"Susiiiii! Beim Dämon, beeil dich, komm zurück!", schrie der Meister der Sukkubus laut durch den Himmel zu. "Blöde, blöde Kanonen, denen ich am zeigen! Susanne Feuer, ja, ja!"
"Sieh zu, dass du deinen Hintern zu mir zurück bewegst, jetzt!", befahl Plagg nun deutlich weniger besorgt. "Ja, ist ja gut, Herrchen. Susanne ja am kommen!", flötete die Dämonin leichthin, als wäre sie auf einer friedlichen Blumenwiese. Eine weitere Kanonenkugel sauste an ihr vorbei und schlug in den Bug der Ogrims Hammer ein.
"Gegenangriff!", brüllte Korm Schwarznarbe über die Köpfe der Hordler hinweg und Odessa, Borigan und Plagg sahen erschüttert hinüber zur Himmelsbrecher. "Engstirnige Narren! Wie können sie sich nur, im Angesicht des wahren Feindes, so sehr dezimieren?", presste der Krieger zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Das Luftschiff der Allianz wurde von einer der Kanonenkugeln gestreift und kam nun immer näher. Die Ogrims Hammer schwankte schon bedrohlich hin und her, doch das schien keinen der Krieger, die es nach Allianzblut dürstete, zu interessieren.
Weitere Stahlkugeln flogen zwischen den beiden gewaltigen Luftschiffen hin und her und rissen immer wieder große Löcher in die Holzkonstruktionen.
"Wir müssen was unternehmen!" Es war Odessa, die sich suchend umsah, in der Hoffnung einen Einfall zu bekommen. Der Hexenmeister beobachtete unterdessen, wie sich die Himmelsbrecher immer weiter an die Ogrims Hammer heran schob.
"Es wäre Zeit für einen brillanten Einfall!", ließ sich Thassarian vernehmen, der mit finsterer Miene das Geschehen verfolgte. Der Ogrims Hammer war schon greifbar nah und einige der Allianzstreiter griffen sich eines dieser unsicheren Jetpackdinger, die die verrückten Goblins an jeden verkauften, der genug Gold dafür bot. Als Dolette hinüber auf das Luftschiff der Horde schaute, erkannte sie, dass die Krieger dort dasselbe taten. "Vergesst es! Wir sollten versuchen, so unbehelligt wie möglich aus diesem Kampf hervorzugehen und den Lichkönig zu stürzen! Wie konnten nur so viele das wichtige Ziel aus den Augen verlieren?" Dolette war derselben Meinung wie Tirion Fordring und nickte ihm zu. Marialle allerdings stand noch immer gebannt an der Reling und starrte auf das andere Luftschiff. Die Todesritterin trat nah an sie heran und fragte sie so leise, dass nur die Priesterin es hören konnte.
"Du kannst nicht ohne sie gehen, richtig?" Die Angesprochene schüttelte nur leicht mit dem Kopf, doch die dunkle Elfe grinste entschlossen, was ihr diesen jugendlichen Anblick verlieh und ihr einen verwunderten Blick einbrachte. "Ich auch nicht!", flüsterte sie nah an Marialles Ohr, was sie anscheinend erschaudern ließ. Mit einem breiten Lächeln schwang sie sich in die Höhe und ließ ihren Todesgriff an einen der Maste schießen. Wie an einer Liane schwang sie elegant auf das Deck der Ogrims Hammer.
"Lady Dolette!", stieß Plagg überrascht hervor. "Herrin Dolli, gekommen uns zu retten." Die Sukkubus war verzückt und schlang ihre lilanen Arme um die Todesritterin, die dies ungewöhnlicherweise lächelnd hinnahm. "Ich denke, dies ist das Ende dieser Flugreise, Freunde." Blitzschnell zog sie ihr mächtiges Schwert und die goldenen Runen auf der Klinge pulsierten im Takt ihres ruhigen Herzschlags. Drei Orks standen hinter der blonden Magierin und holten gerade aus, doch der eiskalte Ausdruck in den blau schimmernden Augen der Todesritterin schien ihnen Einhalt zu gebieten. Sie drehten ab. "Odi, teleportier uns rüber!", befahl die Elfe und die Angesprochene stockte einen Augenblick, bevor sie sich fasste und tat, wie ihr geheißen.
Ein Luftschiff wurde durch das andere ausgetauscht und Herzschläge später erkannte sie die Gestalt der schönen Hohepriesterin vor sich.
"Sag mir das nächste Mal gefälligst, was du vorhast!", stieß sie gespielt empört hervor.
"Wie ihr wünscht, Mylady", entgegnete Dolette übertrieben höflich.
"Also, was nun? Versuchen, Varian zur Vernunft zu bringen, oder direkt in die Schwachstelle der Zitadelle teleportieren?", wandte sich die Untote an die Übrigen.
