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Der Winter war über Diable gekommen. Dicke Schichten von Schnee bedeckten das Land und graue Wolken ließen kaum Sonnenschein durch. Es war einmal wieder einer dieser Schneestürme, einer von vielen, die durch die kalte Luft wirbelten.
Tausende kleine Schneeflocken flogen an den großen Fenstern des Schlosses vorbei. Es war, als hätten sie das Unheil höchstpersönlich mit sich gebracht. Adennes schaute ihnen sehnsüchtig aus ihrem Schlafzimmer nach. Am liebsten würde sie auch einfach so davonfliegen und frei sein.
Doch die Situation war alles andere als frei, im Gegenteil, bald würde man nur noch von diesem Wort träumen.
Krieg. Seit Kian einen Feldzug auf den Diamantengang gesendet hatte, schlug Wihsae zurück, mit doppelter Kraft.
Doch der König, Adennes Ehemann, wollte einfach nicht einsehen, dass es keinen Sinn machte weiter zu kämpfen. Kein einziges Wort drang mehr zu ihm durch, egal wie laut sie schrie und flehte.
Sie wischte die einzelne Träne von ihrer Wange, die ihr bei den Gedanken aus dem Augenwinkel gerollt war. Weinen würde die Situation nicht besser machen, auch wenn es ihr wirklich danach war. Ihre Liebe zu diesem Mann war stark, tief und versiegelt in ihren Eheringen. Doch Adennes wusste, dass sie nicht länger hierbleiben konnte.
Ihre Hand wanderte zu ihrem Bauch. Ein Leben keimte in ihr, das Leben eines Kindes das von ihm beiden war. Kian wusste davon nichts, denn eigentlich hätte es eine Überraschung werden sollen. Jetzt war es nur noch ein Geheimnis, das Adennes voller Angst ihm nicht erzählen wollte.
Kian war seit dem der Krieg angefangen hatte unberechenbar geworden und seine Reaktionen unvorhersehbar.
Also blieb ihr nichts anderes übrig, sie musste fliehen.
Mit nicht als einem Mantel und Proviant verließ sie im Schutz der Nacht das Schloss, das sie so liebte. Durch das fahle Mondlicht schienen die Türme viel weniger schön, ihre eigentliche leichte Rosa Farbe war nur noch ein fahles Grau, könnte man meinen. Sie wendete sich ab, schritt voran, durch den tiefen Schnee zu den Ställen.
Adennes schob das große Haupttor auf, ihre Schuhe halten an den Wänden wieder. Sie ging an den edelsten Pferden vorbei, von groß bis klein, stark zu schnell. Doch sie wollte nur eins, ihr eigenes Pferd.
Die Stute stand ganz hinten, noch ziemlich jung, aber eingeritten. Normalerweise ritt sie nur mit Kian aus, um mit ihm draußen zu essen oder einfach um die Natur Diables zu bewundern. Doch nicht heute. Das würde das letzte Mal sein, dass ihr Pferd in diesem Stall stehen würde.
Sie führte das braune Pferd aus dessen Box, warf eine Decke über den weiß gescheckten Rücken und zog den Sattel fest. Mit Leichtigkeit stemmte sie sich hoch in den Sitz, ehe sie die Zügel nahm und mit einem Schnalzen losritt.
Ihr Mantel flatterte hinter ihr im Wind als sie das Schloss immer weiter hinter sich ließ. Es war komisch ohne Kleid, dafür mit Hose, zu reiten. Generell hatte sie noch nicht oft eine Hose getragen. Sie schüttelte den Kopf, sie musste klare Gedanken behalten.
Sie ritt einmal um den großen See herum, kam an kleinen Dörfern vorbei, Feldern und Wald. Je weiter sie kam, desto kaputter sahen diese aus. Der Krieg breitete sich wie eine Seuche im Land aus und es schmerzte Adennes so sehr, ihr geliebtes Land in Trümmern zu sehen.
Nur ein Dorf schien verschont zu bleiben, Soodon. Es lag direkt an der Bergkette, war aber kaum beschädigt. Wahrscheinlich, weil hier der Bergbau betrieben wurde. Die Steindächer der Häuser waren von Schnee bedeckt, aus den Schloten kam dicker weißer Rauch und nicht eine Menschenseele befand sich noch auf den Straßen, die sonst so lebhaft waren.
Verständlich, wenn man so nah an den Schlachtplätzen lebte, wollte niemand freiwillig raus. Sie verlangsamte die Schritte des Pferdes, bis sie vor einem hölzernen Wegweiser stehen blieb. Wo sollte sie hin? Rechts oder links? Steinbaupfad oder Alter Mienen weg? Sie entschied sich für Links.
Der Weg führte sie in einen Wald, Tannenbäume war das einzige, was sie sah. Ihr Pferd kämpfte sich weiter, bis der Schnee dichter und dicker wurde. Es schnaubte, nur noch Schritt laufend.
