Abschiedsgeschenk

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POV. Amara

Langsam drehe ich meinen Kopf von dem blonden Typen weg und wende mich Luciano zu, der sich neben mich auf den Hocker fallen lässt.
Zuvor war dieser noch von jemand anderen besetzt, doch der muss anscheinend die Flucht ergriffen haben.

Luciano ist komplett in schwarz gekleidet, wobei die Ärmel an seinen Armen hochgekrempelt sind und seine Tatoos zum Teil freilegen.
An seinem Armgelenk glitzert eine teure Armbanduhr und sein braunes Haar bist perfekt gestylt.
Aus dem Augenwinkel erkenne ich die vielen neugierigen Augenpaare, die auf uns gerichtet sind, doch ich bin zu beschäftigt Luciano wütend anzufunkeln.

„Ich muss sagen, du hast mich mit deinem Besuch überrascht, doch dann dachte ich mir, dass du vermutlich nur sehen möchtest, wo dein Team nach und nach umgebracht wurde oder um endlich zuzugeben, dass ich recht hatte und du gekommen bist um zu betteln." ein Grinsen breitet sich auf seinem Gesicht aus, da er anscheinend die aufkeimende Wut meinerseits spürt.
„Ich kann dir versichern, dass es nichts schöneres gab, als sie betteln zu hören." stichelt er weiter und greift nach dem Glas, welches ich immer noch nicht angerührt habe.

„Das macht dir doch nichts aus oder?" er wartet meine Antwort erst garnicht ab, sondern trinkt bereits einen Schluck, während seine Augen überlegen funkeln.

„Klar nimm nur. Könnte nur sein, dass es vergiftet oder mit irgendwelchen Drogen zersetzt ist, da ich dem Typen mit seinem Tod gedroht habe, der mir das hier spendiert hat."
Antworte ich schließlich trocken und grinse ihn ebenfalls an.

„Verstehe." Er macht keinen besorgten Eindruck, doch das Glas stellt er dennoch wieder zurück.
„Komm mit."

Verwirrt schaue ich ihn an, während er aufsteht und mich auffordernd ansieht.
„Wohin?"

„Da ich bezweifle, dass du wegen der guten Atmosphäre oder dem Alkohol hier bist, nehme ich an, dass es ums Geschäft geht und das bespricht man am besten in einem Büro."
Hilft er mir auf die Sprünge und setzt sich bereits in Bewegung.
Wie ich es hasse, dass er immer so tut, als müsste jeder ihm gehorchen....

„Ich komme mit, weil ich es so will und nicht weil du es gesagt hast." beleidigt recke ich mein Kinn in die Luft und laufe neben ihm her.

„Sicher doch. Du wolltest bestimmt zufälligerweise im gleichen Moment dasselbe vorschlagen und ich kam dir nur zuvor."

„Das wollte ich." mir ist bewusst, dass er es ironisch meinte, da sein Tonfall diesbezüglich wenig Raum für Interpretation ließ, doch ich gehe nicht weiter darauf ein.
„Lass dir nur eins gesagt sein. Ich werde nicht wieder auf einen deiner dreckigen Tricks reinfallen, also versuche es erst garnicht."

Inzwischen haben wir die Treppe erreicht und die Leute werden immer weniger, desto weiter wir zu Lucianos Büro kommen."
„Ich weiß nicht was du meinst. Ich spiele fair. Du meine Liebe hast dich einfach nur mit einer Person angelegt, die eine Hausnummer zu groß für dich ist."

Ich will gerade etwas erwidern, als Luciano plötzlich so abrupt stehen bleibt, dass ich fast gegen ihn gerannt wäre. Ich komme gerade noch rechtzeitig zum stehen, was auf den Absätzen nicht besonders leicht ist, während Luciano einen Code auf einer Schaltflächen neben der Tür eintippt und sich nach etlichen Sicherheitsmaßnahmen, wie Fingerabdruck und Gesichtserkennung endlich die Tür öffnet.

Zum Vorschein kommt ein großes Büro, welches in Gold und Schwarztönen gehalten ist. Ein großer Schreibtisch, mehrere Ledersessel und Sofas sind im Raum verteilt, während sich ein Ofen, mehrere Bücherregale und ein Fernseher an den Wände befinden.

Generell ist es sehr düster gehalten, was mich zum Schmunzeln bringt.
„Was ist?" natürlich hat Luciano es sofort bemerkt und schaut mich forschend an, bevor er eintritt und geradewegs zu einer kleinen Minibar geht, um sich ein Glas Alkohol einzuschütten.

„Ach nichts.... Bin nur beeindruckt, wie gut dieser Raum deine Seele widerspiegelt."
Ich trete ebenfalls ein und lasse mich ohne zu fragen auf eines der Sofas fallen, während ich mich weiter prüfend umschaue.
Wir beide sind alleine und ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob das gut oder schlecht ist.

