Das letzte Mal, dass Bucky mich geküsst hat, ist jetzt schon fast zwei ganze Jahre her. Und dennoch fühlt es sich so an, als hätten sich unsere Lippen nie voneinander getrennt. Es hat sich nichts verändert. Es ist genauso schön, wie es früher war. Nein. Es ist sogar noch besser. Zwei Jahre hab ich jetzt darauf gewartet. Zwei Jahre hab ich mich nach diesem Moment gesehnt. Und jetzt ist er endlich hier. Und ich glaube ich war noch nie glücklicher in meinem Leben, als genau in diesem Augenblick.
Während ich den Kuss erwidere, spüre ich, wie er vorsichtig einen Schritt nach vorne macht und mich sachte wieder zurück ins Zimmer schiebt. Mit einem Tritt seines Fußes fliegt die Tür hinter ihm zu und schirmt uns von der Außenwelt ab. Jetzt gibt es nur noch uns beide. Seine rechte Hand legt sich sanft an meine Wange und zieht mein Gesicht noch näher an seins, während sein Mund jeden Zentimeter und jede Kurve meiner Lippen erkundet, als hätte er vergessen, wie sie sich anfühlen und als wollte er dieses Wissen um jeden Preis zurückerlangen. Ich schmiege meinen Körper noch näher an seinen und hebe nun auch meine Hand um sie in seinem weichen Haar zu vergraben. Als seine linke Metall-Hand meinen nackten Oberschenkel berührt, zucke ich kurz zusammen bei der Kälte, die von ihm auf meine Haut übergeht, doch ich gewöhne mich schnell daran. Nachdem er immer wieder mit den Fingern über meine sensible Haut fährt und damit eine wohlige Gänsehaut bei mir auslöst, hebt er meinen Oberschenkel schließlich sachte an, sodass ich mein Bein nun um ihn schlinge.
Ein wohliges Seufzen entfährt mir, als seine Zunge über meine Lippen gleitet und er mir so zu Verstehen gibt, meinen Mund zu öffnen. Ich komme der stillen Aufforderung natürlich sofort nach und seufze erneut sobald unsere Zungen schließlich aufeinandertreffen.
Da hält er auf einmal inne und löst seine Lippen von meinen. Verwirrt öffne ich meine Augen und sehe zu ihm auf. Seine blauen Augen, haben wieder diesen dunklen Schimmer, welcher mich an das offene Meer erinnert. Zu gerne würde ich mich jetzt darin abkühlen.
"Was ist?", frage ich ihn schließlich etwas besorgt. Er scheint über irgendetwas nachzudenken, während er mir tief in die Augen sieht. Da öffnet er endlich seinen Mund: "Willst du das wirklich? Ich...ich will dich zu nichts drängen."
Auf einmal wird mir ganz warm ums Herz, als ich seine großen Welpen-Augen sehe, die liebevoll auf mich herab schauen. Es erstaunt mich immer wieder zu sehen, wie so ein harter Typ, wie Bucky auch gleichermaßen weich sein kann. Und damit meine ich nicht seine wunderschönen weichen Haare. Nein. Im tiefsten Innern ist Bucky nur ein kleiner Junge, der viel zu schnell erwachsen werden und der viel zu viel Leid in seinem Leben erfahren musste. Ich wünschte ich könnte ihn noch einmal kennenlernen, doch bevor er all diese schlimmen Dinge erlebt hat. Bevor die Welt ihn so hart gemacht hat. Als er noch der Bucky aus Brooklyn war, der noch nicht all diese schlimmen Dinge erfahren musste. Ich wünschte ich könnte ihn sehen, wie er damals war. Doch manchmal glaube ich genau diesen Bucky in seinen Augen sehen zu können. Manchmal glaube ich diesen sanften, liebevollen Jungen in seiner Stimme zu hören. Wie auch jetzt gerade.
Ich kann nicht anders als zu lächeln. "Was ist?", fragt er neugierig. Ich lege meine Hand sanft an seine Wange und streiche mit dem Daumen langsam über seine weiche Haut mit den rauen Bartstoppeln. Als ich spüre, wie er sein Gesicht leicht gegen meine Hand schmiegt muss ich noch breiter grinsen. "Du bist so süß.", höre ich mich schließlich sagen. Nun verziehen sich auch seine Lippen zu einem Lächeln. "Nicht so süß, wie du."
