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   Sie hatte es ja gewusst. Noch immer starrte sie fasziniert in die forschenden, blauen Augen der Todesritterin, in denen der goldene Schimmer sanft flackerte. Sie brauchte einige Herzschläge, ehe sie bemerkte, dass sie einander noch immer an den Händen hielten. Doch auch Dolette machte keine Anstalten sich zu rühren. In dem Moment spielten ihre Sinne ihr abermals einen Streich. Die Farbe von Dolettes Haaren nahmen einen satten Goldton an, ihre Haut wurde rosig, die Augen verloren ihren düsteren, leuchtenden Glanz und die Lippen der Elfe, die sie noch immer so schmerzlich liebte, schienen mit Blut befüllt zu werden.
Marialle konnte ihren Blick einfach nicht von den Augen der ehemaligen Paladin abwenden. Sie waren wieder dunkelblau und das Feuer tanzte golden darin. Ein Sog erfasste sie und sie fühlte sich, als würde sie immer näher an diese wunderschönen, forschenden Augen herangezogen. "Dole ...", entwich es ihrer Kehle heiser und leise wie ein Hauch. Ihr Blick strich hinab zu den vollen rosa Lippen und wurde gefangen genommen. Sie schloss ihre Augen, fest entschlossen sich diesem Moment hinzugeben, als plötzlich die Lippen der Todesritterin hart und kalt auf die ihren gepresst wurden. Sie war nach hinten übergekippt und Dolette lag auf ihr, die Augen erschrocken und weit geöffnet, zog sie ihre Lippen schnell einen Fingerbreit zurück.
"Herrin Dolli immer ohne Susanne am kuscheln!", drang das Gejammer der verärgerten Sukkubus an ihre Ohren. Beim Licht, wie lange hatten sie in dieser Starre verbracht? Es war mittlerweile stockdunkel geworden. Marialle starrte noch immer in das makellose Gesicht und aus dem Augenwinkel sah sie, wie sich der Kopf der Dämonin an dem von Dolette vorbei schob und einen Schmollmund aufsetzte. "Susi ...", seufzte die Priesterin kaum hörbar, was der dunklen Ritterin ein Schmunzeln entlockte. "Sag mal, was hast du denn da gerade vorgehabt?", fragte sie süffisant und ein wissendes Lächeln stahl sich auf ihre blutleeren Lippen. Der Menschenfrau stieg eine gesunde Röte in die Wangen und sie brachte keinen Ton heraus. Stattdessen versuchte sie die Untote über ihr, mit sanftem Druck von sich zu schieben, doch diese machte keine Anstalten zu helfen. "Was tust du denn da? Geh runter von mir!", befahl sie, mittlerweile um Atem ringend. Die Todesritterin zog amüsiert eine Augenbraue hoch und drückte sich leicht vom Boden ab, doch gab unter der Last der Sukkubus auf ihrem Rücken gleich wieder nach. Die Hohepriesterin stieß hart die Luft aus. "Schön am kuscheln! Kuscheln, kuscheln. Ja, ja", erklang es genießend hinter der Elfe, die noch immer grinste. "Ich weiß gar nicht, warum du dich beschwerst. Jetzt sollte dir doch warm werden", antwortete sie leicht hin. Und tatsächlich, Marialle spürte Wärme in sich aufsteigen, nein Hitze. Nicht ausgehend von den beiden Frauen über ihr, wenn auch Dolette sicherlich der Auslöser dafür war, dass in ihrem Inneren ein heißes Feuer zu lodern begann und die eigentlich kühle Haut der untoten Elfe überall dort, wo sie die der Priesterin berührte, drohte sie zu versengen. Beim Licht, ihr war schrecklich heiß und erst jetzt spürte sie überall an ihrem Körper die wohlgeformten Rundungen der schönen Elfe. Die Hitze schien sich in ihrem Gesicht und Schoß zu konzentrieren. So hatte sie seit Ewigkeiten nicht mehr empfunden und es war ihr schrecklich unangenehm. Sie stemmte ihre Hände gegen die Taille der Todesritterin und drückte. Vergebens. Dolette grinste noch immer, ein weiteres mal schien sie genau zu wissen, was die Priesterin gerade fühlte und umso mehr konzentrierte sich die glühende Hitze in ihrem Gesicht. 
Doch plötzlich erschrak sie, der heitere Ausdruck im Gesicht der Elfe, verfinsterte sich schlagartig und ein Schatten schien ihr über die Züge zu streifen. "Kinnab! Nimm dieses Ding augenblicklich von mir runter, sonst kannst du deine Knochen aus allen Himmelsrichtungen zusammen sammeln!", zischte sie gefährlich leise, dennoch schien es der Verlassene vernommen zu haben. "Susi! Die beiden ersticken ja, lass sie los!", ließ er sich laut vernehmen und die Dämonin gehorchte widerwillig. 
"Wieso Meisterchen böse am sein? Nächstes mal mit am kuscheln!", schmollte sie wieder.
Dolette hatte Marialle währenddessen die ganze Zeit mit ihrem Blick gefangen gehalten, doch er hatte sich stark verändert. So plötzlich. Er war nicht mehr forschend, nur noch hart und ablehnend. Einen Herzschlag ließ sie noch verstreichen, bevor sie sich so kraftvoll von der Priesterin weg stieß, dass sie gleich einige Körperlängen zurück sprang. Gelandet, drehte sie sich auf dem Absatz um, verschwand im dunklen Nebel und ließ eine verwirrte Marialle zurück.

Die dunkle Ritterin - Staffel 1Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt