Sie atmete schwer und ihr Herz raste vor Aufregung. Eben hatte sie noch die kühle Hand der Todesritterin in ihrer gespürt, doch sie war verschwunden und hinterließ nur eine kleine, aufgewirbelte Staubwolke. Als Marialle sich umsah, entdeckte sie die untote Schönheit, kauernd am Rand des Abgrunds und sie übersah ihre Gefährten. Odessa, noch immer bewusstlos, Borigan, Bolvar und die beiden Todesritter lagen einige Körperlängen, ebenso schwer atmend, von ihr entfernt. Tirion, Plagg und Susanne fehlten und sie stürzte neben die Elfe.
"Lord Fordring!", presste sie hervor und sah erschrocken in das makellose Gesicht, auf dem Trauer zu liegen schien. In dem Moment schälten sich lila Schwingen aus der tiefen Umgebung, und die Sukkubus flatterte angestrengt immer höher.
"Herrin Dolli helfen? Meisterchen und Menschenmann schwer für zwei so zarte Flügelchen!", rief die Dämonin angestrengt, aber begeistert zu den beiden Frauen hinauf und leicht verblüfft registrierte Marialle, wie Dolette der Dienerin ihres Dieners dankbar lächelnd zunickte. "Ich kann dir nur Kinnab abnehmen, Susi", schrie sie die Klippe hinab und schleuderte ein weiteres Mal ihren Todesgriff in die Tiefe. Er packte den Hexenmeister, dem das anscheinend nur wenig Freude bereitete, und gemeinsam zogen die beiden Frauen den Verlassenen hinauf, während die Sukkubus nun keinerlei Mühen mehr hatte, hinaufzusteigen.
"Beim Licht! Gerettet von der Dämonenschlampe eines Verlassenen, ich glaube es nicht!", stieß Tirion atemlos hervor. Dolette tauschte einen amüsierten Blick mit der Hohepriesterin, der ihr Herz schneller schlagen ließ. Plagg knurrte. "Habt euch nicht so, Kinnab, genau das ist sie doch!", lachte die Todesritterin und der Verlassene schnaubte entrüstet.
"Susanne, Schlampe?", kam es leicht hin von der Sukkubus. Dolette lachte aufs Neue und auch die Priesterin konnte sich eines Schmunzelns nicht länger erwehren. "Das bist du keineswegs, Susi! Das hast du sehr gut gemacht." Der untote Hexer zog eine Schnute, was seine Züge noch merkwürdiger anmuten ließ, als sie es eh schon taten.
"Ja, das hast du gut gemacht, Susi. Beruhigt euch, Kinnab", bekräftigte die dunkle Elfe das Lob von Plagg und Marialle schaute amüsiert zu, wie die Augen der Dämonin begannen zu funkeln und sie sich auf die Todesritterin stürzte und sie zärtlich herzte.
"Ist ja gut, Susi. Hast du gut gemacht, aber begreife endlich, dass ich nicht kuscheln mag." Susanne schmiegte sich weiter an den schlanken Körper der Untoten und der Priesterin fiel in dem Moment auf, dass die Rundungen der Elfe schon fast wieder ein normales Ausmaß angenommen hatten. Sie lächelte kurz glücklich, als die verwirrten Stammeleien der Magierin sie aus ihren Gedanken rissen. Offenbar war sie gerade aufgewacht. "Was ist passiert?", fragte sie beinah im Flüsterton.
"Wir mussten vom Luftschiff abspringen, Odi. Die Himmelsbrecher ist abgestürzt", entgegnete die Todesritterin geduldig und Marialle vermutete denselben verwirrten Ausdruck auf ihrem, wie sie ihn auf dem Gesicht der Blonden sah. Welchen Wandel durchlief die Elfe wohl gerade, dass sie Odessa so freundschaftlich ansprach. Sie ertappte sich dabei, sich zu fragen, ob Dolette wohl Teile ihrer Erinnerung zurückerlangt hatte, doch verwarf sie diesen Gedanken schnell, als ihr einfiel, dass die Paladin sie früher nie so genannt hatte.
Die Gefährten versammelten sich um die junge Magierin und Marialle kniete neben ihr nieder. "Wie fühlst du dich, Odi?", fragte sie und ließ prüfend ihre Hand über die Frau gleiten. "Ganz gut, denke ich. War ich lange weg?"
"Nein, kannst du aufstehen?" Odessa nickte entschlossen und ließ sich von dem Krieger, der nicht von ihrer Seite gewichen war, in die Höhe ziehen. "Ein wenig schwummerig vielleicht, aber das gibt sich gleich!", sagte sie, nachdem sie ihren Stand geprüft hatte.
"Dann lasst uns nun hinein gehen. Hier entlang", ließ der schwarze Wächter verlauten und die Mitstreiter machten Anstalten sich in Bewegung zu setzen, als ein dunkles Lachen erklang.
