,,Wach auf!" Hörte ich eine Stimme durch meine Ohren dröhnen. Es war dunkel, aber ich konnte meine Augen einfach nicht öffen.
Generell konnte ich meinen Körper nicht bewegen. Mein Kopf hing lose in der Luft, aber meine Arme waren fest auf meinen Rücken gebunden.
Es war kühl, schon fast eiskalt, dabei war doch erst eine angenehme Sommerbrise über meinen Köpfen herüber gezogen.
In dieser widerlichen Stille klang alles so laut. Diese elendigen Schritte, die auf mich zu kamen, schallten durch meine Ohren.
,,Wach auf!" Schrie die unbekannte Stimme und packte mein Haar. Mit Gewalt wurde mein Kopf hochgezogen. Vor Schmerzen riss ich die Augen auf. Meine Sicht war leicht rötlich.
Vor mir stand ein Mann, der mich befriedigt anlächelte.
,,Wurde auch langsam Zeit" Verwirrt sah ich zu ihm auf, bis er mein Haar losließ.
Mein Kopf schwag zu den Seiten des lichtlosen Raumes. Verzweifelt und panisch suchte ich nach ihr, doch konnte ich in einer der Ecken nur den durchlöscherten Körper des Mannes sehen, der uns überfallen hatte.
,,Wo ist sie? Wo ist Aurora?" Forderte ich zu wissen, doch der Mann grinste nur. Er war der Boss. Und wie es wohl aussah, schon lange im Geschäft. Er trug teure Kleidung. Hielt die besten Zigarren in der Hand, die er triumphierend vor mir anzündete. Und auf seinen Lippen zierte sich ein Grinsen, welches voller Stolz sagte: auf diesen Moment habe ich schon lange gewartet.
,,Aurora?" Fragte er mit einer gespielten Unsicherheit. Ich biss die Zähne zusammen, konnte dabei allerdings auch etwas metallisches auf meiner Zunge schmecken.
,,Wo. Ist. Sie?" Wiederholte ich meine Worte und versuchte meine gefesselten Hände zu Fäusten zu ballen.
,,Möchtest du sie denn wirklich sehen?"
Er wollte keine Antwort. Er bließ mir einfach den Rauch ins Gesicht, den ich gezwungen war ein zu atmen.
Ich konnte den Mann vor mir kaum erkennen, aber er lief einige Schritte zurück, bevor ich sein Fingerschnipsen hörte.
Ein Schatten türmte sich neben ihn auf. Eine zierliche Statur besaß die Silhouette.
,,Verzeih mir" Und eine Stimme, die ich selbst ohne eine funktionierendes Gehör immer wieder erkannt hätte.
Aurora stand neben ihn.
Es fühlte sich an, als wäre plötzlich das Licht ins Zimmereingedrungen. Ich konnte jedes Detail, welches ich versuchte hatte mir einzupregen, wieder erkennen.
Ihr langes braunes Haar sah fast schwarz in der Dunkelheit aus. Ihre blauen Augen erhellten hingegen den Raum.
Ich wollte es nicht wahr haben, aber Aurora war nur eine Lüge.
Stumm sah ich zu ihr, mein Ausdruck flehte nach einer Antwort, doch die wollte sie mir freiwillig nicht geben.
,,Wer bist du?" Wisperte ich ihr gebrochen entgegen.
Hoffnungsvoll sehnte ich mich nach irgendeinem Ausdruck der Verzweiflung in ihrer Stimme. Ich brauchte nur einem Funken von Reue in ihrer Stimme zu hören, um ihr alles verzeihen zu können. So sehr vergötterte ich sie.
,,Ihr Name ist Adelina" Stattdessen spürte ich nur ein zweites Messer, dass mir in den Rücken gerammt wurde.
,,Und du wirst mich ab sofort Enzo nennen" Die allzu vertraute Gestalt von Valentino machte sich aus den Schatten sichtbar.
Ich machte keine anstalten darin, meine Verwirrung und meinen Schock zu verstecken, aber auch meine enttäuscht konnte er in meinen Gesicht ablesen.
,,Warum bin ich hier?" Seufzte ich. Zum ersten Mal fühlte ich mich gebrochen. Es war ein anders Gefühl, als meine Mutter damals starb, aber trotzdem besaß es eine gewisse ähnlichkeit mit dem Gefühl von jetzt.
