Die Spitze der rot glühenden Klinge deutete noch immer bedrohlich auf die Kehle von Koltira Todesweber, aber keine Angst schien ihn zu überkommen. Im Gegenteil, es lag noch immer ein gefährliches Grinsen auf seinen aschfahlen Lippen, ebenso auf denen seiner Kontrahentin, die ihr Runenschwert nun in einer eleganten Wirbelbewegung zurück in die Scheide auf ihrem Rücken gleiten ließ.
Ein Raunen ging durch die Reihen der umstehenden Soldaten und Todesritter. Der Blutelf wandte sich um und trat auf seine Klinge zu, die noch immer im Boden steckte, und zog sie heraus.
"Beeindruckend, Lady Glutklinge", sprach er mit seiner angenehmen Stimme, nachdem er sich wieder ihr zuwandte. "Vielen Dank, Lord Todesweber. Das war äußerst aufschlussreich, ich stehe tief in eurer Schuld." Sie deutete eine Verbeugung an, während sie sprach. "Sagt das nicht zu laut, Mylady. Koltira wird das mit Sicherheit einfordern", mischte sich eine lachende Stimme ein, die von Darion Mograine ausging. Er trat gerade näher an die beiden heran, und der Rest der Schaulustigen ging wieder seinem Tagewerk nach.
"Das klingt ja fast bedrohlich, Lord Mograine", schmunzelte die dunkle Elfe. Der Menschentodesritter trat noch etwas näher an sie.
"Das sollte es auch." Sie lachten alle herzlich.
"Glaubt diesem dahergelaufenen Abklatsch eines Todesritters kein Wort, Mylady. Ich würde doch nie..." versuchte Koltira, sich aus dem Fokus zu ziehen, doch Darion unterbrach ihn frech und grinste noch immer verheißungsvoll. Er legte seine fahle Hand auf ihre schwarze Schulterplatte und drehte sich leicht mit ihr von Koltira weg.
"Wisst ihr denn nicht, was man sich über Lord Todesweber erzählt?" Dolette zog eine Augenbraue hoch, und die beiden steckten die Köpfe noch etwas tiefer zusammen. Hinter ihnen versuchte der Blutelf, etwas von dem Gesagten zu erhaschen, doch die dunkle Ritterin sprach gerade so laut, dass Darion sie verstehen konnte. "Nein! Was erzählt man denn?" kam es gespielt entrüstet von ihr.
"Na, ihr wisst doch, wie wir Todesritter sind, und man sagt sich, dass Koltira von uns allen der schlimmste sein soll", erklärte Darion verheißungsvoll zwinkernd, und plötzlich verstand Dolette. Ihre Gesichtszüge erkalteten.
Wenn sich ein Todesritter eine Gespielin suchte, war dieses Wesen alles andere als zu beneiden. Züchtigung und Erniedrigung waren die Worte, die die Beziehung zu einem Todesritter bezeichnend beschrieben, und so kam es so gut wie nie vor, dass sich eines dieser dunklen Geschöpfe einen Gleichgesinnten in sein Bett oder, beim Licht, seine Folterkammer holte. Die ehemalige Paladin überlegte, ob die Ritter der schwarzen Klinge da eine Ausnahme machten, aber so wie der Mensch sich anhörte, war Koltira weniger eine Ausnahme als mehr ein Paradebeispiel.
Sie legte ihre Maske auf und straffte ihre Statur.
"Mylords, ich denke, ich werde mich in meine Unterkunft zurückziehen. Lasst es mich wissen, wenn ihr mich braucht." Sie verbeugte sich kurz und eilte dann aus der Mitte des Hofes zu ihrer kleinen Hütte.
Schwer atmend schloss sie die Türe hinter sich. Auf so eine absurde Idee würde der Blutelf wohl kaum kommen, oder?
Sie schalt sich für diese törichten Gedanken, sie war ihm überlegen, das war so gar nicht nach dem Geschmack eines Todesritters.
Ein Klopfen an der Türe riss sie jäh aus ihren Gedanken. Sie öffnete und war wenig überrascht, den Blutelfen vor sich zu sehen.
"Lord Todesweber, was kann ich für euch tun?", begrüßte sie ihn durch die Maske der Gleichgültigkeit. "Darf ich?", bat er um Einlass. Sie musterte ihn, er wirkte durchaus etwas besorgt, aber an sich, selbstsicher wie immer.
"Sicher, nehmt auf dem Bett Platz, ich habe in dieser Hütte weder Tisch noch Stühle." Er nickte und setzte sich auf die Bettkante.
"Nun, was gibt es?", fragte sie erneut und sah ihm direkt in die leuchtend blauen Augen, die ihren so ähnlich waren. Er erwiderte den Blick, doch sagte eine Weile nichts.
"Ich bin nur hier, um euch mitzuteilen, dass egal welchen Floh der schwarze Wächter euch ins Ohr gesetzt hat. Er übertreibt maßlos!", stieß er hervor, als hätte er sich die Worte vorher zurechtlegen müssen.