"Sieh an, sieh an. Bolvar, alter Freund, die Seuche hat dir übel mitgespielt, wie ich sehe." Ein Wesen, gehüllt in eine schwarze Rüstung, trat aus der Flügeltür, die ins Innere der Eiskronenzitadelle führte. Die Haut des Orks war fahl und seine Augen leuchteten in dem unheilvollen hellen Blau, das einen Todesritter ausmachte.
"Dranosh. Freund, komm zu dir!", kam es von Bolvar Fordragon.
"Kein Todesritter muss dem Lichkönig folgen!", bekräftigte ihn Darion Mograine.
"Dieser Name starb mit meinem schwachen Fleisch. Ich bin Todesbringer Saurfang! Schließt Euch mir an, Bolvar, und wir werden diese Welt zerquetschen. Im Namen der Geißel, zu Ehren des Lichkönigs!", war die fanatische Antwort des Sohns von Varok Saurfang.
"Niemals werden wir uns dem Willen dieses Tyrannen beugen!", stieß nun die dunkle Elfe hervor, nachdem sie sich schützend vor die Priesterin gestellt hatte.
"Ich bin der mächtigste Todesritter des Lichkönigs. Ihr seid verdammt!" Kleine Rauchschwaden schienen aus dem Blau der leuchtenden Augen des dunklen Orks zu waben, und Marialle entdeckte dasselbe bei den anderen anwesenden Todesrittern, so auch bei Dolette, deren Miene sich verfinstert hatte. Ihre Hand glitt geräuschlos zum Heft ihres Runenschwertes, und als der Todesbringer mit einem lauten Kampfschrei auf die Gefährten zustürmte, zog sie es und wehrte ihn in einer einzigen, fließenden Bewegung ab. Der Ork knurrte bedrohlich, und der Elfe glitt für den Bruchteil eines Herzschlages ein begieriges Lächeln über die Lippen. Sie besann sich allerdings schnell auf ihre Konzentration und parierte einige mächtige Hiebe von der Axt des Todesbringers. "Verteilt euch! Ich versuche, ihn in Schach zu halten!", brüllte sie ihre Gefährten an, und sie gehorchten. Marialle hatte etwas Abstand genommen und warf aus Gewohnheit und einem Impuls einen Schutzschild auf die Todesritterin, der flackerte, wann immer die riesige Axt des Orks der dunklen Elfe zu nahe kam.
Der Hohepriesterin war erst gar nicht bewusst geworden, was da vor sich ging, und sie war nicht minder überrascht, dass der stärkste von Arthas' dunklen Rittern so Probleme hatte, die Oberhand im Kampf gegen Dolette zu erringen, aber die Todesritterin zeigte keine Anzeichen negativer Auswirkungen auf das heilige Licht, das von Marialle ausging.
Sie meinte, die Elfe kurz grinsen gesehen zu haben, und war sich sicher, dass dieser Umstand auch an ihr nicht vorbeigegangen ist.
Die Paladine und Todesritter sowie der Krieger Borigan stürmten nun vereint auf den dunklen Ork zu. Odessa hielt sich nah bei Marialle auf, sie schien noch immer geschwächt. Plagg hingegen, zusammen mit seiner Susanne, warf einen Zauber nach dem anderen auf den untoten Ork.
Die Priesterin musste jedoch bald den Atem anhalten, denn Saurfang bäumte seinen Körper auf und stieß seine Gegner mit einem mächtigen Schrei und der folgenden Welle Energie einfach von sich. Einzig Dolette vermochte es, der Energiewelle zu widerstehen. Schützend einen Arm vor ihr Gesicht haltend, erhob sie erneut ihr Schwert, und die goldenen Runen pulsierten hell auf, als sie schließlich mit einem gewaltigen Satz wieder auf den Todesbringer stürzte.
Goldene und blaue Funken sprühten jedes Mal, wenn sich die Klingen des Runenschwertes und der Axt des Orks trafen und das Klirren der aufeinander treffenden Waffen erhellte die Stille des Eiskronengletschers.
"Na los, alle gemeinsam!", befahl der schwarze Wächter und hielt seine beiden Runenschwerter fest im Griff. Thassarian tat es ihm gleich und auch Borigan, Tirion und Bolvar verstärkten den Griff um ihre Schwerter.
Sie stürmten los, Marialle, Plagg und seine Sukkubus ließen ihnen jeder einen Zauber vorausfliegen und auch Odessa sammelte nun ihre Kraft. Sie kanalisierte den mächtigen Zauber der Magier, damit ihre Gefährten neue Energie erhielten.
Dolette spürte den frischen Schub durch ihre Glieder strömen und ein gefährliches Lächeln legte sich auf ihre Lippen. Der untote Ork schleuderte den Heranstürmenden eine heulende Böe nach der anderen entgegen und wehrte beständig die mächtigen Streiche der Elfe ab, doch sie erhaschte eine Lücke in seiner Deckung und auch ihre Mitstreiter ließen sich nicht länger zurückdrängen. Gemeinsam droschen sie auf den Todesbringer ein und bald hatte er dem nichts mehr entgegenzusetzen. Ein bedrohliches Grinsen glitt über seine Züge und er drängte seine Kontrahenten mit einem mächtigen Streich von sich. Saurfang hielt seine linke Hand in die Höhe, so dass lilane Blitze aus ihr herausschossen und aus dem Boden kroch eine kleine Armee Ghule.