"Du brauchst dir keine Sorgen machen.", teile ich ihm schließlich mit und sehe ihm dann tief und aufrichtig in die Augen. "Du drängst mich zu nichts. Ich will das, Bucky." Für einen Moment kann ich sehen, wie seine Augen etwas größer werden und auch sein Lächeln wird breiter. Doch es verschwindet so schnell wieder, wie es gekommen ist. Er setzt mein Bein wieder ab und sieht mich etwas besorgt an.
"Es ist nur...nachdem...nachdem ich dich angegriffen habe...hattest du Angst vor mir." Ich lege den Kopf etwas schief und sehe ihn mitfühlend an.
"Du hattest Angst vor mir, was verständlich ist. Und ich will einfach nicht dass du denkst du müsstest etwas tun, für das du noch nicht bereit bist. Ich verstehe es, wenn du immer noch Angst vor mir hast." Er weicht einen Schritt zurück als würde er sich jetzt erst der Nähe zu mir bewusst werden und sofort schmerzt meine Haut von der plötzlichen Kälte. "T-tut mir Leid, dass ich hier einfach so rein geplatzt bin. Ich...ich war zu voreilig, zu schnell, ich hätte mir mehr Gedanken um dich machen sollen. Ich hätte mir Gedanken darüber machen sollen wie du dich damit fühlen würdest, ob es deine Angst vielleicht wieder schlimmer machen könnte."
"Nein. Bucky es ist alles in Ordnung. Du hast nichts falsch gemacht." Ich sehe ernst zu ihm auf.
"Ist es etwa das was du glaubst? Glaubst du ich habe immer noch Angst vor dir?"
Er seufzt laut. "Manchmal weiß ich nicht mehr was ich glauben soll." Seine Stimme klingt rau, wie als würde ihm jedes Wort, was aus seinem Mund kommt schmerzen.
"Ich will dich nicht anlügen, Bucky.", beginne ich schließlich seufzend und gehe einen Schritt auf ihn zu um die Entfernung zwischen uns wider zu schließen. "Es stimmt. Nach...nach der Sache in Berlin, hatte ich Angst. Ich glaube ich hatte noch nie so sehr Angst, wie in diesem Moment." Ich sehe, wie sich seine Wimpern senken und er beschämt zu Boden sieht und sofort spüre ich einen tiefen Stich in meiner Brust. Es tut mir so weh, ihn so zu sehen.
Ganz vorsichtig hebe ich meine Hand und lege meine Finger sanft an seine Wange. Da hebt sich überrascht sein Blick. "Aber, ich hab keine Angst vor dir." Ich streiche ihm leicht mit dem Daumen über seine Wange. "Das hatte ich nie." "Aber du-" Ich unterbreche seinen Einwurf sofort. "Ich hatte Angst vor jemand anderen. Jemand der du nicht bist und nie wieder sein wirst. Und du warst auch niemals er. Du bist James Buchanan Barnes. Und du würdest niemals jemanden einfach so weh tun. Du würdest mir niemals weh tun." "Glaubst du das wirklich?" "Ich glaub es nicht nur. Ich weiß es."
Er schließt seufzend die Augen und schmiegt sein Gesicht an meine Hand.
"Du hast keine Angst vor mir?" Die Frage ist fast nur ein Flüstern, als hätte er Angst vor der Antwort
Ich schüttele lächelnd den Kopf. "Sehe ich für dich so aus, als hätte ich Angst vor dir?", versuche ich ihn amüsiert zu necken, damit er versteht dass es mir gut geht. Er sieht mit großen Augen zu mir runter.
"Würde jemand der Angst vor die hat das hier tun?" Ich stelle mich auf die Zehenspitzen und lege meine Lippen sanft auf seine. Er erwidert den Kuss doch ich lasse ihn gar nicht erst tiefer werden und löse mich wieder von ihm um ihm in die Augen zu sehen.
"Und jemand der Angst vor dir hätte, würde auch nicht das tun, was ich heute noch mit dir vorhabe." Selbst in der Dunkelheit der Nacht kann ich sehen wie seine Wangen minimal dunkler werden, was mich irgendwie zum Lächeln bringt.
