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Ganz langsam fuhr Steve mit seinen Finger über Tonys Hals, strich zu dessen Schulter und glitt über das langärmelige Shirt hinunter bis zu den Fingern. Als seine Fingerspitzen den Saum des Stoffes berührten, hielt Tony ihn auf und schüttelte den Kopf.
"Ich..."
"Wie glaubst du, reagiere ich, wenn ich deinen Körper sehe?", fragte der Soldat sanft und suchte erneut die braunen Augen vor sich, die einen  verletzlichen Schimmer angenommen hatten. Steve gewann den Eindruck, es könnten sich jeden Moment Tränen aus ihren Lidern lösen.
"Ich kann von jedem einen angeekelten Blick ertragen, aber nicht von dir."
"Wieso denkst du, ich würde etwas anderes sehen, als den Mann, den ich liebe? Jede einzelne Narbe auf deinem Körper ist ein Zeichen dafür, dass du überlebt hast, Tony. Sie ist Beweis dafür, dass du nicht aufgibst und dass du... eben du bist."

Auch das deutlich hörbare Schlucken verschaffte der trockenen Kehle des Milliardärs keine Linderung, als er die Augen zusammenpresste und den Kopf sinken lassen wollte. Doch weiter als ein paar Zentimeter kam er nicht. Steves Finger schoben sich sachte unter Tonys Kinn, hoben dessen Kopf wieder an und suchten seinen Blick.
Ganz sanft legte Steve seine Lippen auf die des zitternden Mannes vor sich, hielt ihn mit seinen Armen aufrecht, während ihre Küsse immer inniger wurden.
So sehr er sich ein breites, weiches Bett wünschte, um Tony nun endlich von seinem fatalen Irrtum wegzuführen, er hatte lediglich das alte Schlafsofa in der Ecke der Werkstatt, das Tony schon so viele Jahre besaß, aber nie loswerden wollte.
Er führte ihn dorthin, ließ ihn in seinen Armen vorsichtig auf die deutlich ausgelegenen, aber sehr bequemen Kissen sinken und krabbelte über ihn. Friday schloss die Glasfenster mit einem undurchsichtigen Metallrahmen, und verriegelte die Tür. Gab den beiden die Privatsphäre, die so sehr vermisst hatten.

Immer wieder fuhr der Soldat mit seinen Lippen über Tonys Hals. Liebkoste das Schlüsselbein, das unter dem T-Shirt herausschaute und arbeitete sich an der anderen Seite wieder zurück nach oben. Seine Finger strichen über Tonys Arm, massierten die Schulter und glitten schließlich an dem Arm entlang nach unten.
Ihre Finger verschränkten sich kurz, dann öffnete Tony die Augen und schüttelte kurz den Kopf. Er zitterte am ganzen Körper, so sehr fürchtete er sich vor Steves Reaktion und der Möglichkeit, dass dieser in der nächsten Sekunde erneut aus seinem Leben gerissen werden könnte. Die Steine waren noch existent. Ihre Macht noch immer präsent. Was, wenn...

"Sieh mich an", bat der Soldat leise, worauf Tony die Augen erst zukniff und sie dann langsam öffnete.
"Ich bin hier. Ich bleibe hier. Solange du willst."
"Was, wenn..."
Ein Finger auf Tonys Lippen und die warmen, blauen Augen über ihm ließen ihn verstummen.
"Egal was passiert. Ich bin hier, oder ich komme zurück zu dir."
"Das kannst du nicht versprechen."
"Ich kann es", versichernd, küsste Steve sich über den Stoff des Shirts und glitt tiefer. Der hektische Atem des Milliardärs wurde noch schneller und ging schließlich in ein Keuchen über, als Steve den kleinen Bereich unterhalb des Bauchnabels küsste, den das Shirt freigegeben hatte.
Hin- und hergerissen zwischen der Angst, Steves Blick zu begegnen und zu sehen, wie dieser sich von ihm abwandte, und seiner eigenen aufsteigenden Lust, presste Tony die Augen zu, als Steve mit zärtlichen Fingern begann den Stoff beiseite zu schieben.

