Meine Brust verengte sich, als ich das große neon leuchtende Schild vor meinen Augen sah.
Es hatte sich wie ein Abschied angefült, was wenn es sogar einer war? Aber wo sollte er hin? Er konnte nicht zurück, und sicherlich wollte er Sizilien auch nicht verlassen, dafür hatte er diesen Ort viel zu sehr lieben gelernt.
Ich musste einfach dieses Gefühl bei Seite schieben, sonst hätten mich meine Beine nie in seinen Club getragen.
Meine Ohren rechneten mit lauter Musik, während meine Augen sich auf die bunten Lichter vorbereiteten, doch von beiden war weit und breit keine Spur.
Niemand war hier. Nicht die Mädels, nicht die Alkoholiker und auch nicht die Spielssüchtigen.
,,Lass uns feiern" Wollte ich schon fast aufschrecken, doch erkannten meine Ohren diese Stimme, nur klang sie nicht fröhlich.
,,Ich fürchtete schon, dass du mich nicht sehen willst" Lachte ich, aber Domenico erwiderte es nicht.
Er trat einfach mit einer Flasche Champagner aus seinem Büro und führte mich zu einer der Couchen hin.
Ich wollte mit ihm lachen, uns über irgendwen lustig machen, vielleicht sogar ein paar Worte über Valentino verlieren, aber ich konnte in dieser erdrückenden Stille, in der Domenico langsam uns etwas in die Gläser einschenkte, einfach nicht aushalten.
,,Du hast etwas zu sagen, also spuck es schon aus!" Forderte ich ihn auf, dabei verlor ich fast meine Fassung. Kurz zuckten seine Schultern zusammen vor schreck. Fast hätten er mir leid getan.
,,Ich freu mich für dich, Gaia, wirklich" Wollte er mir versichern, ohne seinen starrenden Blick von mir zu nehmen.
,,Aber ich möchte dich auch nicht verlieren"
Wieso fühlte sich das wie ein Deja-Vu an? Warum war mir diese Szene nur so gut bekannt gewesen?
Natürlich, weil ich damals genau das selbe gesagt hatte. Nicht zu Domenico, sondern zu Nando.
Wir waren Kinder. Nando verstand nicht, was Giovanni ihn damals mitgeteilt hatte. Er bekam das Erbe, während ich an irgendjemanden verheiratet werden sollte.
Damals sagte ich genau das gleich zu ihm. Nur war es damals wie heute, beides eine Lüge.
Domenico freute sich nicht für mich, und ich mich ebenfalls nicht für Nando. Wir beide sagten das nur aus Höflichkeit. Nur war er damals wie ich besorgt.
,,Seh ich aus, als könnte man mich so leicht umbringen?" Lachte ich und versuchte seinen Blick zu ignorieren, den er einfach gesenkt hielt.
,,Nein, aber veletzten"
Ich wollte den Wein in meinen Mund vor Lachen schon ausspucken. Man konnte mich nicht so leicht verletzen. Der Mann vom Hafen hatte es auch nur geschafft, da ich unaufmerksam war.
All diese Narben, die meinen Körper zierten, entstanden aus der Feigheit und Überheblichkeit dieser möchtegern Mafiosi.
Aus Angst kämpften sie zurück und weil ich im Vergleich zu ihnen oft kleiner und zierlicher war, überschätzten sie sich gern.
Seufzend stellte ich das leere Glas auf den schwarzen Beistelltisch und richtete meinen Blick auf seine zurückgegelten Haare, die ihn vereinzelt zurück ins Gesicht fielen.
,,Glaubst du wirklich, dass man mich so leicht unterkriegen kann?" Meine Stimme klang gereizt. Das war ich auch, doch sollte er das nicht mitbekommen.
,,Gaia..." Seufzte er meinen Namen und stand von der weinroten Couch auf, nur um vor mir zu knien.
Wir waren selten auf einer Augenhöhe, größtenteils wegen unseren Größenunterschieden.
,,Du stark, schlau" Lachte er, als hätte es nicht offensichtlicher sein können. Gleichzeitig klang es aber auch so, als müsste er es mir erklären, damit ich es erst verstehen würde.
