Sogar am Abend konnte ich noch den Griff seiner Hand um meinen Hals spüren, doch ignorierte ich das Gefühl so gut es ging.
Selbst wenn es mir teilweise so vorkam, als würde er mich wieder packen, nur fester, jedes mal wenn ich einen kalten Windzug auf meiner Haut spüren konnte.
Stattdessen lenkte ich mich lieber in Domenicos Club ab. Nur hielt ich dieses Mal mein Versprechen und achtete die ganze Zeit auf Aurora.
Nicht einmal wanderten meine Augen zu Marcella, Valentina oder Camilla. Egal wie sehr sich ihre Blick in meinen Rücken brannten.
Ich war nur für Aurora hier. Nur für sie, und so sollte es auch bleiben.
"Meine Mädchen scheinen dich ja doch zu langweilen." Hörte ich eine verstraute Stimme hinter mir lachen, bevor sich diese in einem schicken Anzug zu mir auf die Couch schwang.
Domenico...
Ich lehnte mich zurück und nahm ihn den Drink aus seiner Hand, den er sich wohl für sich selbst geholt hatte, dabei ignorierte ich sein kleines schmollen.
"Ich bin nicht für sie hier, Domenico." Ließ ich ihn wissen, auch wenn er es eigentlich hätte ahnen müssen. "Stimmt, du bist nur für dein Mädchen hier." Flüsterte er mir in mein Ohr, was mich zu ihm umdrehen ließ. Ein kleines Grinsen hatte sich auf seine Lippen geschlichen, ehe es schnell wieder fort war. "Bitte?" Ich konnte seine Anspannung erkennen, nervös tappste er mit seinen Fingern auf seinem Knie herum.
Egal wie sehr er versuchte seine Gelassenheit zu behalten, mir konnte er nichts vorspielen. Generell war er kein guter Schauspieler, obwohl er seit jahren erfolgreich jeden glauben ließ, dass er Domenico Antonelli hieß.
Er war ein beeindruckender Mann, dass gestand ich.
Meine Miene verzog sich zu einem schelmischen Grinsen, während ich zu Aurora sah, die sich wieder an der Bar befand. "Vergiss es, aber wenn du schon mal hier bist, dann kannst du mir doch sicher bei etwas helfen."
Die Bar lag direkt hinter Domenico, weshalb ich ohne Gewissensbisse in seine Augen sehen konnte. "Du musst etwas für mich verstecken." Wisperte ich unter der lauten Musik hinweg. "Valentino ist dafür da, um deine Leichen zu verscharen." Sprach er mit aller Ernsthaftigkeit.
Er wollte sich nicht mehr aktiv die Hände schmutzig machen, er führte nun ein — soweit es ging — recht unbeschwertes Leben, in dem er dazu auch noch viel Kohle schäffelte.
Lachend schloss ich meine Augen und schüttelte meinen Kopf. "Ich rede von Kokain."
Valentino dürfte mir in der Nacht nicht nur helfen die Leichen zu entsorgen, sondern musste er auch einen Platz finden, in dem niemand danach suchen würde.
Da bat sich das abgebrannte Holzlager perfekt an. Die Untersuchungen der Polizei wurden eingestellt und niemand traute sich dorthin, da es ein Tatort der Mafia war, nur leider wurde das Lager zum Abriss freigeben, was mir so gar nicht passte.
Domenicos Augenbraue hob sich, während er sich ein Glas mit Wein von dem Tablett nahm, als Aurora an uns vorbei lief.
Unsere Blicke trafen aufeinander. Sie war nicht erfreut hier zu sein, doch war sie schon ruhiger als beim ersten Mal.
"Über wie viel Kokain reden wir hier?" Seine Augen verdunkelten sich, als hätte ihn das Leben verlassen.
Meine Mundwinkel hoben sich. Geld verdrehte doch wirklich jeden den Kopf. "Es hat rund einen Wert von 15.000 Euro"
Seine Augen weiteten sich, während er sich fast an seinen Wein verschluckte. Panisch, aber trotzdem noch gelassen, wanderten seine Augen durch den Club, um zu sehen, ob uns irgendwer gehört hatte.
