Erschrocken springe ich auf. "Tut mir Leid. Ich wollte nicht-...Charlie?" Seine Stimme jagt mir eine Gänsehaut über den gesamten Körper und sofort spannen sich all meine Muskeln an. "Was machst du hier?", fragt er besorgt, doch als er einen Schritt in den Raum hinein sitzt, weiche ich automatisch vor ihm zurück. Ich bereue es. Und ich will mich ihm gegenüber nicht so verhalten-Er hat schon genug durch gemacht- aber ich kann meine Angst in meiner Brust und der Schmerz an meinem Hals zwingen mich dazu. Er seufzt. "Tut mir Leid. Ich wollte dich nicht erschrecken. Ich werd dann mal wieder-" Er zeigt in die Richtung aus der er gekommen ist und dreht sich wieder zum gehen.
Ich will nicht, dass er geht. Ich will ihm sagen, wie Leid es mir tut, wie ich mich ihm gegenüber verhalten habe, doch aus meinem Mund kommt nur ein ersticktes Krächzen, was er nicht einmal hört. Ich will ihm hinterher rufen, doch ich schaffe es nicht auch nur einen winzigen Mucks zu machen. Nervös sehe ich mich um und als ich eine merkwürdige Kugel neben mir auf dem Tisch entdecke, nehme ich sie kurzer Hand und werfe sie nach ihm, um auf mich aufmerksam zu machen. Doch dabei treffe ich ihn aus Versehen am Hinterkopf.
"Au. Was zur-?" Er hält sich die schmerzende Stelle und dreht sich verwirrt zu mir herum. Schnell lege ich ein entschuldigendes Lächeln auf. Ich überlege kurz, setze mich wieder auf die Fensterbank ganz eng in die Ecke gepresst und bedeute Bucky mit dem Kopf, dass er sich setzen soll. Er sieht mich überrascht, aber hoffnungsvoll an. "Dar-Darf ich reinkommen?", fragt er noch einmal ungläubig um wirklich sicher zu gehen. Ich überlege erneut, ob es wirklich das ist, was ich will, ignoriere dann jedoch die Angst die meine Brust beengt und nicke leicht.
Vorsichtig und mit ganz langsamen Bewegungen, wie als hätte er Angst, dass ich meine Meinung ändern könnte, nähert er sich mir und setzt sich dann, so weit es geht von mir entfernt in die andere Ecke der Fensterbank. Obwohl er immer noch ziemlich weit von mir entfernt ist, spüre ich wie mein Herz ängstlich schneller schlägt. Schnell verstecke ich meine zitternde Hände, hinter meinen angewinkelten Beinen und lasse meinen Blick dann wieder über die Aussicht gleiten, um mich abzulenken und meinen Puls wieder zu beruhigen.
Wie konnte es nur so weit kommen? Ich weiß meine Gefühle für ihn sind kompliziert, ich hab ihn gehasst und gleichzeitig geliebt. Aber ich hätte niemals gedacht, dass ich einmal Angst vor ihm haben würde. Und ich hasse dieses Gefühl. Er kann nichts dafür, dass das passiert ist. Eher bin ich noch an unserer Lage Schuld, weil ich einfach nicht auf die anderen hören wollte und unbedingt zu Bucky wollte. Und jetzt bereue ich diese Entscheidung. Ich wollte nicht, dass so etwas passiert. Ich wollte niemals so für ihn fühlen. Doch jetzt tue ich es. Jetzt habe ich Angst vor ihm. Ich wollte ihm doch sagen, dass ich Gefühle für ihn habe. Dass ich mich in ihn verliebt habe und das schon vor langer Zeit. Doch jetzt macht diese Angst, die ich ihm gegenüber fühle alles zu Nichte. Ich bin immer noch in ihn verliebt, aber das ändert nichts an meiner Angst.
Während mein Blick über die Stadt gleitet, merke ich im Augenwinkel, wie Bucky mich mustert. "Dein Hals...", höre ich plötzlich seine bebende Stimme. "D-das war ich." Mit einem tiefen Atemzug blicke ich zu ihm. Seine Augen wirken wieder so merkwürdig glasig und als ich ganz leicht mit dem Kopf nicke, kann ich sehen, wie etwas in ihm zerbricht.
"Und...und du kannst nicht mehr reden...?" Ich sehe mich erneut im Raum um und entdecke auf dem Tisch, auf dem auch die Kugel gelegen hat, einen Stift und einen kleinen Notizzettel-Block. Ich stehe auf und hole mir beides, bevor ich mich wieder so weit, wie möglich von ihm entfernt vor das Fenster setze. Dann schreibe ich die Worte, "Geschwollene Stimmbänder", auf den ersten Zettel und drehe ihn so zu Bucky, dass er es lesen kann.
Er seufzt und als er seine Hand hebt um sich durch die Haare zu streichen, zucke ich kurz vor Schreck zusammen, fange mich jedoch schnell wieder und bin froh, dass er nichts davon mitbekommen hat. Verdammt reiß dich zusammen, Charlie. Mit einem Seufzen sieht er mich wieder an. "Das ist alles meine Schuld. Ich hab dir das alles angetan." Ich schreibe erneut etwas auf den Zettel und als er es liest schüttelt er nur verzweifelt den Kopf. "Doch, es ist meine Schuld, Charlie." Ich reiße den obersten Zettel vom Block, und schreibe "Du wusstest nicht was du tust.", auf das nächste Blatt und gleich darauf auf einen weiteren Zettel "Du hattest keine Kontrolle darüber." "Das ändert nichts daran, dass ich es dennoch getan habe." Darauf weiß ich nichts mehr zu antworten. Wieso muss er auch immer so verdammt stur sein? "Ich hätte vorsichtiger sein müssen. Ich wusste, dass er immernoch in mir ist."
