Die Bedingungen

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POV. Amara

Das Essen mit meinem Vater ist in Wirklichkeit nicht so schlimm, wie ich es gedacht hatte.
Es ist schlimmer!!!

Missmutig stochere ich in meinen Nudeln herum, während er mich anschaut, als würde er auf eine große Enthüllung meinerseits warten oder so.

„Ich habe mir Gedanken über deinen 20 Geburtstag gemacht Amara."
Fängt er schließlich an und ich greife instinktiv nach meinem Glas Wein, da der Alkohol zuvor nicht einmal annähernd für ein derartiges Gespräch ausgereicht hat.

„Du hast dich in den letzten paar Jahren als erstaunlich gut in vielen Dingen erwiesen und ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass du definitiv meine Nachfolgerin werden sollst."
Fügt er schließlich hinzu und lässt mich fast an meinem Getränk ersticken.

„Wirklich?!" mit großen Augen starre ich ihn an, bevor das Misstrauen schließlich doch die Oberhand gewinnt.
„Wieso werde ich das Gefühl nicht los, dass da gleich ein "Aber" kommt."

„Nicht direkt ein aber, aber du hast Recht. Ich werde dich nicht einfach so in meine Fußstapfen treten lassen."

Die letzte verbleibende Hoffnung erlischt in diesem Moment und ich kann mir ein geseufztes „natürlich" einfach nicht verkneifen. Wenn ich genauer darüber nachdenke, dann war es selbst ziemlich dumm, auch nur einen Moment geglaubt zu haben, dass mein Vater endlich einsieht, dass die Mafia mit mir an der Spitze eine Zukunft hat, da ich nicht nur gut in Kämpfen, Schießereien und Einsätzen bin, sondern auch gut planen, organisieren und verwalten kann.

In den letzten Jahren habe ich mich hart ins Zeug gelegt, um alle Aufgaben und eventuelle Tätigkeiten meines Vaters zu studieren und mir selbst anzueignen, doch offensichtlich ich das nicht genug.

„Was muss denn passieren, damit ich dich ablösen kann?" Ich versuche den abfälligen Tonfall nicht unbedingt zu verbergen und ernte mir sofort einen warnenden Blick meines Vaters.

„Amara achte auf deinen Ton. Ich bin immer noch dein Vater."
Ermahnt er mich und da ich mit Zurechtweisungen genauso gut umgehen kann, wie mit bescheuerten Bedingungen, beiße ich meine Zähne zusammen und nicke nur.

Der Abend ist doch einfach nur bescheuert....

„Ich habe entschlossen, dass ich anlässlich deines 20 Geburtstages einen Ball veranstalten werde, an dem ich dich offiziell als meine Tochter in die Gesellschaft einführen werde."

Ok das ist nicht so übel wie gedacht....
Ich hielt zwar noch nie besonders viel von Bällen, nicht dass ich schon auf vielen war, doch da es ja immerhin mein Geburtstag ist und ich die Leute kennenlernen muss, die spätere potentiellen Feinde oder Verbündete sind, ist es garnicht so schlecht.

„Hab ich nichts dagegen." antworte ich also und ich merke, wie mein Körper sich etwas entspannt.
Wenn ich ehrlich bin, dann hatte ich etwas schlimmeres erwartet.

„An diesem Ball wirst du dir einen Mann aussuchen."

„WAS?!?!"

..... ok dass ist sehr sehr schlimm!

Geschockt sehe ich meinen Vater an und kralle meine Hände in die Stuhllehne.

„Ich werde schon in zwei Monaten 20!"
Fahre ich fort, da er sich weiterhin unbeeindruckt zeigt.

„Das ist mir wohl bewusst Amara.
Dieser Entschluss steht jedoch fest. Wenn du dir keinen aussuchst, dann werde ich es tun.
Du brauchst einen starken einflussreichen Mann, der Respekt und Ansehen in die Verbindung mitbringt. Einen den die Leute kennen und fürchten."

„Ich brauche aber keinen Mann! Das kannst du nicht einfach so entscheiden und zu deiner Bedingung machen !!!"
Es fühlt sich wie ein Albtraum an, der einfach nicht vorbei gehen will.

„Und ob ich das kann." Nun nimmt auch er einen Schluck aus seinem Weinglas, bevor er sich räuspert und weiterspricht.
„Auf diesem Ball werden viele dieser Männer sein und du wirst die Möglichkeit haben, um selbst zu wählen.
Ob du es glaubst oder nicht, nicht viele Eltern erlauben ihren Töchtern zu wählen."