Adennes streichelte über das dicke Fell am Hals, unsicher ihre Umgebung begutachtend. Sie hörte nur das Rauschen des Windes, dazu vereinzeltes rascheln von den Tieren, die hier lebten.
Trotz ihrer Angst hoffte sie das, solange sie den Weg folgen konnte, sie sicher war.
Doch so funktionierte das eben nicht. Wie sie bald feststellen musste, als plötzlich ein Heulen von nicht weit weg kam. Langes Wolfsgeheul. Sie drehte sich abrupt um, nur um gelbe Augenpaare in der Nacht zu sehen, die zurück funkelten.
Erschrocken zog sie die Luft ein, ihre Hände zogen an den Zügeln, ihr Herz beschleunigte von null auf hundert. Das Pferd stieß ein lautes Wiehern aus, das durch die Nacht hallte, ehe es losgaloppierte. Die Wölfe kamen hinterher, ihr knurren und bellen viel zu nah.
Die Hufe der Stute donnerten durch den Schnee, während Adennes die Zügel fest umklammert hielt. Erneut schaute sie über ihre Schulter und ihr Herz drohte still zu stehen. Ein Rudel Wölfe, fünf oder sechs, sprintete durch den Schnee.
„Los, schneller!", rief sie verzweifelt, das Pferd mit den Fersen antreibend. Die Stute gab alles, doch der Schnee war zu tief, der Weg zu uneben. Eine Wurzel ragte aus dem Boden, kaum sichtbar unter dem dicken Schnee. Das Pferd stolperte, rutschte, fing sich aber gerade noch. Doch dieser kurze Moment reichte für die Wölfe aus, um anzugreifen.
Einer sprang vor und schnappte nach den Hinterläufen der Stute. Ein schmerzhaftes Wiehern erklang, als die Zähne des Raubtiers sich in ihr Fleisch bohrten.
Das Pferd brach fast ein, stolperte erneut und sank für einen Moment auf die Vorderbeine. Adennes klammerte sich verzweifelt am Sattel fest, als sie spürte, wie sie selbst aus dem Gleichgewicht geriet.
Ihre Krone, die sie stets auf dem Kopf getragen hatte, rutschte bei der Bewegung ab und fiel in den Schnee.
„Nein!", schrie sie, konnte sie aber nicht mehr festhalten. Ein anderer Wolf sprang heran, und Adennes sah, wie die Krone unter seinem Gewicht in den Schnee gedrückt wurde. Panik erfüllte sie, doch die Sicherheit des Kindes in ihrem Bauch ließ sie einen klaren Gedanken fassen. Sie durfte nicht aufgeben.
Das Pferd, schwer atmend und verletzt, bäumte sich auf und trat heftig nach hinten aus. Es traf den angreifenden Wolf direkt ins Gesicht, und ein überraschter Jaul-Laut erfüllte die Nacht. Doch das alleine schreckte das gesamte Rudel nicht ab.
Adennes wusste, dass sie nicht länger auf dem Pferd bleiben könnte, wenn sie entkommen wollte. Also rutschte sie aus dem Sitz, unsanft im Schnee landend. Schnell rappelte sie sich auf und gab der Stute einen kräftigen Klaps auf die Flanke mit den Worten „Lauf!". Das tat sie auch, wenn auch humpelnd, die Wölfe hinterher.
„Es tut mir so leid", flüsterte sie, ein Gefühl der Schuld kam über sie. Hoffentlich entkam sie rechtzeitig. Adennes schaute auf den Boden, das pure Chaos. Blut hatte den weißen Schnee rot gefärbt, die Pfoten Abdrücke der Wölfe und ihrer Stute mitten drin. Ihre Krone konnte sie in der Dunkelheit nicht sehen. Sie lag unter der Schneeschicht, bedeckt von neuen Flocken.
Adennes beugte sich nach unten und tastete, versuchte das Schmuckstück zu finden. Dabei blieb das Blut an ihren Händen kleben, und zwei Handabdrücke bildeten sich im Schnee.
Ein weiteres Heulen drang aus dem Wald. Sie schaute auf, die Wölfe würden zurückkommen, sie hatte keine Zeit mehr. Also stand sie wieder auf, klopfte den Schnee von ihrer Kleidung und lief weiter und weiter in den Wald hinein.
Den Weg hatte sie schon lange verloren.
Alles, was zurückblieb, war ihre Krone und ein Tatort, an dem es aussah, als wäre sie von Wölfen getötet worden.
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Wörter: 1276
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Gingers
Fantastik// "Die Legende besagt, dass rotes Haar das Symbol des Bösen ist. Es vereint Feuer, Wut und Warnung zugleich. Diejenigen, die diese Haarfarbe tragen, werden als Nachkommen jenes Wesen angesehen, die einst aus dem Himmel verbannt wurde - den Teufel...
