18 Kapitel: ... Erzähl mir was Neues

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Heute war ein Marie-Abend angesagt. Wurde mal wieder Zeit. Kein unentwegtes Kopfzerbrechen über Sie, Beziehungen im Allgemeinen, Gefühle, Liebe und den ganzen Schmu. Nix da. Einfach abschalten und einige Stunden ohne Bauchschmerzen verbringen. Darauf freute ich mich am meisten. Ruhe und Ablenkung. Ich war ja eh nicht gerade eine entspannte Person, aber seit Yvi in mein Leben getreten war, hatte sich das noch verschlimmert. Ein gespannter Flitzebogen war nichts im Vergleich zu mir und das tat mir nicht gut. 

Wir zogen um die Häuser und in der ersten Kneipe bestellte ich Longdrinks für uns beide, während Marie zwei Euro in eine Jukebox warf. Das waren immerhin sieben Lieder. Also circa 20 bis 25 Minuten gute Musik und Zeit für unsere Getränke. Dann würden wir weiterziehen. So eine Kneipentour hatten wir schon lange nicht mehr gemacht. Dabei war das mit Marie wirklich unglaublich spaßig. Meistens artete es spätestens nach der vierten Kneipe aus und nach der sechsten gaben wir auf und ließen uns erschöpft in das nächste Taxi fallen. Zwar müde und blau, aber auch lachend und glücklich.

Schon während ich in diesem Irish Pub an der Bar auf unsere Getränke wartete, klingelte mein Handy. Ich linste kurz auf das Display und vergrub das wild vibrierende Etwas dann gleich wieder ganz tief in meiner Tasche. Auch wenn es sich böse anhörte: Auf Yvi hatte ich jetzt einfach keine Lust. Was sollte ich ihr denn sagen? Ich war mir doch selbst noch gar nicht richtig sicher was ich wollte. Sie setzte mich zu sehr unter Druck. Dabei machte ich mich auch schon ohne ihre Anrufe verrückt. So würde ich nie abschalten können, immer mit Yvi im Hinterkopf. Selbst wenn sie nicht dabei war, war sie immer da. Ich wollte das einfach nicht mehr. Wenigstens ein paar Stunden Ruhe sollten mir doch vergönnt sein.

Marie und ich tranken unsere Havana-Cola und ich erzählte ihr von dem Anruf und davon, dass ich mir darüber heute keine Gedanken machen wollte. Marie behauptete daraufhin tatsächlich steif und fest, dass ich doch nur so verwirrt sei, weil ich im Begriff war, mich ernsthaft in Yvi zu verlieben. Aber jetzt mal im Ernst: Fühlte sich das so an? Das war ja schrecklich! Wenn sich verliebt sein so anfühlen sollte, konnte ich gut und gerne darauf verzichten. Immer Bauchschmerzen, Herzrasen, Schlaflosigkeit, Nervosität, Übelkeit und das selbst bei Abwesenheit der Person. Noch schlimmer war das Ganze ja, wenn Yvi da war. Gesund war das garantiert nicht.

»Verdammt noch mal, geh jetzt endlich an dein Handy! Es vibriert schon wieder. Ich spür es doch genau«, motzte Marie neben mir und ließ ihr Glas schwungvoll auf die Theke knallen.

»Lieber nicht.«

»Wie du meinst ...« Sie schenkte mir einen mitleidigen Blick, auf den ich im Übrigen auch gerne verzichtet hätte.

Ich würde Yvi später zurückrufen, immerhin war das ja auch ein Marie-Abend. Der galt ihr. Da würde ich mich jetzt nicht ablenken lassen. Außerdem war ich schon ziemlich angeschickert. Da sollte man das Telefonieren oder Nachrichten schreiben eh besser lassen. Da würden mir doch eh nur seltsame oder peinliche Dinge herausrutschen, die ich morgen früh bereuen würde. Betrunkene und Kinder sprachen immer die Wahrheit. Nicht auszudenken, was ich am Ende noch von mir geben würde ...

In Bar Nummer drei, eine ziemlich verlotterte Eckkneipe, wo uns der zahnlose Wirt eine Flasche Bier in die Hände drückte, linste ich dann doch nochmal kurz auf mein Handy. Die Neugier siegte. Aber Fehlanzeige. Das Display blieb dunkel. Der Akku hatte wohl endgültig den Geist aufgegeben. Eine Mischung aus Enttäuschung und Erleichterung machte sich in mir breit. Naja, vielleicht war es besser so, oder?

Ich setzte die Flasche an und trank sie aus.

Wir schafften es bis Kneipe Nummer acht. Dann entschieden wir uns dafür, die Tour – soweit es eben ging – in Würde zu beenden. Die Bardame mit dem riesigen Brüsten rief für uns ein Taxi und das kam dann auch zum Glück schon wenige Minuten später. Ich glaube, die versammelte Belegschaft des Lokals war froh, uns endlich los zu sein. Wir konnten sehr laut und falsch singen. Teilweise auch völlig unterschiedliche Lieder gleichzeitig. Das hatten wir auch heute wieder bewiesen.

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