Die Priesterin saß an ihrem Schreibtisch in dem kleinen Büro des Hauses, das sie und Dolette in der Stadt Theramore gebaut hatten, und dachte zurück an die Dinge, die geschehen waren, seit sie die brennende Legion zurückgeschlagen hatten.
Einige Wochen waren die Truppen um Jaina, Dolette und Marialle Richtung Süden durch Kalimdor gezogen und fanden schließlich die Insel, die sie Theramore nannten, und begannen auf dieser eine Festung zu bauen. Seither waren viele Mondzyklen vergangen und Dolette und Marialle halfen tatkräftig bei der Errichtung der Festung und den Wohnhäusern drum herum. Die beiden hatten sich gut eingelebt und erlebten eine Phase der Ruhe, wie sie sie gemeinsam noch nicht gekannt hatten.
Doch richtig glücklich war Marialle an keinem einzigen Tag in der aufblühenden Stadt.
So viele hatten in der letzten Schlacht vor dem Tor zum Weltenbaum ihr Leben lassen müssen, und das nur, weil Marialle sich nicht dazu durchringen konnte, den Weg zu gehen, der ihr sowieso vorherbestimmt gewesen war. Auch die Paladin schien mit ihrer Rolle, die sie aufgrund ihres Hochmuts vor dem Dämonenlord gespielt hatte, mehr als unglücklich.
So durchlebten sie in Theramore vielleicht ihre ruhigsten, aber auch unglücklichsten Tage seit ihres Kennenlernens vor einigen Jahren. Obwohl die Priesterin sehr genau wusste, was in der Elfe vorging, vermochte sie ihr keinen Beistand zu leisten. Zu sehr lastete ihre eigene Schuld auf ihr. Auch die Beziehung der beiden litt unter den Vorwürfen, die sich jede im Stillen selber machte, enorm.
Sie lebten nur noch nebeneinander her. Dolette half tatkräftig beim Aufbau der Stadt, und Marialle unterstützte Jaina bei den organisatorischen Aufgaben, die der Aufbau und später die Führung der Festung mit sich brachten. Auch die neue Herrscherin von Theramore sowie ihre Gefährten bemerkten die Veränderung, die die beiden durchmachten, doch niemanden ließen sie an sich heran.
Gestern noch hatte Jaina die Priesterin angesprochen: "Liegt es eigentlich daran, dass die Verbindung weg ist, dass es so still zwischen euch geworden ist?", hatte sie gefragt. "Ich weiß es doch auch nicht, Jaina", fiel ihre Antwort knapp aus. Die beiden Frauen waren in der Zeit des Aufbaus sehr vertraut miteinander geworden, und so war die Magierin die Einzige, der sich Marialle anvertraute.
Sie hatte sehr verständnisvoll reagiert und der Priesterin versichert, dass das nichts zwischen ihnen ändern oder ihren Beitrag, den sie am Sieg über die Legion hatte, schmälern würde. Doch auch das ließ das schlechte Gewissen, das die Priesterin hatte, nicht ruhen. Sie wusste, erst wenn sie mit Dolette darüber sprechen würde, würde die Last leichter werden, auch wenn sie ihr niemand gänzlich nehmen konnte.
Aber Marialle hatte Angst. Es schien ihr eh schon, als würde ihre Beziehung nur noch auf wackligen Beinen stehen und sie wusste nicht, ob die Paladin es ihr so leicht verzeihen könnte, wie es Jaina getan hatte. Schließlich müsste die Elfe nicht mit ihrer eigenen Schuld leben, hätte sie früher preisgegeben, was ihr in der Nacht vor der finalen Schlacht klar geworden war.
Abgelenkt von den düsteren Gedanken kam sie mit ihrer Arbeit, die vor ihr auf dem Schreibtisch lag, auch nicht weiter, also beschloss sie, etwas spazieren zu gehen.
Marialle schritt durch die Straßen der jungen Stadt. Überall begrüßte man sie herzlich und jedes Mal versetzte es ihr einen kleinen Stich. Das Haupthaus war schon lange errichtet und viele weitere drumherum. Aktuell gingen die Bauarbeiten um die Stadtmauer zügig voran. Aus der Ferne sah sie ihre Geliebte, die gerade mit einigen anderen Arbeitern einen Stein auf den anderen hievte. Obwohl sie ihre elegante Rüstung gegen eine robuste Hose und ein luftiges Hemd getauscht hatte, war sie noch immer ein wundervoller Anblick. Einzig ihre Augen hatten an Schönheit verloren, seitdem sie weder blau noch gold waren. Sie hatte sich zwar schon daran gewöhnt, doch empfand die Priesterin das leuchtende Giftgrün, das jetzt in ihnen lag, noch immer als unbehaglich.
Ihre eigenen Augen waren wieder in die ursprüngliche, bernsteinene Farbe getaucht und so konnte sie sich noch weniger erklären, was es mit dem Grün in denen der Paladin auf sich hatte. Auch keiner der Anführer hatte dafür eine Erklärung und so beließ die Elfe es dabei.
Dolette schien den Blick der Priesterin zu spüren, denn in dem Moment schaute sie auf und winkte ihr gut gelaunt zu.
Das waren die einzigen Augenblicke, in denen sie halbwegs glücklich aussah. Sobald die Arbeit vorbei war und die Paladin Ruhe hatte, verfiel sie in schweigsame Grübelei.
Marialle winkte ihr gedankenverloren zurück und schritt weiter.
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Die dunkle Ritterin - Staffel 1
FantasiStaffel 1 der Serie die dunkle Rittern laufend Kein WoW Vorwissen von Nöten. Die Geschichte einer Todesritterin, die durch einen Auftrag für Sylvanas Windläufer, an ihrem vergessenem Leben rührt. Wer war sie einst? Wer ist sie heute? Und was wird a...
