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   Ein roter Schimmer funkelte in den sonst so frostigen, blauen Augen der Todesritterin, als sie am Lagerfeuer vorbei auf Plagg sah, der eng umschlungen von seiner irren Sukkubus Susanne, ruhig zu schlafen schien.
Dolette selbst fand keinen Schlaf. Der undefinierbare Sog, den sie in ihrem Inneren verspürte, der sie immer weiter in eine Ungewissheit zog, beherrschte ihre Gedanken mehr und mehr.

"Putress, mein Freund." Mit klobigen Schritten betrat der Schreckenslord das riesige Hauptlabor von Großapotheker Putress. Auf der einen Seite des hell erleuchteten Raumes standen viele verschieden große Käfige mit den merkwürdigsten Wesen angereiht. Auf der anderen diverse Tische, auf denen allerlei Flaschen mit den farblich unterschiedlichsten Flüssigkeiten befüllt waren. Reagenzien blubberten und hie und da stiegen Rauchschwaden auf, die dem Raum einen stinkenden und fauligen Geruch verliehen.

"Ich habe absolut keine Zeit für euch, Varimathras!", fauchte der untote Apotheker und sah kurz auf, bevor er fortfuhr. "Das Licht, das die verlassenen Priester in sich tragen, reicht einfach nicht. Sie sind zu verdorben, sie sind verdammt noch mal untot! Das Licht, das ich aus ihnen gewinne, ist einfach nicht rein genug." Putress bedachte den Nathrehzim, der mit seinen ledernen Schwingen und den großen Hörnern auf der Stirn seinem Dasein als Dämon alle Ehre machte, eines abfälligen Blickes, wie er dort ungeduldig in der Türe stand.

"Also muss es wirklich diese Priesterin sein. Sylvanas hat ihre neueste Errungenschaft, diese Todesritterin, ausgesandt. Sie schien äußerst überzeugt von ihrem Erfolg bei dieser Aufgabe." Der Apotheker schnaufte nur verächtlich, und so wusste Varimathras, dass er hier nicht mehr erwünscht war. Er hoffte nur, dass diese Todesritterin wirklich die Stücke wert war, die Sylvanas auf sie hielt.
Sie erreichten Süderstade um die Mittagsstunde. Dolette wandte sich einer Straße zu und befahl ihrem Gefährten: "Verhaltet euch unauffällig und sorgt dafür, dass eure aufdringliche Dienerin und ihr kein Aufsehen erregt. Ich kümmere mich um die Überfahrt. Wir brauchen ein Menschenschiff, um so schnell wie möglich nach Sturmwind zu kommen. Was wir am wenigsten gebrauchen können, ist ein Mob von Bauern, die mit Mistgabeln und Fackeln hinter euch herlaufen und 'Oh, du böser Untoter!' schreien!" Sie bedachte die beiden mit einem verächtlichen Blick, drehte sich um und setzte sich in Gang.

"Herrin, Dolli, nicht ohne Susanne am gehen!" Die Sukkubus machte Anstalten, ihr hinterherzueilen, der Hexenmeister hatte alle Mühe, sie zurückzuhalten, doch Dolette setzte ihren Weg unbeirrt, mit einem noch finsteren Blick fort.
Etwas außerhalb der Stadt an einem kleinen Pier, vor einem größeren Kutter, fand sie, wen sie suchte, einen Menschen mittleren Alters, der gerade festgemacht hatte.

Nachdem Plagg, zwar unter seiner Kapuze gut verhüllt, einige misstrauische Blicke der Bewohner von Süderstade erntete, beschloss er, lieber außerhalb der Stadt auf seine Herrin zu warten und gönnte sich ein Nickerchen, an einen Baum gelehnt. Seinen Sukkubus hatte er zur Sicherheit wieder in den Nether geschickt.
Er erwachte erst, als er bemerkte, wie er an seiner Robe durch das Unterholz geschliffen wurde.

Erschrocken sah er die Reißzähne, die sich in den Stoff verbissen hatten, die unverkennbar zu einem riesigen Bären gehörten, einem verseuchten noch dazu. Er machte Anstalten, sich zu befreien, doch der Griff des, von Speichel überlaufenden, Mauls war unerbittlich. Einen kleinen Feuerball kanalisierend, drehte er sich so weit wie möglich, um diesen dem Bären entgegenzuschleudern, und so wurde der Untote unsanft zu Boden geschleudert.
Benommen richtete er sich auf und sah sich schwankend nach dem Ungetüm um, das ihn sogleich mit den großen Pranken niederrang und nun kurz davor war, dem Untoten jeden Augenblick den Kopf abzubeißen.

Da wurde der Bär plötzlich von einer riesigen, lilafarbenen, mit Blitzen durchzogenen Hand von ihm gezogen. Er vernahm die glockenklare Stimme seiner Herrin: "Nichtsnutzige Schlabberfratze! Man lässt euch kurz alleine!", stieß die dunkle Ritterin entnervt aus und schleuderte dem verseuchten Geschöpf eine heulende, eisblaue Böe entgegen. Der Zauber der dunklen Ritterin riss das Tier einige Körperlängen fort. Der Hexer, noch immer benommen, versuchte, zu seiner Herrin aufzuschauen.
"Verzeiht mir, Lady Dolette. Ich bin wohl eingenickt", erklärte der Hexenmeister schuldbewusst.

Die dunkle Ritterin - Staffel 1Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt