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Das Ganze wurde von zwei Augen beobachtet, grau-blaue Augen. Wie eine Nachricht blinkte Godfreys Amulett nur wenige Minuten später. Schnell flüsterte der Älteste den ganzen Namen seines besten Freundes, der sofort erschien. 

„Schnell!", warnte er, neben ihnen her schwebend, „diese Dämonen haben Dustin und Finnian wirklich zum Schloss gebracht." Victorias Augen weiteten sich. „Was will dieser Irre mit ihnen machen?", fragte sie, ihre Hände festigten sich um die Zügel. Nathan schluckte. „Jetzt sag schon!", drängte Godfrey. 

„König Kian will sie auf den Scheiterhaufen bringen lassen." Adennes stockte der Atem. „Mein Kian? Nein, das lass ich nicht zu! Jemand muss ihn zur Vernunft bringen!", sagte sie entschlossen. Victoria konnte erst nicht fassen, was sie hörte. Scheiterhaufen? Dieser Mistkerl wollte ihre erste Liebe töten? 

„Victoria?" Verwundert schaute Godfrey sie an, als er spürte, wie sich ihr Bauch unter seinen Händen anspannte. Ihr sonst so freundliches Gesicht hatte sich verfinstert, und ihr ganzer Körper schien unter Strom zu stehen. 

Von jetzt auf gleich zog sie mit einem Ruck an den Zügeln, so stark, dass sich ihr Pferd mit einem lauten Wiehern aufbäumte, ehe es in einen wilden Galopp verfiel. 

Nathan wurde mit einem abgehackten Aufschrei in das Amulett gezogen. Der Wind peitschte ihr ins Gesicht, und unter den Hufen des Pferdes wurde die Erde aufgewühlt.

„Victoria, warte!", schrie Adennes, schnell aufholend. Godfrey festigte seinen Griff um Victorias Taille. „Was machst du?!", fragte er, gegen den Wind anschreiend. 

„Ich lasse nicht zu, dass er sie tötet!", ihre Stimme war vor Wut entbrannt. „Nicht Dustin, weder Finnian – keiner der zwei!" Sie erhöhte das Tempo. 

„Und was willst du machen?", fragte Godfrey über den Wind hinweg. „Kian wird nicht einfach so plötzlich die Hinrichtung stoppen." 

Die Worte machten Victoria etwas unsicher, doch ihre Wut spülte diese sofort weg. „Nathan hat doch davon geredet, dass der Vertrag aufgelöst wird, wenn wir die Frage beantworten! Wir bringen Adennes wieder zu Kian, und der Vertrag löst sich auf!", erklärte sie ihren Plan. 

Adennes ritt neben ihnen, bemüht mitzuhalten und Penelope festzuhalten. 

Im Schloss wurde alles für die Hinrichtung vorbereitet. Neugierige Menschen blieben stehen, als sie sahen, wie die Wachen Holz um einen Pfahl aufstapelten.

Finnian und Dustin wurden durch die Gänge geführt, dieselben Gänge, in denen sie ganz am Anfang gewesen waren. Der Zustand des Jungen aus Village Fou verschlechterte sich mit jedem Schritt. 

Er zitterte am ganzen Körper, als Erinnerungen in ihm hochkamen, die er hasste: rote Engel, seine Mutter, Feuer. Seine Angst vor Feuer war nicht ohne Grund. Und da war sie plötzlich, diese Stimme von damals, direkt in seinem Kopf. 

„Hexe!" Er wandte sich, der Griff der Wache fest wie Stahl. 

„Verbrennt sie! Sie verflucht unser Dorf!" 

Was hatte sie ihnen getan? Das wusste Finnian bis heute nicht. Seine Mutter war doch keine Hexe... nur eine junge Frau, die gerade ihr erstes Kind bekommen hatte. 

Ihn, einen unschuldigen Jungen, der mit ansehen musste, wie seine Mutter am Scheiterhaufen in Flammen aufging. 

Das starke Sonnenlicht blendete sie, als sie durch die Tore nach draußen auf den Hof traten. Dort war er: der Scheiterhaufen, die Schaulustigen. Wie damals. Schweiß brach auf seiner Stirn aus, und Schwindel überkam ihn. 

Er musste an Victoria denken. Sie war wie seine Mutter – frisch verliebt gewesen in seinen Vater. Er wollte sie nicht verlassen, nicht so schnell, niemals. 

Dustin und Finnian wurden gegen den Pfahl gepresst, ihre Hände verschnürt. „Des kennt ihr net mocha!", schrie Dustin, die Angst war viel zu deutlich zu hören. 

Die Menschen schauten nach oben, auf den Balkon, auf den Kian erschien. Er redete zu seinem Volk, doch Finnian hörte davon nichts. Er schaute auf die Figur, die unter den vielen Menschen stand. 

Der Teufel, eine Kapuze übergezogen, böse lächelnd. „Diese zwei haben schwarze Magie betrieben!", spottete Kian, als hätte er sie nicht dazu aufgetragen. Finnian schaute nach unten, Tränen fielen unkontrollierbar. 

Dann plötzlich spürte er eine Hand, die nach seiner griff. Dustin gab Finnian seine Hand, und Finnian griff nach dieser.

Sie schlossen die Augen. „Tut mir leid, dass ich so gemein war", wimmerte Dustin, in feinstem Hochdeutsch, sodass Finnian ihn deutlich verstand. 

Finnian nickte. „Ich vergebe dir." Seine Hand drückte die des anderen Jungen, der nun mit ihm brennen würde. 

„Verbrennt sie!", schrien die Menschen, und sogleich kam eine Wache mit einer Fackel auf den Holzhaufen zugeschritten. Das Holz war mit Pech getränkt, weswegen es sofort Feuer fing, als die Flamme daran gehalten wurde.

Finnian und Dustin umgab eine unausstehliche Hitze, die ihre Tränen fast vertrocknen ließ. 

„Warum muss sich alles wiederholen?", wimmerte Finnian, der sich jetzt in der Lage befand, in der seine Mutter damals war. Dustin drückte seine Hand, das Feuer hatte seine Hose erreicht, und scharfer Schmerz umgab ihn, was ihn aufschreien ließ.

Die Menschen jubelten über eine weitere Hinrichtung der bösen Rothaarigen, die Schande und Tod über das Land brachten. 

Doch dann, als das Feuer weiter die zwei Körper verschlingen wollte, drang das Geräusch von Hufen über den Hof. „Stop!", rief eine klare Stimme, die Kian dachte, nie wieder hören zu können. „Was machst du da, mon amour? Warum werde ich für tot gehalten?" 

Der König schaute fassungslos auf die Frau, die er verloren geglaubt hatte. „Adennes?", hauchte er. „Ja, ich bin es!", ihre Stimme war fest, als hätte sie ihn nie verlassen. Neben ihr kam Victoria durch das Tor geritten. 

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Wörter: 890

Teil zwei kommt noch heute!

Ich wollte es nicht wieder zu lang machen :)

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