༶•┈┈♥︎┈𝔀 𝑔𝑖𝑛𝑔𝑒𝑟s 𝔀┈♥︎┈┈•
Nachdem sie eine Weile gegangen war, sah sie einen Eingang, so schwarz wie ihre Haare. Vielleicht konnte sie hier für die Nacht bleiben?
Mit langsamen Schritten näherte sie sich der Höhle, darauf vorbereitet, erneut weglaufen zu müssen, sollte sich ein wildes Tier darin befinden. Doch zu ihrem Erstaunen fand sie nichts. Ihre Schuhe hallten auf dem Steinboden wieder, leises Klackern, wie es sonst im Schloss zu hören war. Sie schaute zurück … das Schloss, Kian. Sie sank langsam auf den Boden, ihr Rücken an die Steinwand gepresst.
„Warum tust du mir das an?", wimmerte sie, ihre Arme schlangen sich um ihren Bauch „Es hätte alles so perfekt werden können“ Tränen liefen über ihre Wangen „Warum hast du dich so verändert, Mon amour? Ist dir meine Sicherheit so egal gewesen? Die unseres Volks?".
Ihr bitteres Weinen halte durch die Höhle, bis sie einschlief. Lange blieben ihre Augen allerdings nicht zu. Schon am hellen Morgen wachte sie auf, stand auf, um weiterzugehen.
Die Höhle würde auf lange keinen guten Unterschlupf machen. Sie erforschte das Innenleben der Höhle, bis sie ein Licht sah. Adennes ging darauf zu näher und näher, bis sie plötzlich wieder die Sonne blendete und ihre Schuhe im Schnee standen. Die Höhle, oder wenigstens für was sie den Durchgang gehalten hatte, war der, durch den sie gerade ritten.
Damals hatte sie noch nicht gewusst, das der Weg sie runter ins Tal führen würde. Doch irgendwo musste sie hin. Also wanderte sie, für Tage, Wochen durch den Schnee, auf der Suche nach einem Ort, an dem sie bleiben konnte. Ihr Bauch wurde mit der Zeit immer größer, so aber auch ihre Erschöpfung.
Alles sah hier gleich aus im Tal und sie lief oft im Kreis, ohne es zu merken. Mal wieder stützte sich an einem Baum ab, ihre Hand an der Kugel, die sie mit sich trug.
Mittlerweile trat das Kind, so wie jetzt. „Komm noch nicht“, bat sie, „ich hab keinen …“, ein schwerer Atemzug verließ sie „Platz, an dem ich dich zur Welt bringen kann“. Gerade wollte sie sich wieder umdrehen, einen anderen Weg einschlagen, wie die anderen unendlichen Male, als sie Fußspuren im Schnee sah.
Alt, aber noch leicht sichtbar. Aus Verzweiflung folgte sie ihnen und fand so das Jägerhaus. Es war zu dieser Zeit noch heruntergekommen gewesen, schaute aus, als würde es bald einstürzen.
Doch für Adennes war es genug. In dem Haus fand sie Essen, etwas zu trinken und Werkzeug. Sie gab alle ihre Kraft, um das Haus notdürftig wieder aufzubauen, sodass sie ihr Kind gebären konnte. Nachdem sie all die Reserven aufgegessen hatte, begann sie auch zu Jagen.
Gerade klopfte sie einen weiteren Nagel in das Holz der Hauswand, als sie Wiehern hörte.
Erstaunt schaute sie über ihre Schulter, das Pferd, ihre Stute stand dort. „Was?“, sie ließ den Hammer fallen, der dumpf im Schnee aufprallte. „Du hast überlebt“ voller Freude schlang sie die Arme um den Hals des Pferdes. Erstaunlicherweise blieb das Pferd ruhig, ging aber ein paar Schritte, um Adennes von sich zu schieben. Sie ging zur Seite „Aber die Wölfe, deine Verletzung.“ Sie schaute auf die Hinterbeine, eine verwachsene Wunde war zu sehen. Als würde sie ihr antworten, schnaubte die Stute.
„ Ich-" sie rannte ins Haus zurück, griff nach dem Messer, das sie gefunden hatte, und kehrte wieder zurück. Das Pferd schaute ihr neugierig dabei zu, wie sie sich in den Schnee kniete, einen Streifen ihres mittlerweile geflickten Kleides abschnitt und um den Fuß wickelte. „Das ist das mindeste, was ich machen kann“, murmelte sie dabei, ihr Haar hing ihr ins Gesicht. Sie hatte es seit ihrer Flucht nicht mehr geschnitten und so war ihr Pony fast über ihre Augen gewachsen.
Sie wischte sich durchs Gesicht, als sie sich wieder aufrichtete. So konnte sie nicht weiterarbeiten, wenn sie diese Bewegung jede zweite Minute machen musste. Nicht lange, nachdem die Stute wieder bei ihr war, sicher im Stall, das Einzige, was schon bevor sie da gewesen war gestanden hatte, schnitt sie also ihren Pony.
Am Abend betrachtete sie sich im Spiegel, ihre mittellangen Haare, die über ihre Schultern hingen. Es erinnerte sie an ihr königliches Ich, an Kian der dort draußen bestimmt wütete. Würde sie je zurückkehren können? Sicherlich nicht bald.
