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~ Die Tatsache, dass die Menschen mit zwei Augen und zwei Ohren, aber nur mit einem Mund geboren werden, lässt darauf schließen, dass sie zweimal so viel sehen und hören als reden sollten. ~
Ich hasse Charity Veranstaltungen. Ich verstehe, es ist für einen guten Zweck, aber warum müssen die Kinder mit? Können die Erwachsenen nicht einfach alleine gehen. Ich meine, wenn wir ankommen setzten wir uns an den Tisch, essen etwas und danach werden wir sowieso ignoriert, weil man ja die anderen Leute kennenlernen will.
Und bei Gott, warum muss ich dieses Kleid tragen?
Ich stehe vor meinem Spiegel und musterte mich ein weiteres Mal. Vielleicht, weil ich sehen will, ob wirklich alles Sitz. Vielleicht, weil ich nicht runter gehen will. Aber ich muss und ich weiß es.
Mein Kleid ist überhäuft mit grauem Tüll. Die Schultern sind freigelegt und durch die Ärmel kann man durchsehen. Um meinem Bauch herum liegt ein Gürtel mit Glitzer, sehr viel Glitzer.
Ich liebe dieses Kleid. Keine Frage. Aber ich finde es ein bisschen zu viel für eine einfache Veranstaltung.
»Amilia! Jetzt komm endlich« ruft meine Mutter von unten. Ich schaue mich ein letztes Mal an. Lege meine Haare, die offen und zu locken gemacht wurden, nochmal etwas zurecht, atme tief ein und aus und gehe anschließend die Treppen runter.
Meine kleine Familie steht unten in einer Reihe und mein Steifvater schaut alle paar Sekunden auf die Uhr, bis ich mich endlich mit einem räuspern bemerkbar mache.
Meine Mom und Will, mein Stiefvater, seufzen beide zeitgleich auf und gehen einfach aus der Tür raus, ohne auch nur noch irgendetwas zu sagen. Finn und Ethan stehen noch immer da und schauen mich aus großen Augen an.
»Wow siehst du..« fängt Ethan an zu sprechen »schön aus« beendet Finn den Satz und beide laufen auf mich zu. Auf meinen Lippen breitet sich ein Lächeln aus und ich nehme Ethan in die linke und Finn in die rechte Hand, während wir auch nach draußen laufen.
»Danke. Ihr seht aber auch nicht gerade schlecht aus.« mein Lächeln wird größer, als beide anfangen zu kichern. Beide nuscheln ebenfalls ein ›danke‹ bevor wir vor dem Auto zum stehen kommen.
Ich helfe meinen kleinen Brüdern in das Auto reinzukommen, bevor ich mich ebenfalls neben sie setze und mich anschnalle. Auf der kompletten Fahrt wird kein einziges Wort gewechselt. Ethan und Finn fangen irgendwann über ein Comic an zu reden, aber wir anderen sind still. Ich schaue aus dem Fenster und betrachte die Bäume, die an mir vorbeifliegen.
Irgendwann kommt das Auto zum stehen und ich steige ein weiteres Mal aus, um Finn und Ethan aus dem Auto zu helfen. Will geht zu einem Mann an einem Podest und überreicht ihm seine Autoschlüssel. Ich sehe noch wie sich meine Mom bei ihm einhakt, dann sind sie schon im inneren des Gebäudes verschwunden. Ich stehe immer noch mit meinen zwei Brüdern draußen.
Ich seufze und laufe mit beiden zu Tür, die ich ihnen aufhalte und dann betreten wir einen großen Raum. Wir alle drei schauen uns um.
Ich wette das alles hat scheisse viel gekostet und es sieht nicht mal schön aus.
Wie ich zähle, gibt es 13 Tische, die verteilt im Raum stehen. Sie sind mit einem weißen Lacken bedeckt. In der Mitte jedes Tisches sind Kerzen und Blumen aufgestellt, die absolut nicht zusammen passen. An den Wänden hängen Lichterketten und Girlanden.
Ethan zupft an meinem Ärmel und ich schaue fragend zu ihm runter. »Ich hab Hunger« quengelt er und ich muss mir ein Lachen verkneifen, weil ich damit gerechnet habe, dass sie nicht lange still stehen können.
»Lass uns unseren Tisch suchen, dann essen wir auch bald« meine ich und suche den Raum nach meiner Mutter ab. Ich erkenne sie hinten links mit einer Gruppe Leute reden. Meinen Stiefvater erkenne ich am Tisch daneben mit einem Mann mittleren Alters reden.
Aus Erfahrung weiß ich, dass man sie in Gesprächen nicht stören sollte, also nehme ich meine kleine Umhangetasche von den Schultern und wühle darin herum, bis ich endlich die Einladungskarte gefunden habe.
Tisch 8.
Ein weiteres Mal lasse ich meinen Blick durch die Reihen gleiten und suche nach dem Tisch 8. Tatsächlich finde ich ihn auf Anhieb, da wir nur an zwei weiteren Tischen vorbei gehen müssen. Ich nehme Ethan und Finn wieder an den Hände und laufe mit ihnen zu dem Tisch, an dem wir uns hinsetzen.
Ich schaue auf mein Handy und danach wieder in die Gesichter meiner Brüder. »In ein paar Minuten müssten wir etwas kleines zu essen bekommen«
Beide Nicken aufgeregt und fangen wieder an über irgendwelche Comics zu reden.
Ich seufze und lasse mich in meinem Stuhl ein bisschen mehr einsinken, auch wenn es nicht gerade vorbildlich ist. Das ist mir gerade definitiv egal.
Eine Bewegung in meinem Augenwinkel lässt mich nach rechts schauen, geradewegs in das Gesicht von Jason.
Überrascht hebe ich meine Augenbrauen. »Was machst du den hier?« frage ich und Klinge neugieriger als ich will. Jason fängt an zu lächeln und zeigt mit seinem Finger nach rechts. Als ich diesem folge, sehe ich zwei große Männer am anderen Ende des Raums, die sich aufgeregt unterhalten.
Beide tragen einen schwarzen Anzug, mit weißem Hemd. Nur fällt mir der Rechte ein bisschen mehr auf, als ich feststelle, dass er gewisse Ähnlichkeiten mit Jason hat. Das braune lockige Haar sehe ich sogar bis hier und unwillkürlich breitet sich ein Lächeln auf meinen Lippen aus.
»Mein Dad Arbeit bei der Firma die das hier organisiert hat. Er ist zwar kein hohes Tier, wird aber trotzdem immer auf diese Veranstaltungen eingeladen. Und ich hatte heute genügend Langeweile um mitzukommen.« auf seinen Lippen breitet sich ebenfalls ein Lächeln aus und ohne das ich es kontrollieren kann, fliegen plötzlich tausende von Schmetterlingen in meinem Bauch. »Und wie es aussieht, habe ich eine gute Entscheidung getroffen.«
Plötzlich werde ich an meiner linken Schulter angetippt und als ich mich umdrehe, erkenne ich zwei Gesichter die voller Interesse Jason anglotzen.
»Wer ist das?« fragt Ethan schüchtern und eine kleine rote Spur taucht auf seinen Wangen auf. Ich mache mit meinen Händen eine Bewegung, dass sie zu uns kommen sollen. Finn springt sofort voller Freude auf und läuft zu uns hin, während Ethan zögerlich zu mir kommt und sich sofort auf meinen Schoß setzt.
Ich zeige auf Jason, der das alles lächelnd beobachtet. »Das ist Jason.« ich zögere kurz und schaue zu Jason, danach zu Finn der mit großen Augen vor ihm steht und vollkommen begeistert aussieht. »Er ist ein Freund von mir«
Ohne das wir auch nur etwas hätten tun können, springt Finn auf Jasons Schoß und schaut ihn immer noch an. Ich lege währenddessen meine Arme um Ethans Taille und mein Kinn auf seinen Kopf.
»Kann ich so aussehen wie du, wenn ich mal groß bin?« fragt Finn noch immer vollkommen fasziniert. Ich muss mir ein Lachen verkneifen und erkenne, dass es Jason nicht nicht anders geht.
»Man kann sich nicht aussuchen wie man später mal aussehen möchte, allerdings bin ich mir sicher, dass du ganz toll aussehen wirst.« meint Jason und schaut meinen Bruder vollkommen ernst an.
Finn dreht sich mit einem Lächeln zu mir und Ethan um, obwohl er immer noch auf Jasons Schoß sitz und lächelt von einem Ohr zum anderen.