Fassungslos hörte ich die Lache des alten Mannes, der wieder auf mich zu gelaufen kam. Seine Hände packten mich bei meinem Haar und ich konnte zweifellos spüren, wie er einige meiner Strähnen lose hielt.
,,Enzo meinte zu mir, dass du ein hartnäckiges Gör bist, aber du hast so schnell aufgegeben" Es erfüllte ihn mit Freunde und gleichzeitig mit Frust. Er wollte, dass ich Wiederstand leistete, aber die Genugtuung wollte ich ihn nicht geben.
Mein glitt zur Seite. Aurora - eigentlich Adelina, kam etwas auf mich zu.
,,Wir haben uns noch nicht richtig vorgestellt" Redete sie. Sowohl ihr Vater, als auch ihr Bruder sahen sie überrascht an. Sie beide fragten sich, was sie vor hatte.
,,Vielleicht hast du ja schon mal etwas von der Sartori-Familie gehört" Ja, vieles sogar. Sie waren skrupellos. Der Vater soll nicht einmal davor zurückgeschrekt haben, sein eigenen Sohn, gefolgt von seiner Frau umgebracht zu haben.
Ein freudiges und gleichzeitig triumphierend Grinsen zierte die trockenen Lippen des Mannes.
,,Merk dir den Namen Antonio Sartori" Flüsterte er mir in mein Ohr.
In der Stille ließ ich mir Adelinas Worte noch einmal durch den Kopf gehen. Sie sprach ohne jegliche Gefühle, als hätte sie diese erst gar nicht besessen.
,,Und warum bin ich nun hier?" Wiederholte ich meine Frage, um dieser nun erdrückenden Stille zu entfliehen. Antonios Grinsen verflog. Vor Wut lief sein Gesicht rot an.
,,Du hast Nerven" Sprach er aggressiv, doch lag mein Fokus nicht auf ihn.
Meine Augen folgten Adelina, die zurück zu Enzo in den Hintergrund lief.
,,Warum bist du wohl hier?" Schrie Antonio mir gereizt ins Gesicht.
,,Streng doch mal dein Köpfchen an! Enzo hat dich ja nicht ohne Grund in den Himmel gelobt"
Sein Griff wurde immer fester. Meine Kopfhaut schmerzte und vereinzelt konnte ich an manchen Stellen eine Flüssigkeit meinen Nacken entlang laufen spüren. Blut - von meinen herausgerissenen Haarsträhnen.
Ich fühlte mich erbärmlich, müde und erschöpft. Ich wollte nur meine Augen schließen und aus diesem Albtraum erwachen - hoffen, dass Aurora in meinen Armen lag und mir die Schweißperlen mit einem feuchten Tuch von der Stirn wischen würde, nur um zarte küsse dort zu platzieren.
Frustriert ließ Antonio von mir los. Normalerweise hätte ich mich so gern an all dem erfreut, aber mir war nicht nach Lachen zu mute.
,,Verrat es mir doch einfach" Bittete ich, aber Antonio schien es nur zu provozieren, was ich nicht einmal genießen konnte.
Für einen alten Mann, verhielt er sich ähnlich, wie ein Kleinkind, dass nicht das bekommen hatte, was es sich von Santa zu Weinachten wünschte.
,,Du weisst gar nicht, wie viele unserer Männer, dein Vater auf dem Gewissen hat" Wandte sich Enzo zu Wort, bevor sein Vater ein Schreianfall hatte.
Langsam dämmerte es mir, auch wenn ich hoffte, dass ich mit meiner Vermutung falsch lag.
Giovanni war ein alter Mann, Nando lag im Koma und ich würde wahrscheinlich nur noch ein paar Tage zu leben haben - im besten Fall.
Die D'Amicos sollten verschwinden. Einer nach dem anderen, bis wir alle tot waren.
DU LIEST GERADE
Karma Is A Bitch
Romance➵ 𝐆𝐚𝐢𝐚 𝐮𝐧𝐝 𝐀𝐮𝐫𝐨𝐫𝐚 | 𝐌𝐚𝐟𝐢𝐚 𝐑𝐨𝐦𝐚𝐧𝐜𝐞 Gaia ist die älteste Tochter eines Mafiosi. Eigentlich müsste ihr aufgrund des angesehenen Status ihres Vaters, ganz Sizilien - nein, ganz Italien - zu Füßen liegen. Nur leider ist dies, nic...