,,Und so unglaublich leicht in die Ecke zu drängen"
Sein Lächeln fiel ihn von den Lippen, die genauso ausdruckslos wie seine Augen aussahen.
,,Dir ist dein eigenes Leben egal, aber wenn deinen geliebten etwas passiert, dann bleibst du in einem tiefen Loch gefangen, aus dem du nicht mehr rauskommen zu scheinst"
,,Bullshit!" Kam es sofort aus mir heraus.
Ich wollte meine Fassung nicht verlieren, ich dürfte sie nicht verlieren!
,,Erst deine Mutter, dann Nando"
,,Hör auf! Du sollst gevölligst schweigen!"
,,Was wenn Aurora etwas passiert? Huh, was dann?" Brüllte er zurück.
Ich hasste es, wie er recht hatte. Domenico musste nur ihren Namen aussprechen, um mich zum schwitzen zu bringen.
,,Sie ist sicher bei Valentino und Nando im Krankenhaus" Wisperte ich, während ich versuchte seinen leeren Blick stand zu halten.
Lange trug er diesen Blick nicht mehr. Das letzte Mal sah ich ihn vor acht Jahren, als er nach Sizilien kam.
Es war der Ausdruck einer Person, die sterben wollte. Die keinen Sinn mehr im Leben sah. Domenico sah mich so an, als würde er sich auf meinen sicheren Tod vorbereiten.
,,Ist sie wirklich sicher, wenn Valentino auch noch auf Nando aufpassen muss, der noch immer im Koma liegt?"
Schluckend nahm ich das Glas aus seiner Hand und schlang den letzten Rest herunter.
,,Du kannst nicht vor der Wahrheit wegrennen"
,,Du aber auch nicht" Entgegnte ich einfach, ohne mir meine Worte zu überlegen.
Ich war wie ein verwundetes Tier, das mit letzter Kraft versuchte, ihre Angreifer zu überwältigen. Egal, wie schmutzig die Tricks waren.
,,Wir haben meinen Tod inszeniert, schon vergessen. Salvatore Montanari existiert schon lang nicht mehr. Ich muss vor nichts mehr wegrennen" Erklärte er mir und versuchte seine Wut runter zu schlucken, trotzdem kam jedes einzelne Wort scharf heraus.
,,Das ist unter deiner Würde, Gaia"
,,Ich weiss''
Er schien so überrascht von meiner Antwort, dass das Leben zurück in seinen Ausdruck kehrte.
Domenico entfernte sich von mir und setzte sich stattdessen auf den Beistelltisch.
,,Warum Gaia, wieso verhälst du dich dann so?" Er zog seinen Augenbrauen zusammen und hielt seine eigenen Hände auf dem Schoß.
Ich wusste, was ich antworten musste, nur schien es mir erbärmlich.
,,Weil du mich in eine Ecke gedrängt hast" Lachte ich beschämt.
,,Entschuldige" Kam dieses Wort sanft von seiner Zunge.
,,Ich möchte dich nur nicht verlieren" Wiederholte Domenico seine Worte von Anfang an noch mal. Nur klangen sie dieses mal nicht so Kühl, oder gefühlslos.
,,Ich weiss. Die Vorstellung dich zu verlieren, würde mich auch in den Wahnsinn treiben"
,,Bist du nicht schon wahnsinnig?" Hörte ich ihn lachen. Schwungvoll hoben sich seine Schultern zusammen mit seinem Brustkorb, als er versuchte zu verstummen.
Sonst hätte ich ihn nie erlaubt, sich über mich lustig zu machen, aber heute fühlte es sich richtig an, einfach drüber mit zu lachen.
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Karma Is A Bitch
Storie d'Amore➵ 𝐆𝐚𝐢𝐚 𝐮𝐧𝐝 𝐀𝐮𝐫𝐨𝐫𝐚 | 𝐌𝐚𝐟𝐢𝐚 𝐑𝐨𝐦𝐚𝐧𝐜𝐞 Gaia ist die älteste Tochter eines Mafiosi. Eigentlich müsste ihr aufgrund des angesehenen Status ihres Vaters, ganz Sizilien - nein, ganz Italien - zu Füßen liegen. Nur leider ist dies, nic...
