine alte Freundin zu treffen."
"Sehr gerne. Das würde mich sehr freuen."
"Ach und Charlotte."
Ich sehe ihn neugierig an.
"Was auch immer dich so beschäftigt...ich bin mir sicher, ihr werdet das hinbekommen." Meine Augen weiten sich überrascht.
Woher weiß, er das jetzt schon wieder?

Er muss lachen als er meine offensichtliche Verwirrtheit spürt.
"Du weißt doch, ich bin sehr aufmerksam."

Hate and Love (Bucky FF)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt