Einzelgänger

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"Ich will dich nicht hier haben, Charlotte."

Für einen Moment starre ich ihn einfach nur an. Ich hab seine Worte klar und deutlich gehört, doch irgendwie kommen sie nicht in meinem Gehirn an. Irgendwie will ich nicht, dass sie in meinem Gehirn ankommen.
"Was?", frage ich leise, doch noch während ich das Wort auspreche schlägt die Bedeutung seiner Worte plötzlich vollkommen ein. Mein Mund fühlt sich auf einmal ganz trocken und mein Herz fühlt sich so schwer an, als wäre es aus Metall.
"Wieso?" 
"Du solltest zurück zu Rhodey gehen. Er braucht sicher deine Hilfe bei irgendwas.", er wendet sich von mir ab und will zurück zu seinem Zimmer gehen, doch da kommt wieder Leben in meinem Körper, genau genommen ist es Wut die durch meine Adern strömt.

"Oh nein schieb das jetzt nicht auf Rhodey!", gehe ich ihn verärgert an während ich ihm nachlaufe. "Das hier hat nichts mit ihm zu tun. Es geht hier um dich!" Er reagiert nicht.
"Und darum, dass du unfähig bist deine Gefühle zu zeigen!", sobald die Worte meinen Mund verlassen, wünsche ich mir sie nicht gesagt zu haben. Er bleibt so plötzlich stehen, dass ich fast in ihn rein laufe, ich kann mich jedoch kurz vor ihm noch bremsen. Zuerst glaube ich, er wäre wütend und würde etwas entgegnen wollen, doch dann läuft er einfach weiter.

"Ja, hau nur ab. Versteck dich so wie du es immer tust, wenn dir das zwischen uns zu ernst wird."  Er will gerade die Klinke seiner Zimmertür runter drücken, hält jedoch augenblicklich inne als er die Worte aus meinem Mund hört.
"Verschwinde nach Deutschland ohne mich, lass dich einfrieren ohne mir etwas davon zu erzählen, schick mich weg, wenn du dich nicht deinen Gefühlen stellen willst...aber..." Ich muss eine kurze Pause machen bevor ich weiterrede denn auf einmal spüre ich einen unangenehmen Druck im Hals, der sich schmerzend nach oben kämpft.
"Aber...dann hör auf...mir Hoffnung zu machen." Ich blinzele schnell die verräterischen Tränen weg, bevor er sich zu mir herum dreht.

"Dann hör auf mir Komplimente zu machen. Hör auf mich zu küssen. Hör auf mich so anzusehen. Hör auf mit mir zu tanzen. Hör auf mich..." Nun bricht meine Stimme doch und ich kann nichts gegen die Träne tun, die meine Wange hinab gleitet.
"Hör einfach auf, Bucky. Hör auf mir Hoffnung zu machen, dass wir...dass wir irgendwann tatsächlich zusammen sein können."

Ich reibe mir mit der Hand übers Gesicht und verstecke meine glasigen Augen dahinter. Ich kann seinen Blick auf mir spüren, ich weiß, dass er mich ansieht, doch ich will ihm jetzt nicht in die Augen sehen. Ich kann ihm jetzt nicht in die Augen sehen.
Für eine Weile ist es still. Keiner sagt etwas, keiner bewegt sich. Nur das leise Schluchzen von mir hallt durch die hohen Flure des Palastes. Bis er schließlich doch etwas sagt.
"Es tut mir Leid, Charlie. Ich wollte das alles nicht."

Da sehe ich doch wieder zu ihm auf.
"Du wolltest das nicht?", frage ich ungläubig und mit einem sarkastischem Schnauben. "Du wolltest das nicht?! Bucky, du warst es, der unbedingt wollte dass wir "Freunde" werden als wir bei den Avengers waren. Du wolltest unbedingt, dass ich dir von meiner Vergangenheit erzähle, von meiner Familie. Du wolltest dieses Problem zwischen uns aus der Welt schaffen, meinen Hass auf dich aus der Welt schaffen." Er zeigt keine Reaktion und sein Blick bleibt weiterhin unergründlich. Ich sehe ihn mit Tränen in den Augen an.
"Und weißt du was? Das hast du geschafft. Du hast mich verdammt noch mal um deinen Finger gewickelt, mit deinen...deinen Motorradfahrten, deinem "Charlie, wir müssen darüber reden.", deinem dämlichen Lächeln und den noch dämlicheren Sprüchen...", ich könnte noch so viel mehr aufzählen, doch die Erinnerung daran schmerzt zu sehr. Die Erinnerung an eine Zeit, bevor der Winter Soldier mich angegriffen hat.
"Du...du wolltest das. Du wolltest, dass ich mich in dich verliebe."

Ich versuche die Tränen wegzuwischen um ihn vorwurfsvoll anzusehen. Bei dem Wort verlieben, weiten sich seine Augen kaum merklich, doch immerhin so dass es mir auffällt. Wir haben nie darüber geredet. Wir haben nie über diese Anziehung zwischen uns geredet. Wir haben nie, dass was alle um uns herum schon lange vor uns begriffen haben auch nur angesprochen. Stattdessen haben wir es vermieden. Lustige und sarkastische Sprüche darüber gemacht, während wir uns weiterhin nicht fern bleiben konnten. Es anzusprechen hätte es wahr werden lassen. Auch wenn ich bis heute nicht weiß, wieso wir beide solche Angst davor haben es endlich wahr werden zu lassen.

Hate and Love (Bucky FF)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt