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Laut atmend durchbrachen sie die Wasseroberfläche. Ihr Körper war von Algen bedeckt, während sie zum Ufer schwammen. „Net scho wieder", jammerte Dustin.
„Komm, komm!" drängte Godfrey und zog ihn aus dem Wasser, hinter sich herziehend. Ihre Kleidung war patschnass und tropfte auf dem gesamten Weg vom Garten, an der Burgmauer vorbei, bis zum Pflaster.

Es ging steil nach unten, vorbei an den Steinhäusern der royalen Bürger, direkt zum Hafen – dem Seehafen von Diable, um genau zu sein. Durch das geschäftige Treiben fielen die vier fürs Erste nicht auf. Ihre schlichte Kleidung passte gut zu der der Bürger. Diese gingen ihren unterschiedlichen Arbeiten nach: Waren wurden verladen, Leute handelten, machten Geschäfte oder plauderten.

Die vier blickten sich suchend um, nach einem Weg, um weiter zu fliehen, bevor die Wachen kommen würden.
„Wir kent'n uns af einer der groß'n Schiffe versteck'n", schlug Dustin vor und zeigte auf ein großes Schiff, das vor Anker lag, aber abfahrbereit aussah.
„Was, wenn wir auffliegen?", stellte Victoria die Idee infrage.
„Dann ...", begann Dustin, aber er wusste selbst keine Antwort. Würden sie entdeckt, wäre der Tod gewiss.

„Wir müssen neue Personen werden", meinte Finnian plötzlich.
„Wie meinst du das?", fragte Godfrey, die Augenbrauen zusammenziehend. Der Hellrothaarige zeigte auf eine Gruppe adliger Menschen, die gerade den Steg zu dem großen Schiff hinaufgingen.
„Wenn wir adlig wären, würde man uns sicher auf das Schiff lassen", erklärte er.

Doch so einfach war es nicht, wie Dustin wusste. „Wir sind ober net adlig, und die zu überfalla, würd zu vuil Aufsehen erreng."

Gerade wollten sie weiter diskutieren, da hallten laute Stimmen über den Marktplatz.
„Hat jemand vier Teufelskinder gesehen?!" brüllte eine königliche Wache.
Alarmiert zischte Victoria: „Schnell, wir müssen uns verstecken!", und zog die anderen in eine schmale Gasse zwischen den Häusern.

In der Eile stieß sie mit dem Kopf gegen ein Schild, das über einem kleinen, eleganten Geschäft hing. „Autsch!" Sie rieb sich die Stirn und schaute auf das Schild, gegen das sie geknallt war. Ein Modegeschäft!

Godfrey zögerte nicht lange und öffnete die Tür. „Hier rein!", wies er die anderen an, und schnell schlüpften sie in das leerstehende Geschäft. Es schien zwar schon länger verlassen, war aber dennoch gefüllt mit prächtigen Kleidern und Anzügen, Perücken und Schmuck.
„Das ist unsere Chance", flüsterte Victoria. „Zieht euch um!"

Gesagt, getan. Sie wühlten sich durch die Kleidung und fanden bald etwas Passendes. Victoria entschied sich für ein dunkelviolettes Kleid mit rundem Ausschnitt, dazu weiße, geschnürte Stiefel mit Absatz und eine schwarze Hochsteckperücke.

Godfrey wählte eine dunkelblaue Weste mit silbernen Motiven und Knöpfen, ein weißes Hemd, eine schwarze Hose, deren Beine nach unten immer weiter wurden, und ein Korsett zum Schnüren. Seine Haare wurden braun.

Finnian entschied sich für eine dunkel-lila Weste mit Blumenmuster, dazu schwarze Schuhe, die wie Puppenschuhe aussahen. Seine hellroten Haare wurden durch eine lockige Perücke zu blonden.