Er fährt sich mit den Händen schnaufend übers Gesicht. "Es tut mir so Leid, Charlie. Ich wollte nicht das so etwas passiert. Ich wollte nie dass du mich so siehst. Ich wollte dir nie...". Er hält inne und sieht mir tief in die Augen. Ich spüre wie ein Teil meiner Angst sofort verschwindet, als ich seine dunkelblauen Augen sehe, die mich liebevoll anfunkeln. Da ist keine Spur mehr von der eisigen Kälte, die mir solche Angst gemacht hat. "...weh tun." Seine Stimme beginnt erneut zu beben und ich spüre, wie ich sofort Mitleid bekomme, als ich sehe, wie eine Träne an seiner Wange hinunterläuft. "Und genau das hab ich getan. Ich-ich hab dir weh getan. Und fast hätte ich dich sogar-", seine Stimme bricht in einem Schluchzen und er sieht beschämt zu Boden.
Ich muss mich zusammen reißen bei dem Anblick nicht auch zu weinen. Es tut mir so Leid, dass er sich so fühlt. Ich wünschte ich könnte ihm irgendwie helfen. Ich zücke erneut den Stift. " Ich lebe noch." Als er den Blick hebt und die Worte liest, sieht er mich müde an. "Ja aber nur, weil Steve mich zurückgehalten hat. Er hat dich gerettet. Und wäre er nicht gewesen dann...dann..."
Seine Stimme bricht erneut und bei dem Anblick bricht auch etwas in mir. Das ist nicht fair. Er hat es nicht verdient sich so schuldig zu fühlen. Er hat die ganzen Schmerzen, die er in seinem Leben erfahren musste nicht verdient. Ich wünschte ich könnte in der Zeit zurück reisen und das alles ungeschehen machen. Nicht, dass Bucky und ich uns treffen, aber ich würde verhindern, dass man ihn zum Winter Soldier macht.
Ich atme ein paar mal tief durch und nehme schließlich all meinen Mut zusammen und rutsche ein Stück an ihn heran. Er hebt verwundert seinen Kopf und sein Blick wird etwas ernster. "Du musst das nicht tun, Charlotte. Du musst nicht so tun als hättest du keine Angst vor mir, nur um mich zu trösten." Ich schüttele den Kopf. Er sieht mich mit gehobener Augenbraue an. "Ich sehe doch, wie du zitterst." Ich überlege einen Moment und schreibe "Mir ist kalt." Das ist eine Lüge. Ehrlich gesagt ist mir sogar verdammt warm.
Als ich sehe wie seine Mundwinkel nach oben zucken, wird mir ganz leicht ums Herz, doch das Lächeln verschwindet genauso schnell wieder, wie es gekommen ist und er sieht mich wieder ernst an. "Wieso tust du das, Charlie?" Ich sehe ihn verwirrt an und male ein Fragezeichen auf den Block. "Wieso ist es dir so wichtig, dass ich...wieso bist du noch hier?" Das Fragezeichen in meinem Gesicht wird nur noch größer. "Wieso bist du nicht schon längst am anderen Ende der Welt? Weg von mir? Wieso hast mich nicht schon längst...verlassen? Du hast allen Grund dazu. Ich hab deine Schwester umgebracht. Ich hab dir verschwiegen dass ich sie umgebracht habe, ich hab dich angegriffen, dich fast selbst umgebracht." Ich zucke zusammen als er das Wort schließlich doch laut ausspricht. "Ich würde verstehen wenn du mich nie wieder sehen wolltest. Aber du bist noch hier." "Mache mir Sorgen, um dich.", ist meine Antwort auf dem Papier. Doch er fragt nur: "Wieso?" Ich könnte jetzt antworten, weil er ein offensichtliches emotionales Frack ist aber das war nicht seine Frage. Seine Frage war nicht warum ich mich um ihn sorge, sondern warum ich mich um ihn sorge. Also schreibe ich etwas anderes als Antwort. "Weil du mir wichtig bist." "Wieso?"
Es vergehen einige Sekunden, bis ich mich schließlich dazu entscheide, die Wahrheit auf den Zettel zu schreiben. Doch dann reiße ich den Zettel wieder ab, zerknülle ihn und stecke ihn in die Tasche meines Pullovers. Ich spüre seinen neugierigen Blick auf mir, ignoriere ihn aber und überlege, was ich stattdessen auf den Zettel schreibe. Ich brauche ein paar weitere Minuten um zu überlegen, was ich ihm antworten soll.
Schließlich springe ich über meinen Schatten und kritzele nur ein kleines Zeichen auf das Blatt Papier. Dann warte ich noch einen weiteren Moment, bevor ich schließlich tief durch atme und ihm den Zettel hinhalte. Für einen kurzen Moment sehe ich, wie sich seine Augen weiten und sein rechter Mundwinkel in die Höhe zuckt. Ich könnte nicht mit Worten beschreiben, wie nervös ich in diesem Moment bin, dabei ist es nur ein kleines Zeichen.
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Hate and Love (Bucky FF)
FanfictionCharlotte 'Charlie' Wilson ist die Adoptivschwester von Sam Wilson, der auch als Falcon bekannt ist. Aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten, wird sie von ihrem großen Bruder mit den Avengers bekannt gemacht und als Agentin rekrutiert. Dort lernt sie...