Thassarian lachte.
"Narr! Ist es euch entgangen, dass ihr es mit drei Todesrittern zu tun habt?", verhöhnte er den Ork, doch dieser grinste noch immer.
"Na los, das können wir auch!", rief er und erhob ebenfalls sein linkes Schwert. Darion Mograine tat es ihm gleich, doch Dolette zögerte.
Warum grinst er so selbstsicher? Er ist uns klar unterlegen, überlegte sie und als die Ghule der Menschentodesritter auferstanden, erkannte sie, warum der Ork sich so siegessicher war, denn die Ghule folgten augenblicklich seinem Ruf.
"Angriff!", brüllte er den geistlosen Dienern zu und ausnahmslos alle gehorchten ihm. Darion und Thassarian erschraken, die dunkle Elfe jedoch konzentrierte ihren Blick auf den Todesbringer. Sie schraubte sich in die Höhe und übersprang viele der hirnlosen Untoten, die auf ihre Gefährten zustürmten. Behände landete sie nur wenige Körperlängen von dem Ork entfernt und stürzte sogleich auf ihn zu. Sie schlug zwei Ghule beiseite und trennte einem weiteren den Kopf ab. Vor Saurfang kam sie zum Stehen. Sie warf noch einen Blick auf Marialle und die anderen, die zwar mit den Schergen des Todesbringers zu tun hatten, aber diese einen nach dem anderen niederstrecken konnten.
"Ehrloser Abschaum, stellt euch und lasst nicht die Ghule euer Werk verrichten!", schrie sie ihm entgegen. "Kommt nur, Spitzohr, meine Axt lechzt nach eurem Fleisch!", war seine gierige Antwort und er leckte sich einmal über die wulstigen graubraunen Lippen.
Das ließ sich die Todesritterin nicht zweimal sagen. Sie setzte sich in Bewegung, umfasste das Heft des Runenschwertes fest mit beiden Händen und ließ es hart auf den Todesbringer niederfahren. Er stemmte seine Axt dagegen und die Züge auf dem untoten Antlitz des Orks verzerrten sich vor Anstrengung. Das Lächeln war einem geraden Strich gewichen, den seine Lippen bildeten. Dolette drängte ihn einige Schritte rückwärts. Von der Seite drangen noch immer Kampfgeräusche an ihre langen Ohren und sie erhob ihr Schwert für einen weiteren machtvollen Streich. Die goldenen Runen erstrahlten auf der Klinge und auch die blau schimmernden Augen der Todesritterin schienen für den Bruchteil eines Herzschlags heller zu strahlen. Die Waffen krachten erneut gegeneinander und dem untoten Ork blieb nur noch der Weg nach hinten.
"Wie macht ihr das? Ich bin Arthas' mächtigster Todesritter!" Dolette grinste kurz, bevor sie ein weiteres Mal ausholte und all ihre Kraft in diesen letzten Schlag legte. "Das übersteigt euren dunklen Horizont, Todesbringer!" Ihr Runenschwert fuhr herab und ließ die Axt des Orks aus seiner Hand wirbeln. Viele Körperlängen entfernt blieb sie im eisigen Boden stecken. Ihre Züge zuckten kurz, als sie spürte, wie die Klinge in das weiche Fleisch von Dranosh Saurfangs untotem Ich drang. Sie schlitzte ihm diagonal den Oberkörper auf und der Ork sank in die Knie. Befriedigt schaute sie ihm in die Augen, die Augenblicke später ihr Schimmern verloren. Der Ork fiel leblos zur Seite.
Die übrig gebliebenen Ghule sanken zurück in den Boden oder lösten sich auf, und ihre Gefährten nahmen entspannte Haltungen an, bevor sie wieder zusammentraten.
"Was für ein Monster!", presste Odessa atemlos hervor, als sie zum Stehen kamen.
"Ein ehrenvoller Streiter, bis in den Tod", ließ Bolvar verlauten, der vor Angrathar noch Seite an Seite mit dem Sohn Saurfangs gekämpft hatte.
Die Todesritterin war die letzte, die bei den Gefährten zum Stehen kam, und sie erforschte den Zustand ihrer Mitstreiter. Es schien allen gut zu gehen, keiner hatte nennenswerte Verletzungen davongetragen. Sie ließ ihren Blick an der Flügeltüre hochgleiten, bis sie die Spitze der Eiskronenzitadelle, hoch oben erblickte, umgeben von dunklen Wolken, in denen Blitze zuckten.
Deine Terrorherrschaft nimmt heute ein Ende, Arthas, Lichkönig.
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Die dunkle Ritterin - Staffel 1
FantasyStaffel 1 der Serie die dunkle Rittern laufend Kein WoW Vorwissen von Nöten. Die Geschichte einer Todesritterin, die durch einen Auftrag für Sylvanas Windläufer, an ihrem vergessenem Leben rührt. Wer war sie einst? Wer ist sie heute? Und was wird a...