"Kein Grund zur Sorge, Lord Todesweber. Er hat sich doch nur einen Scherz erlaubt", erwiderte Dolette ruhig.
"Ist das alles, was ihr wolltet?", brachte sie es eilig auf den Punkt. Sie fühlte sich mittlerweile gänzlich unwohl in der Gegenwart des untoten Blutelfen. Sein unverhohlenes Interesse und seine ungewöhnlich freundliche Art hatten sie die ganze Zeit schon irritiert. Die Worte des Anführers der Ritter der schwarzen Klinge taten nun ihr Übriges. Was er auch wollte, er sollte es jetzt vortragen.
"Ja!", kam es steif von ihm und er wollte sich schon aufrichten, doch die Todesritterin hielt ihn auf, drückte ihn mit einem Finger zurück in seine sitzende Position.
"Hat der Hochlord denn mit seinen Worten recht? Hätte ich meinen Dank nicht in eine Schuld fassen dürfen? Was gedenkt ihr als Gegenleistung für eure kostbare Hilfe einzufordern?" Der Blutelf schluckte, er schien sich ertappt zu fühlen und räusperte sich nun.
"Mylady, ich würde niemals etwas einfordern, was ich freiwillig von euch zu bekommen gedenke." Sie zog eine Augenbraue hoch und wartete einen Moment, damit er mit der Sprache rausrückte. Da er dies aber offensichtlich nicht beabsichtigte, drängte sie weiter auf eine klare Aussage.
"Lord Todesweber, bisher erschient ihr mir nicht wie jemand, der um den heißen Brei herum palavert, würdet ihr es auf den Punkt bringen?" Er schluckte wieder und rang anscheinend nach Worten. Dolette wurde es unbehaglicher, mit jedem Herzschlag der verging und ihre Blicke waren von forschend in stechend übergegangen.
"Also schön. Ich hätte gern etwas mehr Zeit mit euch verbracht, um euch besser kennenzulernen, aber ihr seid offenbar nicht die Geduldigste unserer Art. Wenn es an der Zeit wäre, wollte ich euch fragen, ob ihr meine Gefährtin werden wollt und wenn das hier alles überstanden ist, würdet ihr mich nach Agmars Hammer begleiten, oder wo auch immer uns der Wind hinträgt." Dolette glaubte ihren Ohren nicht zu trauen, sie hatte ja damit gerechnet, dass es in diese Richtung ginge, aber gleich ein ganzes Leben als Dank einfordern? Das ging zu weit.
"Ich hätte eigentlich gedacht, dass euch nach unserem kleinen Übungskampf mehr als deutlich bewusst geworden ist, dass ich ebenso eine Todesritterin bin, wie ihr einer seid, Lord Todesweber. Wie kommt ihr auf die Idee, ICH würde mich einem anderen Todesritter anschließen, um seine Bettgespielin zu werden? Habt ihr den Eindruck, es wäre eine meiner Stärken, mich so unterzuordnen?" Eiskalte Ruhe lag in ihrer Stimme und ihre Augen funkelten gefährlich zu Koltira hinab. Er wollte etwas erwidern, doch sie ließ ihn nicht.
"Und überhaupt, habt ihr etwa schon einmal davon gehört, dass sich zwei Todesritter auf diese Weise zusammentun? Meint ihr, sie suchen sich umsonst irgendwelche schwachen Wesen für ihre perversen Spielchen?" Die dunkle Elfe wurde immer leiser und zuletzt zischte sie die Worte nur noch. Im Blick des untoten Blutelfen wechselten die Ausdrücke rasend, von verwirrt, zu betrübt, über wütend und schließlich zu entrüstet.
"Also perverse Spielchen, Mylady...." Koltira schüttelte kaum merklich den Kopf.
"Ich verstehe gar nicht, warum ihr euch so habt. Meint ihr, wir anderen Todesritter hätten noch nicht bemerkt, dass ihr nicht seid, wie wir?" Dolettes Gesichtszüge verhärteten sich augenblicklich weiter, was ihr vorher nur unangenehm war, erschien ihr nun beinahe bedrohlich.
"Was wollt ihr damit sagen?", presste sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Er schmunzelte nun.
"Mylady, so entspannt euch doch wieder. Ihr könnt doch nicht leugnen, dass euch etwas umgibt, was kein anderer Todesritter an sich hat", lautete nun seine ruhige Antwort, doch es reizte sie nur umso mehr, dass er noch immer nicht auf den Punkt kam.
"Jetzt redet schon Klartext, bevor ich mich vergesse, Todesweber. Ansonsten halte ich mich nicht mehr zurück, wie noch eben im Innenhof!", stieß sie nun gereizt aus und gab ihrem Unmut Luft.