"Ich hab keine Angst vor dir Bucky." sage ich schließlich wieder ernst. "Und ich will das hier. Mehr als alles andere." Hoffnung funkelt in seinen Augen, bevor ich mich wieder zu ihm vorbeuge und ihn erneut küsse. Es ist ein sanfter, liebevoller Kuss. Sobald er endlich, wenn auch etwas unsicher seine Arme wieder um mich legt, muss ich wohlig seufzen. Und als ich sein Lächeln gegen meinen Lippen spüre, wird mein Herz wieder leichter.
Als sich der Kuss vertieft hebt er mich plötzlich mit einem Ruck hoch, und ich kann mir einen leichten erschrockenen Schrei nicht ganz verkneifen. Sein Lächeln verzieht sich zu einem amüsierten Grinsen, während ich ihn überrascht ansehe. Vorsichtig trägt er mich zum Bett und legt mich langsam darauf ab, während er sich über mich beugt. Dann stützt er sich mit dem Metall-Arm neben meinem Kopf auf dem Bett ab und legt seine andere Hand an meine Wange. Gedankenverloren streicht er mir eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht. Mein Herz schlägt schneller. "Du bist so wunderschön, Charlotte." Ich muss wieder grinsen und merke, wie mir die Hitze in die Wangen steigt. "Hör auf damit, Bucky." Er sieht mich verwirrt lächelnd an. "Mit was?" "Damit, mir Komplimente zu machen." Auch er muss nun wieder grinsen. "Wieso denn?" "Weil ich nicht will, dass du siehst, wie rot ich werde." Sein Schmunzeln wird noch breiter und als er sich weiter zu mir runterbeugt, spüre ich seinen Atem an meiner Wange. "Aber es ist so niedlich, wenn du rot wirst.", haucht er leise gegen meine Lippen, bevor er schließlich auch die letzten Zentimeter zu ihnen überquert und mich sanft küsst.
Ich erwidere den Kuss sofort und ziehe Bucky an seinem T-shirt-Kragen noch näher zu mir runter. Während der Kuss immer intensiver wird, taste ich mit meinen Händen seinen Oberkörper ab, auf der Suche nach dem Saum seines Shirts. Als meine Finger endlich das Ende gefunden habe, ziehe ich ihm das Oberteil langsam nach oben, bis er seine Lippen von meinen löst und ich es ihm ganz über den Kopf ziehen kann. Sofort finden unsere Münder wieder zueinander, während seine Hand an meiner Wange langsam nach hinten gleitet und sich dort in meinen Haaren verirrt. Sie schließt sich langsam zu einer Faust und zieht sanft aber bestimmt an ein paar Haarsträhnen, wodurch ich automatisch meinen Kopf in den Nacken lege. Mein Hals liegt nun völlig frei, was wohl Buckys Ziel gewesen sein muss, denn er lässt sofort von meinem Mund ab und schmiegt seine Lippen sanft an die empfindsame Haut über meinem Schlüsselbein.
Das Gefühl, was die sanften Küsse an meinem Hals auslösen, erinnert mich daran, als Bucky und ich uns das erste Mal geküsst haben. Sofort blitzt das Bild von uns in der Avengers-Gemeinschaftsküche, vor meinem inneren Auge auf. Seitdem ist so viel passiert. Seitdem hat sich so viel verändert. Doch eine Sache hat sich nicht verändert. Ich liebe Bucky. Und jetzt weiß ich, dass ich es damals auch schon getan habe. Ich hab ihn schon immer geliebt. Ich war nur zu blind, um es zu sehen. Zu blind vor Hass und Trauer. Doch jetzt sehe ich es. Und in meinen Gedanken verspreche ich mir selbst, mich nie wieder blenden zu lassen.
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Hate and Love (Bucky FF)
FanfictionCharlotte 'Charlie' Wilson ist die Adoptivschwester von Sam Wilson, der auch als Falcon bekannt ist. Aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten, wird sie von ihrem großen Bruder mit den Avengers bekannt gemacht und als Agentin rekrutiert. Dort lernt sie...
