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Ganz langsam fuhr Tonys Hand über Steves Schulter nach unten über dessen Bizeps und schließlich zu dessen Hand, bis sich die Finger erneut verschränkten.
"Ich war so dumm, Steve."
"Wir beide haben Fehler gemacht. Ich wünschte, ich könnte die letzten zwei Jahre ungeschehen machen."
"Wenn Strange mir den Zeitstein geben würde, ich würde einige Jahre zurück drehen. Glaub mir das. Aber so wie ich das sehe, zu revidierten Fehlern kämen dann noch einige neue hinzu. Scheint wie ein roter Faden in meinem Leben zu sein."
Ein nachdenklich Zug, der wie ein dunkler Schatten über Steves Gesicht huschte, ließ Tony aufblicken. Das Blau in den eben noch so warmen, liebevollen Augen war härter geworden, wie ein Spiegel in Steves Seele.
"Einen Penny für deine Gedanken, Cap."
"Die willst du nicht wissen, Tony. Glaub es mir."
"Warum? Denkst du, sie wären dunkler als meine? Ich glaube nicht, dass da auch nur ein mörderischer Gedanke in diesem Hirn lauert."
"Dann behalte diesen Glauben, Tony."

Steves Tonfall hatte sich komplett verändert. Als hätte der Gedanke, der da eben in seinem Verstand gewesen war, ihn traurig gemacht.
"Steve, jeder von uns hat seine Dämonen. Das ist es, was uns zu dem macht, was wir sind. Wir sind keine Heiligen und genau das ist es, was die Erde in diesem Kampf braucht. Was wir brauchen."
Ein kurzes Zusammenziehen ließ die blauen Augen schmal werden, bevor sie unter einem langen, tiefen Atemzug des Blonden wieder ruhiger und weich wurden.
"Du hast damals, vor Clints Hütte, zu mir gesagt, du traust niemandem ohne dunkle Seite."
"Ja, und du hast mir versprochen, dass ich sie bloß noch nicht gesehen hab."
Ein leises Lachen aus Steves Kehle ließ sich Tony schnurrend in die Kissen zurücklehnen.
"Nur du bist in der Lage, aus dieser offensichtlichen Drohung von damals ein Versprechen zu machen."
"Ach, das sollte ‘ne Drohung sein? Ich war nicht eingeschüchtert", gab der Milliardär selbstbewusst zurück, worauf Steve, noch immer glucksend kommentierte: "Hab ich gemerkt."

Wieder fanden sich ihre Augen und für einen langen Moment sagte keiner ein Wort. Nur ihre Finger spielten zärtlich miteinander.
"Damals, in der Hütte...", begann Tony leise, fast nachdenklich. Als würde er vor sich hin sinnieren. "Du warst so still, als Clint uns den Raum zugeteilt hat, in dem nur das große Bett frei war."
"Ich hatte Angst."
"Angst?!"
Wirklich überrascht zogen sich alle Falten auf Tonys Stirn zusammen.
"Captain America hatte Angst? Wovor? Etwa mit mir in diesem Bett zu schlafen?"
"Nicht Captain America hatte Angst." Steve wich seinem Gegenübers zunächst aus, nur um schließlich den bohrenden, fragenden Blick ruhig zu erwidern.
"Heißt das...?"
"Tony..."
"Steve, sag es mir. Ich muss das wissen! Heißt das, was ich denke, dass es heißt?"
"Ich hab keine Ahnung, was du denkst, Tony, aber..." Er schluckte, als seine Kehle plötzlich sehr trocken und eng geworden war. Schloss kurz die Augen und entschied, dass es vielleicht doch endlich Zeit war, reinen Tisch zu machen.

"Ich hatte Angst, dass... dass ich mich vielleicht nicht vollends körperlich unter Kontrolle haben würde, wenn... wenn wir nebeneinander in diesem Bett gelegen hätten."
"Du hattest Angst, ‘nen Ständer zu bekommen, wenn du es getan hättest?"
Die staubtrockene und fast schon anzügliche Art, mit der Tony das Offensichtliche aussprach, ließ Steve in einer genervten Geste die Augen verdrehen, bevor er schnaubte und die Hand wegzog, die Tony bis eben gehalten hatte.
"Moment, warte heißt das...?"
"Ja ,verdammt. Ich empfinde schon eine ganze Weile mehr für dich, als bloß Freundschaft oder Kameradschaft oder... Was weiß ich, wie du das... Wie du das nennst. Zufrieden?"

Plötzlich verflog der spielerische und neckende Zug um Tonys  Mundwinkel und der Schwarzhaarige wurde sehr ernst, als er erneut die Finger griff, die ihn bis eben so zärtlich liebkost hatten.
"Nein, Steve. Es zeigt nur, wie blöd ich wirklich gewesen bin. Wie blind und..."
Die braunen Augen fanden ihre blauen Gegenstücke. Der verletzte, scheue Schatten daraus verschwand und wurde zu bloßer Erkenntnis, in dem Moment, wo sich ihre Blicke trafen.
"Es hätte alles so einfach sein können. So..."
Ohne ein weiteres Wort, zog Steve den nun zitierenden Mann an sich. Ganz sanft hielt er ihn in seinen Armen. Flüsterte kleine Zärtlichkeiten und leise Schwüre in dessen Ohr, bevor er begann sie mit seinen Lippen zu besiegeln.

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