26. niemand

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~ Sentimental heart and a skeptical mind

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~ Sentimental heart and a skeptical mind. ~

Ich fühle mich wie in Watte gepackt. Als würde sich die Welt da draußen drehen, weitermachen, aber ich bleibe stehen, kriege nicht mit was um mich herum passiert. Die Zeit zieht an mir vorbei und ich kann absolut nichts dagegen machen.

Ich habe nachts Angst einzuschlafen, Angst das mich jemand beobachtet, mir zusieht, wie ich in meinem Bett liege und selbst der Gedanken daran, lässt mich erschaudern. Das Essen schmeckt fahl, ich kriege es nur mit Mühe runter und meine Konzentration ist gar nicht mehr da. In der Schule passe ich nicht mehr auf, im Unterricht bin ich entweder mit meinen Gedanken beschäftigt, oder am schlafen.

Selbst Adrien ziehe ich mit meiner Stimmung runter, obwohl er Nathan vor ein paar Tagen endlich nach einem Date gefragt hat. Ich sehe, welche besorgten Blicke er mir zuwirft, wenn er denkt ich würde sie nicht bemerken. Wie er versucht mir unauffällig zu helfen, in dem er Ethan und Finn manchmal von der Schule abholt oder mir etwas zu essen kauft, obwohl ich keinen Hunger habe.

Und dann ist da noch Jason. Seit ich ihm am Anfang der Woche gesagt habe, dass ich ihn nicht mehr sehen will, sehe ich ihn in der Schule plötzlich überall. Jeder Versuch ihm aus dem Weg zu gehen endet damit, dass ich ihm plötzlich gegenüberstehe und rechtzeitig flüchte, damit er mich nicht bemerkt.

Ich bin einfach nur erbärmlich.

***

Die Sonne strahlt auf meine Haut, trotzdem ist mir arschkalt in meinem großen schwarzen Pullover, den ich Adrien irgendwann mal gestohlen habe.

Heute laufe ich nach Hause, weil Adrien sein Date mit Nathan hat und mich nicht nach Hause fahren kann und auf den Bus habe ich wirklich keine Lust. Ich muss zwar ziemlich lange laufen, aber es ist mir egal.

Mein Blick ist starr auf den Boden gerichtet, meine Hände sind an den Trägern meiner Tasche und tippen zum Rhythmus des Liedes, das ich gerade durch meine Kopfhörer höre.

Achilles come down von Gang of Youths dröhnt durch meine Ohren und lässt mir das erste mal seit Tagen wieder ein echtes Lächeln auf die Lippen zaubern. Dieses Lied erinnert mich an BookTok und ich liebe es. Vorallem die Stimme des Sängers, die mir eine angenehm Gänsehaut beschwert, weil sie so schön tief ist. Das klingt ziemlich komisch, aber egal.

Plötzlich spühre ich einen Blick auf mir. Ein unangenehmes Gefühl macht sich in mir breit und verwirrt ziehe ich meine Augenbrauen zusammen. Ich ziehe meinen rechten Kopfhörer raus und sehe mich um. Aber hier ist niemand, der mir besonders auffällt.

Auf der anderen Straßenseite steht ein Mann, der gerade Zeitung aus seinem Briefkasten holt, hinter mir läuft eine Frau an ihrem Handy herum tippend mit einem Husky spazieren, aber sonst ist nichts besorgniserregend, also laufe ich einfach weiter.

Seit ich weiß, dass mein Vater auf freiem Fuß ist, bin ich ziemlich paranoid geworden.

Als ich einmal links abgebogen bin, spüre ich aber immer noch einen stechenden Blick auf mir. Wieder nehme ich verwirrt meinen Kopfhörer ab, um auch zu lausche, ob irgendwas ist, oder mich vielleicht sogar jemand angesprochen hat, aber da ist niemand in meiner nähe.

Auf der anderen Straßenseite ist wieder ein Mann, der gerade Schlüssel herausholt, aber als ich genauer hinsehe, bemerke ich, dass es derselbe Mann ist, der gerade in den Briefkasten geschaut hat.