Die Mädchen waren mit den Stangen beschäftigt, während die eine Hälfte an Männern ihnen lüsternd hinterher sah und die andere Hälfte sich im Bann der Spielsucht verlor.
"Und wo soll ich das bitte verstecken?" Wollte er wissen. Er schien verunsichert zu sein — zwiegespalten sogar. Das Geld schien verlockend, doch die Gefahr ließ ihn zweifeln.
Ein Vorwurf konnte ich ihn nicht machen. Tatsächlich erinnerte er mich in dieser Hinsicht sogar etwas an Nando.
Sie beide wollten nichts mehr wirklich mit der Mafia zu tun haben, aber trotzdem konnten sich beide nicht von diesen Leben trennen.
Domenico, der diesen Club führte, wo eigentlich nur Leute der Mafia herkamen.
Und Nando, der die Mafia aufgrund von Valentino nicht hinter sich lassen konnte.
"Du wirst doch sicher in diesen Laden einen Raum haben, in den nur du rein kommst und in welchen du—" Begann ich zu lachen und unterbrach unseren Blickkontakt. "Wer weiss, unter deinem Schreibtisch eine kleine Geheimluke hast."
Mit einem offenstehenden Mund sah er mich ungläubig an. "Woher weisst du davon?" — "Ich hab' dir das Geld für diesen Laden gegeben, schon vergessen?"
Mit einem Grinsen nickte er, während er seinen Kopf fassungslos in seine Hände fallen ließ. "Du bist unglaublich." Lachte er. "Also, hilst du mir?"
Er schluckte in einem Zug den Rest seines Weins herunter und stellte das Glas auf den schwarzen Beistelltisch ab, bevor er sich wieder aufrichtete. "Was springt für mich dabei raus?"
Domenico war wirklich der einzige gewesen, der sich so eine Frage bei mir erlauben konnte.
Jeder andere hätte so etwas bereut, doch er wusste, dass ich ihn nichts getan hätte, weshalb er gerne im kalten Wasser schwimmen ging.
Mein Blick wanderte zur Decke, während ich genüsslich einen Schluck meines Weins trank. Ungeduldig hörte ich, wie sich seine Finger im das rote Polster der Couch kratzten. "Ich erlasse dir deine restlichen Schulden." Grinste ich.
Es war kein verlockender Deal, schließlich hatte er mir fast alles zurückgezahlt.
Aber Domenico wusste, was anderes hätte er nicht von mir bekommen. Und eine andere Antwort als ja, hätte ich nicht akzeptiert.
Seine Finger fuhren zu seiner Nasen, während er angestrengt aufstöhnte. "Ich hätte es auch so getan." Lachte er. "Ich weiss. Was glaubst du, warum ich dir so ein scheiß Angebot gemacht habe?"
Lächelnd schüttelte er seinen Kopf, ehe mein Blick sofort wieder nach Aurora suchte.
Unsere Augen trafen sich, doch sofort brach sie unseren Blickkontakt. Sie wollte mich nicht ansehen, dabei konnte ich meinen Blick nicht einmal von ihr nehmen.
Sie sah wunderschön aus, selbst wenn diese Kleidung in der sie rumlaufen musste, deutlich unter ihrer Würde lag.
Vielleicht fühlte es sich genau deshalb verboten an. Es war verboten sie anzusehen, doch wer sich daran nicht halten konnte, hätte genauso gut erblinden können.
Das Risiko hatte ich den gesamten Abend schon im Kauf genommen, während sie mich langsam mit ihren kühlen und distanziert Blicken blendete.
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Karma Is A Bitch
Romance➵ 𝐆𝐚𝐢𝐚 𝐮𝐧𝐝 𝐀𝐮𝐫𝐨𝐫𝐚 | 𝐌𝐚𝐟𝐢𝐚 𝐑𝐨𝐦𝐚𝐧𝐜𝐞 Gaia ist die älteste Tochter eines Mafiosi. Eigentlich müsste ihr aufgrund des angesehenen Status ihres Vaters, ganz Sizilien - nein, ganz Italien - zu Füßen liegen. Nur leider ist dies, nic...