"Zwecklos! Ich kenne Varian!" Die dunkle Stimme Bolvar Fordragons dröhnte zu ihr hinüber und sie nickte in die Runde.
"Dann holen wir uns Arthas! Irgendjemand muss ja dafür sorgen, dass die Welt nicht untergeht!", ließ sie verlauten, und genau in diesem Moment schlug eine Kanonenkugel schräg unter den Gefährten, aus viel zu naher Entfernung ein. Die beiden Luftschiffe wurden hart auseinandergerissen, ebenso die Gefährten.
Dolette brauchte nicht lang, um sich zu fangen, doch sah sie ihre Mitstreiter überall an Deck verteilt und teilweise reglos liegend. Ihre erste Sorge galt der schönen Menschenfrau, die sie liebte. Innerhalb weniger Herzschläge war Dolette an ihrer Seite und half ihr auf. "Alles in Ordnung, Mari?", fragte sie knapp und die Angesprochene brauchte nur zu nicken. Die Todesritterin stürmte weiter. Bolvar, Tirion, Darion und Thassarian richteten sich aus eigener Kraft wieder auf, ebenso Borigan und Plagg, nur die Menschenmagierin lag reglos auf den Holzplanken des Decks. Eilig hiefte sie die kleine Frau auf ihre Arme und rannte rasch zurück zu der Priesterin. Ohne Worte zu verschwenden, ließ Marialle ihre Hände über die junge Frau gleiten und das silberne Licht an ihren Händen schien in die Blonde einzudringen.
Währenddessen drifteten die Wunderwerke der Horde und Allianz auseinander. Die Himmelsbrecher knarrte bedrohlich und der Wind an Deck nahm zu. Dolette beobachtete den Ogrims Hammer einen Augenblick, wie er rasch an Höhe verlor und einen grauen Rauchstreifen hinter sich herzog.
"Wir verlieren an Höhe!" Muradin Bronzebart brüllte über die vielen Köpfe seiner Besatzung und der Soldaten des Königs hinweg. "Mari, wieso wacht sie nicht auf?", entfuhr es der dunklen Elfe ungeduldig und die Priesterin wirkte ratlos.
"Wenn man so einen auf den Deckel bekommen hat, reicht es nun mal nicht immer die Wunde zu verschließen, damit derjenige sofort aufwacht", entgegnete die Priesterin würdevoll.
"Dann müssen wir springen! Seht ihr, wir werden die Balustrade höchstens streifen, wir müssen alle zur selben Zeit springen!" Tirion Fordrin hatte offenbar den Blick fürs Wesentliche nicht verloren und so folgten alle seinen Worten und sahen, wie sie schnell auf die angesprochene Balustrade zusteuerten. "Erhebt euch! Wir dürfen keine Zeit verlieren!", befahl Dolette und alle gehorchten. Borigan hatte die Magierin auf seine breite Schulter gelegt und die Gefährten traten an die Reling. Der Hexenmeister war auf die Arme seiner Dienerin gesprungen und gemeinsam flogen sie voraus.
Die Zeit schien still zu stehen, während die dunkle Ritterin noch einen Blick mit Marialle austauschte. Ohne es bewusst zu tun, reichte sie ihr die Hand und die Priesterin ergriff sie. Gemeinsam wandten sie ihren Blick auf das Ziel und der Moment war verstrichen. Gleichzeitig stießen sich die Gefährten von dem Holz ab, das einst das Deck der Himmelsbrecher war.
Der Aufprall war hart, doch noch immer spürte sie die Wärme, die von der Hand der Menschenfrau ausging, und das war das Wichtigste. Dennoch erhob sie sich rasant, wie eine Raubkatze, und stürzte, einem Impuls folgend, auf die Klippe zu. Ein Schrei ertönte und drang an ihre spitzen Ohren, wie aus weiter Ferne. Sie sah noch die hellen blauen Augen und das Silber der Rüstung des Paladins aufblitzen, ehe er im Dunkel verschwand. Ziellos warf Dolette ihm ihren Todesgriff hinterher, doch als er federleicht zurückschnellte, wusste sie, dass es vergebens war. Sie starrte leer auf den Horizont, und überall waren weiße, kissenähnliche Gebilde zu sehen, die langsam hinabgleiteten. Offenbar hatten sich die Mitglieder der Horde und Allianz mit sogenannten Fallschirmen retten können. Wenigstens eine sinnvolle Erfindung der tüftelnden Goblins.
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Die dunkle Ritterin - Staffel 1
FantasiStaffel 1 der Serie die dunkle Rittern laufend Kein WoW Vorwissen von Nöten. Die Geschichte einer Todesritterin, die durch einen Auftrag für Sylvanas Windläufer, an ihrem vergessenem Leben rührt. Wer war sie einst? Wer ist sie heute? Und was wird a...