Dustin hingegen blieb schlicht und zog lediglich ein sauberes Hemd mit geschnürtem Ausschnitt und eine schwarze Hose an. Seine Perücke war ebenfalls schwarz. Der Unterschied zu ihrem normalen Aussehen war erstaunlich. Sie sahen wie vier junge Adlige aus, die bereit für eine Reise waren.

„Jetzt sehen wir aus wie echte Adlige", stellte Victoria fest, während sie sich im Spiegel betrachtete. Ein letzter Schliff fehlte aber noch. Schnell schnappte sie sich eine Flasche Parfüm aus den Regalen und sprühte die drei und sich selbst damit ein.
Dustin verzog sofort das Gesicht. 

„Des riecht ja ekli!", hustete er, mitten in der Wolke stehend.
„Stell dich nicht so an", schimpfte Victoria. „Wenn wir auf dieses Schiff wollen, müssen wir nicht nur adlig aussehen."

„Richtig", stimmte Godfrey zu. „Verhaltet euch ruhig und gelassen, egal was passiert", instruierte er sie, ehe er jedem noch einen Koffer in die Hand drückte.

Dann verließen sie eilig das Geschäft und schlossen sich der adligen Schlange an, die vor dem Schiff stand. Die Stimmen der königlichen Wachen hallten in der Ferne.

Als sie sich der Gangway des großen Schiffs näherten, hielt sie ein Bediensteter auf.
„Eure Namen, bitte?", fragte er höflich.
Godfrey zögerte einen Moment, dann antwortete er mit fester Stimme:
„Wir sind die Familie von Rosepark. Ich bin Rousel, und dies sind meine Geschwister: Aveline, Milo und William." Er deutete auf die anderen.

„Hast des kert?", fragte Dustin. „William – jetzt hab ich a noch'n schönen Namen zu man Aussehen." er warf seine Haare zurück.

Victoria stieß ihn in die Seite, und Finnian vergrub sein Gesicht in den Händen vor Scham.
Godfrey lehnte sich leicht zu Dustin und flüsterte: „Benimm dich, dann mach ich, was du willst." Sofort verstummte Dustin, ein breites Lächeln auf den Lippen.

„Beachten Sie ihn gar nicht, er ist nur etwas aufgeregt wegen der Fahrt", sagte Godfrey dem Bediensteten, der keinen Verdacht schöpfte.
„Willkommen an Bord", sagte dieser schließlich mit einem Lächeln und ließ sie passieren.

Kaum waren sie auf dem Schiff, gingen sie unter Deck und nahmen das erstbeste freie Zimmer.
„Das mit den falschen Namen war eine gute Idee", lobte Victoria, während sie sich aufs Bett fallen ließ.

Im Raum gab es zwei Betten, beide mit seidigen Bettlaken bezogen. Ein Tisch aus Holz stand um eine kleine Ecke herum, passend zu den Wänden und dem Boden aus Eiche. Vor den Betten standen je eine Truhe.

Doch all das nahmen sie nur nebenbei wahr. Jetzt waren sie viel mehr erleichtert, endlich durchatmen zu können – sie waren in Sicherheit.

„Was machen wir jetzt? Ich meine, wir wissen nicht mal, wohin dieses Schiff fährt", warf Finnian in den Raum.
„Nun", begann Godfrey, „wir bleiben unauffällig und warten, bis wir weit genug weg vom Schloss sind. In der Zwischenzeit planen wir unseren nächsten Schritt."

Kaum hatte er das gesagt, ertönte die Schiffsglocke über Deck, und das Schiff stach in See.


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Wörter: 1017

Wie man sieht, hat sich der Schriftzug geändert. Dazu eine kleine Erklärung.

♒︎ = Wellen, weil die Gingers jetzt auf dem Wasser unterwegs sind.

ℛ = steht für Royal

Wie findet ihr den neuen Schriftzug? Ist er schöner als der Erste oder war der andere vielleicht besser?


GingersWo Geschichten leben. Entdecke jetzt