Jeder einzelne Striemen schien unter seinen Fingerspitzen zu glühen, als er darüber fuhr. Sie veränderten ihre Farbe, schimmerten in einer Mischung aus rot, violett und blau und schienen ein regelrechtes Eigenleben zu haben, wenn er sie mit seinen Lippen berührte.
Fasziniert glitt Steve über jeden einzelnen, ließ sie unter seinen Lippen tanzen und sorgte so dafür, dass Tony zuerst entsetzt, dann immer erregter zu seufzen begann.
Bald war der Stoff von Tonys Körper herunter geschält und er lag in seiner ganzen, faszinierenden Pracht unter Steves Körper. Der Soldat hatte sich auf seine Unterschenkel gesetzt und betrachtete fasziniert das Farbenspiel.

"Wunderschön..."
"Du musst das nicht sagen..."
"Es ist die Wahrheit!"
"Wie kannst du das schön finden? Ich könnte beim Anblick in den Spiegel jedes Mal kotzen!"
"Du siehst es aus der falschen Perspektive", erklärte Steve und strich erneut über die Striemen. "Für mich sind sie wunderschön. Denn sie bedeuten, dass du lebst. Sie sind ein sichtbares Zeichen für das, was du getan hast. Du hast mich, Clint, Sam, Bucky und alle Opfer von Thanos zurückgebracht. Du hast überlebt, Tony. Und diese Narben sind ein Zeichen dafür."
Die braunen Augen suchten etwas in Steves Blick, das sie offensichtlich nicht fanden.
Für einen langen Moment starrte Tony den Mann über sich einfach nur fassungslos an, dann seufzte er und schloss die Augen. Dieses Mal nicht panisch oder erschrocken.
Pures, nicht vorspielbare Erleichterung erfasste seinen ganzen Körper, verstärkte das Zittern und sorgte dafür, dass sich nun wirklich zwei Tränen aus Tonys Augenwinkeln lösten.
Niemals, absolut niemals hätte er erwartet, dass Steve ihn noch einmal so ansehen würde. So... voller Liebe und so voller Verlangen. Für jemanden wie Tony war es schlichtweg nicht begreiflich, dass dieser Mann ihn wirklich ohne Bedingungen, ohne Vorbehalte liebte. Dass ihn irgendwer so lieben konnte...

Das Sofa gab einen Protestquitscher von sich, als Steve nun auch Tonys letzte Stoffstücke zu Boden schickte und sich schließlich, ebenfalls unbekleidet, zu ihm legte.
Ihre Küsse wurden hungriger, jedoch nie hektisch. Sie ließen sich Zeit, gaben sich wortlos liebevolle kleine Versprechen, bis Steve Tony auf sich zog und dieser ihn überrascht ansah.
"Was..."
"Ich will, dass du mich ansiehst."
"Das tue ich immer. Selbst wenn du es nicht merkst."
Das leicht freche Schmunzeln war auf Tonys Lippen zurückgekehrt. Das Lächeln, das Steve von Anfang an für diesen Mann eingenommen hatte.
"Ich merke es immer, weißt du? Hier..." Er nahm Tonys Hand, legte sie auf sein Herz und fuhr beide Arme entlang nach oben zu dessen Gesicht.

Erneut fanden sich ihre Lippen, bevor Tony innehielt und Steve direkt in die Augen sah.
"Greif mal unter das Sofa, bitte."
Ohne den Blick von Tonys Augen zu nehmen, langte er in den kleinen Spalt unter dem Sofa und fand dort eine kleine Flasche. Ein kleiner Teil seines Hirns fragte sich, was die dort machte, doch der Rest beschloss schnell, dass er das gar nicht so genau wissen wollte.
Er reichte dem Dunkelhaarigen das Gleitgel und schloss seufzend die Augen, als dieser begann seinen Schaft damit einzureiben.
"Bereit?"
"Bereit, wenn Sie es sind, Captain", summend, ließ sich Tony langsam auf den hoch erregten Schaft herunter und entlockte damit beiden ein fast schon erleichtertes Seufzen.
Eins... Endlich wieder eins.
"Ich lass dich eventuell nie wieder gehen, damit das geklärt ist, Rogers."
"Keine Einwände dagegen, Stark. Absolut keine Einwände...", seufzend wurde rationales Denken zuerst schwer, und bald schier unmöglich. Alles was zählte, war das Hier und Jetzt, und dass sie sich endlich erneut gefunden hatten.

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