„Elegant, stilvoll, luxuriös und ruhig?" zählt er ein paar Adjektive auf und lässt sich gegenüber von mir auf ein weiteres Sofa fallen.

„Ich hätte eher an düster gedacht."
Ich warte seine Erwiderung gar nicht erst ab und gehe ebenfalls zur Bar, wo ich mir etwas, das wie Gin aussieht in ein Glas fülle. Lucianos kühler Blick bohrt sich währenddessen in meinen Rücken, doch das ist mir egal.
Er hat mir nichts angeboten, also muss ich mich je wohl selbstständig bedienen können.

„Warum bist du hier, wenn du nicht um Gnade betteln willst?" seine Stimme ist kühl, aber kein bisschen neugierig. Wir beide wissen, was der Grund meines Besuches ist und das seine Augen überlegen funkeln beweist dies nur umso mehr.
„Ich habe wohl keine andere Wahl, wenn du mir meine Leute tötest und entführst."
Ich stelle die Flasche wieder zurück und gehe mit meinem Drink in der Hand zurück zu meinem Platz. Meine Miene und auch meine Stimme lasse ich dabei gefühllos und monoton.
Solange er Will hat, soll er wenigstens nicht noch eine Bestätigung von mir bekommen, dass Will sehr wichtig ist und Lucianos Fragen auch ohne Probleme beantworten könnte.

„Dabei dachte ich, dass ich etwas derartiges angekündigt hatte, doch das hast du anscheinend nicht ernst genommen, denn sonst wärst du nicht durch die Straßen gewandert, um meine Leute abzuschlachten nicht? War dass nicht selbst auch der Grund für den Besuch deiner Leute in meinem Club?"

Ich lasse ihn nicht aus den Augen, während ich einen Schluck meines Getränks nehme.
„Kann sein, doch ich habe keinen entführt."

„Ach hierum geht es also. Du willst deinen süßen Freund wieder haben." seine Lippen verziehen sich zu einem teuflischen Grinsen, während er sein Glas in der Hand Schwingt.
„War er dir etwa wichtig?"

„Das habe ich nie gesagt. Ich war mir nur nicht im Klaren, dass wir die Spielregeln geändert habe."
Ich bin mir ziemlich sicher, dass er bereits weiß wie wichtig Will ist, doch ich versuche dennoch nicht allzu offensichtlich zu sein.

„Na dann ist ja gut, dass ich mich nicht an Regeln halte." er steht auf und geht zu seinem Schreibtisch, während er weiterspricht.
„Ich bin noch nicht ganz sicher, was ich lieber machen möchte. Entweder sage ich dir nichts über seinen Zustand und du musst dir selbst ausmahlen, wie sehr er leidet oder ob er überhaupt noch am leben ist, oder ich schicke ihn dir in Einzelheiten zu. Was würde dich wohl verrückter machen hm?"
Er lehnt sich an die Tischplatte und verschränkt die Arme vor seiner Brust, während er mich prüfend mustert.

„Mach was du willst, aber erwarte nicht, dass ich einfach klein beigeben werde." Nun erhebe auch ich mich und steuere die Tür an.

„Dir ist bewusst, dass dieses Gebäude mit meinen Leuten überflutet ist, die dich jederzeit überrumpeln könnten oder?"

„Das ist mir bewusst. Ich würde dir aber raten sie nicht auf mich anzusetzen, sonst verwandele ich diesen Schuppen in ein Blutbad. Ich hoffe das ist dir bewusst Luciano." ich wende mich wieder zur Tür welche sich bereits öffnet, doch Luciano lässt mich innehalten.
„Ich werde dein Leben in einen wahrgewordenen Alptraum verwandeln, darauf gebe ich dir mein Wort."

Ich erwiderte nichts mehr, sondern verlasse sein Zimmer einfach, ohne ihn noch eines Blickes zu würdigen.

Tatsächlich lassen mich seine Leute den Club durchqueren und verlassen, ohne dass sie mich versuchen zu töten und als ich endlich an die frische Luft trete bin ich genauso weit wie zuvor. Wie ich ihn doch hasse....

Mit vor der Brust verschränkten Armen gehe ich zu dem Wagen, welcher ziemlich abseits steht und genauso aussieht wie zuvor. Abgesehen von der Leiche des blonden Typen aus dem Club, welche die glänzende Motorhaube mit ihren ganzen Blut komplett verschmiert und einem kleinen Zettel den mir der Fahrer reicht, mit den Worten: "Ich hoffe dir gefällt das Abschiedsgeschenk. Beim nächsten Mal ist es vielleicht Will."

Missmutig beiße ich die Zähne zusammen, überbrücke die letzten Meter zwischen mir und dem Auto, während der Fahrer angeekelt die Leiche an ihrem Shirt von dem Wagen zieht, bevor er mir die Tür aufhält und wir losfahren.
Um die Leiche kann Luciano sich schön selbst kümmern.

Born to kill youGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt