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~ you are the sweetest feeling I know ~
Ich habe keine Ahnung was mich getrieben hat, damit ich vor Jason meine halbe Lebensgeschichte ausgepackt habe, aber irgendwie war da so ein Drang, den ich einfach nachgeben musste. Dieser Ort hat mich sofort an Saige erinnert und weil sie bald Geburtstag hätte, konnte ich es nicht mehr in mich rein fressen. Ich vertraue Jason und deswegen habe ich ihm diese Erinnerung erzählt.
Das ich am Ende aufgelöst in seinen Armen liege, habe ich eigentlich nicht beabsichtigt, aber trotzdem gefällt es mir.
Die Sonne ist schon lange untergegangen und es wird auch immer kälter, trotzdem sitze ich hier in Jasons Armen. Er strahlt eine so krasse Wärme aus, dass ich gar keine Jacke bräuchte. Sein Kinn liegt auf meinem Scheitel und ohne das er sich dessen wahrscheinlich bewusst ist, malt er mir kleine Kreise auf den Bauch.
Ich könnte Stunden hier sitzen und vor mich hindenken, aber ich weiß, dass ich irgendwann nach Hause gehen muss.
»Jason?« flüstere ich, da ich diesen Moment eigentlich nicht stören will. Ich fühle mich gerade so wohl wie lange nicht mehr.
»Hmm?« brummt er und malt weiter die Kreise auf meinen Bauch.
»Ich sollte langsam nach Hause.« flüstere ich immer noch, bewege mich jedoch nicht.
Diese Umarmung fühlte sich so gut an, wie lange nicht mehr. Mein Herz klopft schneller als sonst in meiner Brust und in meinem Bauch rammen die Schmetterlinge sich schon die ganze Zeit gegenseitig an.
Auch Jason macht keine großen Anstalten sich zu bewegen. Als ich es jedoch in meiner Hosentasche brummen höre, muss ich mich leider aus dieser Umarmung ziehen. An Jasons Gesichtsausdruck kann ich deutlich erkennen, dass er das genauso wenig wollte wie ich, aber als ich schaue wer mich da anruft ziehe ich meine Augenbrauen verwirrt zusammen. Meine Festnetz Nummer. Meine Mom würde sich nicht die Mühe machen mich anzurufen, also sind es entweder Will oder die Zwillinge.
»Ja?« frage ich zögerlich.
»Amilia?« höre ich Ethans Stimme aus der anderen Leitung.
»Ja. Was ist los?«
»Kannst du nach Hause kommen?« fragt nun Finn zögerlich und irgendwie hören sie sich an, als ob sie geweint hätten. Sofort sitze ich kerzengerade da und bemerke den fragenden Blick von Jason auf mir.
»Was ist los?« frage ich alarmiert. »Ist irgendetwas passiert? Hat sich wer verletzt?«
Auf der anderen Seite zögert es einen Moment. »Nein, aber... wir hatten einen Albtraum und du warst nicht in deinem Bett und wir haben Angst.« kommt es gequält von der anderen Leitung.
»Okay. Ich bin sofort unterwegs.« ich deute Jason mit einer Bewegung an, dass wir jetzt gehen und rede währenddessen weiter mit Ethan und Finn.
»Wo seid ihr denn jetzt?« frage ich und schnalle mich ungeschickt mit einer Hand an. Ich bemerke das amüsierte grinsen von Jason aus dem Augenwinkel und haue ihn einmal gegen den Oberarm. »Jetzt fahr schon.« flüstere ich.
Er nickt lächelnd und fährt endlich los.
»In deinem Bett.« kommt es zögerlich von Ethan und ich zucke zusammen. Ich hatte vollkommen vergessen, dass die Zwillinge noch an der Leitung sind.
»Kein Problem. Bleibt einfach dort, bis ich zuhause bin, okay? Ihr könnt auch meinen Laptop anmachen und eine DVD reinlegen, einverstanden?«
»Oki.« ich höre das Grinsen in Finns Stimme und muss selber grinsen. Man muss sie nur gekonnt ablenken und schon haben sie bessere Laune.
Als ich auflege, verstaue ich mein Handy wieder in meiner Jackentasche und betrachte Jason von der Seite, wie er Konzentriert die Straße entlangfährt.
»Wer war das?« fragt er irgendwann.
»Meine Brüder.« seufze ich. »Sie hatten einen Albtraum und ich war nicht da.« ich habe total das schlechte Gewissen und wahrscheinlich bemerkt man es auch, denn plötzlich spürte ich eine warme und große Hand auf meinem Oberschenkel. Überrascht blicke ich auf, aber Jason guckte weiter nach vorne.
»Mach dir keine Gedanken. Du kannst nicht immer da sein.« seine Stimme hat einen sanften Unterton und er drückt meinen Oberschenkel leicht.
Ich antwortete nicht mehr, aber es ist auch nicht schlimm, denn Jason kommt vor meinem Haus zum stehen. Ich drehe mich mit meinem Körper zu ihm um, lächel. Es ist klein, aber echt.
»Danke.« flüstere ich, und bevor er mir antworten kann bin ich schon aus dem Auto ausgestiegen und laufe zum Haus.
***
Finn, Ethan und ich haben zusammen in meinem Bett geschlafen und heute Morgen zusammen gefrühstückt.
Nach der Schule habe ich etwas gefunden, dass ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Jetzt stehe ich vor meiner Staffelei, darauf ein große Leinwand. Irgendeine Playlist spielt im Hintergrund Musik und ich tippe nervös mit meinem Fuß auf und ab.
Das letzte mal, dass ich gemalt habe war vor Saiges tot. Ich habe mich von da an nicht mal mehr getraut eine Leinwand zu berühren, denn ich weiß, dass sie es geliebt hat, wenn ich gemalt habe.
Seitdem ich aber Jason von ihr erzählt habe und sogar ein Teil meiner Vergangenheit ausgepackt habe, habe ich die ganze Zeit ein kribbeln in meinen Fingern und das Bedürfnis endlich wieder zu malen. Ich will es tun. Für Saige. Ein klein wenig für Adrien und Jason, aber vorallem für mich. Wenn ich jetzt male, habe ich einen weiteren Teil meiner Vergangenheit abgeschlossen.
Vielleicht wollte ich es nie und deswegen habe ich auch keine Leinwand mehr berührt, aber ich muss. Irgendwann muss man immer mit der Vergangenheit abschließen und ich will es. Auch, um eine bessere Zukunft und vielleicht sogar eine Zukunft mit Jason zu haben.
Bei diesem Gedanken legt sich ein Lächeln auf meinen Lippen. Ich schließe meine Augen, Denke an Saige und mich, wie wir zusammen gespielt haben, gelacht und geweint. Dann öffne ich sie wieder und weiß ganz genau was ich malen werde.
Die Pinselstriche kommen von ganz alleine. Ich muss mich gar nicht anstrengen, oder konzentriert darüber nachdenken. Die Geräusche um mich herum blende ich aus und für einen Moment denke ich mir, wie dumm es eigentlich war eine Playlist abzuspielen, aber im nächsten Moment ist der Gedanke verflogen, denn eigentlich ist es mir egal.
Gerade ist mir alles Egal. Ich will nur in meiner kleinen Welt schweben und für einen Moment denken, sie wäre in Ordnung.