Sie setzte die Schere erneut an: „Bis ich dich wieder sehe, mein Mon amour perdu, sind sie bestimmt wieder nachgewachsen“ murmelte sie zu sich selbst. Schwarze Strähnen fielen an diesen Abend auf den Boden, bildeten sich zu Häufchen. Sie hatte ihr altes Aussehen zurückgelassen.
Monate vergingen in Einsamkeit. Die Nächte waren dunkel und still, und die eisige Kälte kroch durch die Ritzen des notdürftig reparierten Jägerhauses.
Deswegen baute Adennes das Haus so weit sie konnte wieder auf, wobei ihr die Stute ungemein half. Ein Kaltblut konnte eben schwere Sachen schleppen.
Nach neun Monaten war es Zeit für ihr Kind, das Licht der Welt zu erblicken.
Die Nächte waren dunkel und still, und die eisige Kälte kroch durch die Ritzen des notdürftig reparierten Jägerhauses. Adennes wusste, dass es bald Zeit war und hatte versucht, sich und den kleinen Raum so gut wie möglich auf die Geburt vorzubereiten.
Der Schmerz setzte unerwartet ein, wie ein Blitz, der durch ihren Körper zuckte. Sie wusste, dass es so weit war. Das Kind, ihr Kind, war bereit, geboren zu werden.
Sie hatte niemanden, der ihr helfen konnte. Keine Hebamme, keine warmen Hände, die sie durch die Geburt führten.
Nicht einmal Kian. Nur sich selbst, eine alte Decke und das Vertrauen darauf, dass sie stark genug war. „Für dich“, flüsterte sie, ihre Stimme zitterte, während sie sich auf die Decke am Boden kniete.
Die Stunden zogen sich endlos hin, und die Schmerzen wurden unerträglich.
Adennes biss die Zähne zusammen, Tränen liefen über ihr Gesicht, aber sie ließ keinen Laut hören, zu groß war die Angst, ein wildes Tier somit anzulocken. Sie klammerte sich an das Bild, das sie vor Augen hatte: ein kleines, warmes Gesicht, das sie hoffentlich bald in ihren Armen halten würde.
Endlich hörte sie das erste Schreien. Ein lebendiges Schreien, das ihr sie erleichterte und sie zugleich vor Erschöpfung fast zusammenbrechen ließ. Ihre zittrigen Hände hoben ihr Kind an.
„Meine kleine Kriegerin“, flüsterte sie, ein schwaches Lächeln auf ihren roten Lippen. „Penelope sollst du heißen.“ Das Mädchen war zart und klein, die Haut noch nass wie ihre kleinen blonden Härchen. Adennes wickelte sie vorsichtig in die Decke und hielt sie nah an ihrer Brust, das Herz voller Dankbarkeit und Liebe.
„Du hast fast die Haare deines Vaters“ stellte sie fest, ihre Stirn an die kleinere gelehnt „Ich wünschte, er hätte hier sein können“.
Die erste Nacht nach der Geburt war die härteste. Adennes war schwach, ihre Kräfte nahezu aufgebraucht. Zum Glück war Penelope kein allzu schweres Kind.
Die anderen Frauen im Schloss hatten ihr viel schlimmere Geschichten erzählt, davon wie anstrengend so ein Kleinkind doch sei und das sie auf jeden Fall eine Magd brauchte, die sie um das Kind kümmerte. Nun, eine Magd gab es hier draußen nicht.
Penelope war aber auch nicht gerade so wie sie gesagt hatten. Sie trank, schlief, weinte ab und zu, aber nur kurz. Adennes war sofort bei ihr, wenn sie ihr Schreien hörte, kümmerte sich um sie, weil sie das Einzige war, das sie hatte.
Die Tage nach der Geburt wurden nur langsam besser. Adennes musste sich schnell erholen, denn der Winter gab keine Pause. Sie sammelte Holz, sorgte für Feuer und hielt Penelope in einer selbst gebauten Trage, aus Holz und Fell, dicht bei sich, während sie arbeitete.
Jahre vergingen, Penelope wurde älter, wuchs zu dem Mädchen heran, das sie nun war.
Zusamen hatten sie die Umgebung erkundet, das kleine Dorf gefunden, den See und andere schöne Orte. Während der ganzen Zeit hatte Adennes kein Wort über Kian verloren, die Wunde, die er gesetzt hatte, war zwar verheilt, aber immer noch als Narbe da.
Ihre Haare ließ sie nicht mehr lang wachsen. Ihr altes ich, die Königin von Diable, war verblasst.
༶•┈┈♥︎┈𝔀 𝑔𝑖𝑛𝑔𝑒𝑟s 𝔀┈♥︎┈┈•
Wörter: 1311
Und so endet die Backstory von Ardennes auch schon wieder. Ich wollte sie nicht all zu lang machen.
Ich hoffe man versteht aber trotzdem warum Adennes nun so ist und handelt :)
DU LIEST GERADE
Gingers
Fantasy// "Die Legende besagt, dass rotes Haar das Symbol des Bösen ist. Es vereint Feuer, Wut und Warnung zugleich. Diejenigen, die diese Haarfarbe tragen, werden als Nachkommen jenes Wesen angesehen, die einst aus dem Himmel verbannt wurde - den Teufel...