Ich verenge meine Augen und versuche ihn besser zu erkennen, aber kriege es nicht ganz hin. Er trägt eine dunkelblaue Jeans, eine schwarze Dicke Jacke und eine Mütze. Mehr sehe ich nicht.

Mein Herz vorschnellert sich, als mir eine böse Vorahnung kommt. Schnell schüttel ich mich. Dass ist lächerlich. Ich drehe mich wieder um, laufe weiter nach Hause, aber erhöhe mein Tempo.

Mit schnellen Schritten biege ich das nächste mal ab, stelle meinen Atem ruhig, um zu hören, ob mir jemand folgt. Ich atme tief durch, versuche mein Herz unter Kontrolle zu bringen, das in meiner Brust schlägt, als wäre ich gerade einen Marathon gelaufen.

Und wieder spüre ich diesen verdammten brennenden Blick auf mir. Ich verschnellere mein Tempo weiter und bin fast dabei zu rennen, als ich die nächste einfach rechts abbiege, obwohl ich das nicht gemusst hätte.

Ich presse mich an die Wand, kneife die Augen zusammen und versuche meine verdammte Atmung unter Kontrolle zu bringen. Es ist absolut dumm, was ich hier mache. Ich übertreibe bestimmt nur.

Niemand verfolgt mich. Da. Ist. Niemand.

»Bleibt ruhig.« spreche ich mir selber zu, Presse mich weiter an die Wand. »Atme. Atme. Atme.«

Aber ich kriege es nicht hin. Die Luft will nicht in meine Lunge, mein Herz will sich nicht verlangsamen und plötzlich merke ich, dass ich zittere. Das ist alles nur ein verdammtes Hirngespinst.

Niemand verfolgt mich. Da ist niemand.
Niemand verfolgt mich. Da ist niemand.
Niemand verfolgt mich. Da ist niemand.

Ich spreche die Sätze in meinem Kopf immer und immer wieder, mache sie zu meinem Mantra, dass ich gerade dringend brauche. Ich mache mich einfach nur verdammt lächerlich.

Im nächsten Moment spüre ich eine Berührung. An meinem Kinn. Ich reiße meine Augen auf und ein wimmern entfährt mir.

Nein. Nein. Nein.

Mir blicken zwei blaue Augen entgegen. Mir blicken meine blauen Augen entgegen. Da liegt etwas verrücktes in ihnen. Etwas unkontrollierbares. Seine Lippen ziehrt ein leichtes Lächeln und seine Hand streicht meinen Kiefer entlang.

Nein. Nein. Nein.

Ich Presse mich mehr gegen die Wand, will mit ihr verschmelzen. Ich will einfach nur noch weg hier.

Sein Lächeln wird größer, als mir eine kleine Träne die Wange runterläuft.

»Du bist so groß geworden.« wispert er und dieses verrückte in seinen Augen wird plötzlich größer. »So groß und so schön, wie deine Mutter.«

Ein leises Schluchzen entweicht mir, als er mit seiner rechten Hand meinen Hals umfasst und ganz leichten Druck ausübt.

Panisch blicke ich an ihm vorbei, nach rechts und links und suche nach jemanden, aber da ist niemand. Wir sind in einer Gasse und hier ist es leer. Leer, nur mein Erzeuger und ich stehen hier.

Als ich wieder in sein Gesicht sehe, verändert es sich plötzlich. Von jetzt auf gleich wirkt es wütend, zornig und unberechenbar.

Der Druck auf meinen Hals wird fester und ich schnappe nach Luft. Die Tränen laufen und laufen und mein ganzer Körper zittert.

Nein. Nein. Nein.

Plötzlich verändert sich das Gesicht meines Gegenübers ein weiteres Mal. Es wirkt so friedlich, so liebevoll.

»Oh Amilia.« flüstert er, streicht mir mit seiner rechten Hand eine Haarsträhne aus dem Gesicht, seine linke Hand liegt immer noch um meinen Hals. »Oh geliebte Amilia. Du hast mein Leben zerstört.«

Der Druck um meinen Hals wird fester.

Nein. Nein. Nein.

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