Ungläubig sehe ich ihn an. Versucht er sich gerade selbst als eine Art Ritter in glänzender Rüstung dastehen zu lassen, der gerade etwas sehr selbstloses und mitfühlendes getan hat?!
Sein zufriedener Blick zeigt nämlich genau das.

„Die meisten Eltern versuchen wahrscheinlich auch nicht ihr Kind mit 18 schon zu verheiraten!"
Argumentiere ich, doch stoße nur auf taube Ohren.

„Diese Entscheidung steht fest Amara. Ich werde daran auch nichts mehr ändern, also finde dich damit ab und sehe dir den Ordner an, den ich in dein Zimmer gelegt habe.
Darin befinden sich alle eingeladenen potentiellen Ehemänner und einen Lebenslauf inklusive geschätzten Vermögen und Ruf.
Das sollte dir schon einmal einen Vorgeschmack geben.
Jedoch sind das noch nicht alle, da ich noch ein paar weitere einladen werde, aber es sind die meisten."

Mein Mund ist während seines Vortrages aufgeklappt und fühlt sich ganz trocken an. Das kann doch nur ein schlechter Scherz sein....

Benommen schiebe ich den halb aufgegessenen Teller mit Nudeln von mir und erhebe mich langsam.
Es fühlt sich an, als würde mein Körper mir nicht mehr gehören und völlig eigenständig agieren, doch ich schaffe es schließlich doch, mich noch einmal an meinen Vater zu wenden.

„Mir ist der Appetit vergangen. Ich werde jetzt schlafen gehen. Gute Nacht Vater."

„Gute Nacht und denk daran dir den Ordner anzusehen."

Ich erwiderte nichts mehr. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das wegen meinem Vater, oder wegen mir tue, doch ich gehe nur stumm zur Tür und gehe auf direkten Weg in mein Zimmer.
Auf dem Weg dorthin treffe ich zum Glück fast niemanden. Hin und wieder grüßt mich ein Wachmann, der gerade auf Patrouille ist, doch sonst sind die Gänge leer.
Wenigstens etwas an diesem bescheuerten Abend....

Als ich schließlich mein Zimmer erreiche wandert mein Blick sofort zu meinem Bett, auf dass ich mich am liebsten schmeißen und danach nie wieder verlassen würde, doch es ist bereits zur Hälfte besetzt.

Mein Dobermannrüde Blaze hat es sich auf der einen Seite des Bettes Gemütlich gemacht und seine Nase in meinem Kissen vergraben. Sobald er mich jedoch wahrnimmt schreckt er sofort aus seinem Gedöse und hebt aufmerksam seinen Kopf.
Ich habe ihn vor fast drei Jahren zu meinen 15 bekommen und er ist seitdem mein bester Freund.
Er verurteil mich nicht, hört immer zu und beschwert mich nie.
Zwar schnarcht er in der Nacht und seitdem ich ihn damals als Welpe erlaubt habe in meinem Bett zu schlafen weigert er sich seinen Platz wieder zu verlassen.
Eigentlich ist es ja nicht unbedingt schlimm, doch da er fast 3/4 des Bettes einnimmt, wenn er sich wälzt und ausbreitet, bekomme ich ab und zu etwas Platzangst...

„Na Kumpel" begrüße ich ihn matt und schließe die Tür hinter mir, während ich mit der anderen Hand den mich begrüßenden Blaze streichle, der sich nun doch dafür entschieden hat, dass er seinen Platz für ein paar Sekunden verlassen kann.

„Du würdest deine Welpen wahrscheinlich nie gegen ihren Willen verheiraten oder?"

Glücklich schaut er mich aus seinen treuen braunen Augen an und obwohl er mir nicht antwortet und mich mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit nicht verstanden hat, fühle ich mich dennoch etwas besser.
Bei weitem nicht gut, aber besser.

„Das habe ich mir schon gedacht. Du würdest so etwas niemals tun, wenn du Vater wärst. Du würdest sie ihre eigenen Entscheidungen machen lassen und sie unterstützen nicht?"
Führe ich dennoch diese höchst einseitige Unterhaltung fort und setze mich zusammen mit ihm aufs Bett, wobei ich den übergroßen und randvoll gefüllten Ordner, der ebenfalls auf meinem Bett lag heruntertrete.
Aus dem Auge aus dem Sinn oder wie das so schön heißt....

Born to kill youGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt