11 Kapitel: ... Ich habe keine Ahnung, aber tu es!

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›Sorry wegen gestern. Wollte dich nicht überfallen, wie geht's dir?‹ Schon seit geraumer Zeit starrte ich auf die SMS von Yvi. Und nun?

Ich tippte ein ›Mir geht's gut‹, schaute mir meine Nachricht einige Sekunden unsicher an und löschte die paar Buchstaben dann schnell wieder. Ich überlegte hin und her und schrieb ›Schon okay, bin gerade in‹ und löschte auch das wieder.

Ich legte das Handy seufzend auf die Seite und fuhr mir einige Male wild durchs Haar. Wem machte ich hier eigentlich was vor? Alles war beim Alten geblieben. Selbst wenn ich wollte, ich wusste gar nicht, wo ich anfangen sollte mich zu ändern. Das war ich einfach nicht! Ich fühlte mich so hilflos.

Ablenkung! Das brauchte ich mehr als alles andere. Dieses pausenlose Kopfzerbrechen würde mir sonst noch den Verstand rauben. 

Ich loggte mich in den Computer der Videothek ein und checkte meine Mails. Nichts Neues außer Spam und einigen uninteressanten Newslettern. Also ging auf meine Lieblings-Sudoku-Seite und knobelte einige Minuten. Als ich allerdings bei einem Feld nicht weiterkam, schloss ich das Browserfenster ganz. Ich war nicht konzentriert genug und das nervte mich. 

In letzter Zeit hatte ich es mir zur Gewohnheit gemacht, öfter mal Stellenanzeigen durchzuklicken. Einfach ein paar Jobportale besuchen, in der Hoffnung auf etwas zu stoßen, was mir gefallen könnte. Leider konnte wenig mein Interesse wecken. Ich hatte immer noch keinen blassen Schimmer, was ich mit meiner Zukunft anfangen wollte. Studieren? Oder doch eine Ausbildung? Bürojob mit Hosenanzug und festen Arbeitszeiten oder doch weiter jobben? Ich konnte doch nicht ewig so herumlungern. Aber was war die Alternative?

Die Türklingel läutete. Ich schloss alle geöffneten Fenster auf meinem Bildschirm und schaute zum Eingang.

»Hey Hell, was gibt's?« Marie kam zum Tresen gelaufen und lehnte sich zu mir hinüber. »Hier, für dich.« Sie reichte mir eine fettige Papiertüte. »Schau nicht so, iss!« Wie immer hatte Marie Angst, dass ich vom Fleisch fiel oder verhungerte. Unnötig. Aber ich wusste ja, dass Widerworte keinen Sinn hatten. Also packte ich das Pizzateilchen aus und biss hinein. Erst da bemerkte ich, dass ich wirklich Hunger hatte.

»Danke«, nuschelte ich mit vollem Mund und pflügte mir einen Käsefaden mit der Zunge vom Mundwinkel.

»Während du kaust, kann ich dir ja was erzählen. Was richtig Interessantes!« Sie lachte und ich schaute sie gespannt und mit großen Augen an. »Jetzt pass auf, gestern kam Yvonne nach der Zumba-Stunde zu mir. Rate mal warum.« Ich biss ein weiteres mal in das fettige Stück Salamipizza und zuckte mit den Schultern. Kein Plan. Ich war doch keine Hellseherin. »Sie hat mich doch tatsächlich gefragt, ob ich mal Zeit für nen Kaffee hätte. Boar ... Du hättest mal schauen sollen, wie die Neon-Girls geguckt haben.« 

Marie grunzte vor Lachen und schlug sich einige Male amüsiert aufs Knie. Meine Laune hingegen war auf dem Tiefpunkt. Ich legte mein restliches Essen zurück auf den Tresen und verzog angewidert meinen Mund. Der Appetit war mir vergangen. So schnell wurde man also ausrangiert und ersetzt. Kurz zuvor stand sie noch vor meiner Haustür und laberte was von wegen »Ich solle fair zu ihr sein«. Pah! Wie konnte man nur so falsch sein?

»Ich hab mich auch gewundert, weil immerhin ist sie doch mit dir momentan recht gut befreundet ... was denkst du, was dahinter steckt?«, fragte Marie ehrlich interessiert. 

Hatte ich ihr wirklich geglaubt? Hatte ich wirklich auch nur für eine Sekunde so etwas wie Hoffnung empfunden? Hoffnung auf was? Warum war ich nur so enttäuscht? Hatte ich wirklich ganz tief in meinem Inneren gedacht, dass Yvi Interesse an mir haben könnte? An mir? Hell, dem Freak aus der Hölle.

»Hell? Hast du eine Ahnung, was dahintersteckt?«

»Was weiß ich, vielleicht ist sie scharf auf dich ...«

»Was?« Marie lachte. »Wie kommst du denn auf so was?«

»So abwegig ist das nun auch nicht. Könnte doch sein.«

»Ich finde das schon mehr als unwahrscheinlich.«

»Ja. Ziemlich unwahrscheinlich ...« Es war von Anfang an total unwahrscheinlich gewesen. Alles! Warum? Warum sollte sie? Wie konnte ich? Absurd. Alles war so dermaßen sinnlos.

»Hell? Warum will sich Yvonne mit mir treffen?«

»Ich habe keine Ahnung, aber tu es! Triff dich mit ihr und erzähl mir danach alles haargenau, damit ich es gegen sie verwenden kann!«

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Yvi das Luder!

Aber wenn ich Hell wäre, ich würde mich auch ärgern. Niemand möchte einfach ausgetauscht werden. Das ist kränkend. :-(

Was ist eure Meinung dazu?

Nächste Woche gehts weiter! ;-) Bis dahin: Have Fun!

Eure Katharina

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