Ein Grinsen zog nun vollends auf seine blutleeren Lippen. "Von mir aus. Ich weiß nicht, was es ist, aber ihr seid weich, ganz anders als wir, ihr fühlt wie ein Lebendiger, ist es nicht so, Lady Glutklinge? Stellt euch vor, was für ein Gefühl es wäre, jemanden wie euch zu besitzen! Überhaupt einen anderen Todesritter sein Eigen nennen zu können. Oh, mir würden so viele wunderbare Dinge einfallen, mit denen man euch quälen und erniedrigen könnte. Euren gefühlsbehafteten Geist zu brechen, euch zu unterwerfen und zu beherrschen, wäre ein Genuss." Koltiras Augen leuchteten in dem unheilvollen Blau auf, voller gieriger Erwartung. Dolette hingegen durchfuhr ein eisiger Schauer und sie wandte sich angewidert ab.
"Ihr seid doch nicht mehr ganz bei Trost! Wie kommt ihr darauf, ich würde mich diesem Wahnsinn freiwillig ausliefern?" Er zuckte schmunzelnd die Schultern.
"Es hätte auch für euch seine Vorteile, Mylady. Ihr wärt unter euresgleichen und es gäbe ja sicherlich auch die ein oder andere Belohnung, die euch in Ekstase versetzen könnte, wenn ihr euch denn züchtig und gehorsam zeigt. Ich denke, das sind gar nicht so schlechte Aussichten." Der Gedanke schien sich unerbittlich in seinen Geist zu schleichen, denn das Lächeln hatte sich auf seinen Lippen festgesetzt. Sie schluckte ihren Zorn und Ekel herunter und versuchte, ihre folgenden Worte ruhig und klar zu formulieren.
"Mylord Todesweber, ich sage euch das Folgende nur ein einziges Mal. Selbst wenn ich tatsächlich den Hauch von Interesse an eurem unverschämten Angebot hätte, so könntet ihr mich dennoch nicht haben, ich bin bereits gebunden." Sie ließ ihre Worte wirken, doch verfehlten sie ihre Wirkung offenbar meilenweit. Der Todesritter schien gereizter denn je und hatte Mühe, seine Gier zu verbergen.
"Ihr... Ihr seid gebunden? Nach dem, was ihr von euch gegeben habt, gehe ich davon aus, ihr redet von Liebe, ist es nicht so?" Er leckte sich kurz über die Lippen und wieder stahl sich dieses begierige Lächeln darauf. Dolette nickte nur schwach, als sie sich klar darüber wurde, dass sie den Jagdinstinkt des Blutelfen gerade ins Unermessliche gesteigert hatte.
"Ein Todesritter wird er ja wohl kaum sein, ihr seid ja nun wirklich ewig weit davon entfernt, eine devote Haltung anzunehmen, aber wer würde sich sonst auf eine Todesritterin einlassen?", schmunzelte er gedankenverloren und der dunklen Elfe rissen, beim Gedanken an Marialle, alle Geduldsfäden.
"Ihr solltet gehen, Koltira! Hier gibt es nichts für euch zu holen." Sie öffnete die Tür ihrer Hütte und nickte hinaus. Er ließ sich kein weiteres Mal bitten und erhob sich. In der Türzarge hielt er kurz inne und nahm eine ihrer hellblonden Wellen zwischen Daumen und Zeigefinger.
"Das würde ich nicht so laut sagen, Mylady", flüsterte er ihr zu und verbeugte sich tief, als er einen Schritt von ihr wegtrat.
Die Todesritterin schaute ihm noch eine Weile mürrisch hinterher, bevor sie sich in ihre Räumlichkeiten zurückzog und sich auf das Bett legte, auf dem der Blutelf noch bis eben gesessen hatte.
Es fiel ihr ungewohnt schwer, endlich einzuschlafen, doch die Sehnsucht nach der Hohepriesterin war größer denn je.
Der See war leer und bot so ein ernüchterndes, wenn auch vertrautes Bild.
Sie dachte noch immer an den unverschämten, wenn nicht sogar bedrohlichen Todesritter, doch nach einer Weile verdrängte die Sorge an die Priesterin die düsteren Gedanken.
Es schien ihr, als würde sie schon eine Ewigkeit warten, doch schließlich erschien die Menschenfrau in einem silbernen Lichterregen. Sie schaute sich kurz um und lächelte sanft, als sie die Elfe entdeckte.
Geht es dir gut?, stieß Dolette voller Sorge hervor und watete so schnell es ging, durch das glitzernde Wasser. Marialle nickte eifrig und grinste mittlerweile. Als die Todesritterin genauer hinsah, fiel ihr auf, dass die Wangen der Priesterin deutlich gerötet waren und als sie dann anfing zu sprechen, wurde ihr auch klar warum.
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Die dunkle Ritterin - Staffel 1
FantasyStaffel 1 der Serie die dunkle Rittern laufend Kein WoW Vorwissen von Nöten. Die Geschichte einer Todesritterin, die durch einen Auftrag für Sylvanas Windläufer, an ihrem vergessenem Leben rührt. Wer war sie einst? Wer ist sie heute? Und was wird a...
