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Hallo ihr Lieben,
Ich war fleißig und habe die Struktur meiner Geschichten etwas überarbeitet. So wurde DdR zu einer Serie. Schaut also gerne mal in die anderen Geschichten, wenn ihr lesen wollt, wie Dole und Mari sich in ihren anderen Leben schlagen.
Lovin' Alabama sucht übrigens ein neues Cover. Wer eine schöne Idee hat, meldet sich gerne bei mir.

Viel Vergnügen

~

Sie gingen langsam und Dolette führte die Priesterin zu der Hütte, die ihr zur Verfügung gestellt wurde. Sie konnte ihre Gefühle nicht deuten. Das, was zuletzt so klar in den gemeinsamen Träumen war, schien ihr plötzlich unerreichbar fern. Erst die Umarmung der Menschenfrau, in der sie sich nicht rührte, und jetzt kam ihr kein Wort über die Lippen. Die Sehnsucht und vor allem die Sorge der letzten Tage hatten ein gewaltiges Loch in ihre, zuletzt so klare, Gefühlswelt gerissen.
"Dole?" Die intime Ansprache, die nur Marialle benutzte, jagte ihr Schauer über den Rücken und sie sah erschrocken auf. Die Todesritterin versuchte sich an einem schwachen Lächeln, als sie die verwunderte Anspannung in den schönen, bernsteinfarbenen Augen sah, in denen das Gold der Sonne funkelte.
"Mh?" Es gelang ihr offenbar in keinster Weise, denn die Hohepriesterin schaute sie nun vollends besorgt an.
"Willst du die Tür nicht öffnen?", fragte sie, und ihre Stimme drang kraftlos an die spitzen, langen Ohren. Die Angesprochene sah verwundert hinab auf ihre Hand, die schon eine Weile auf der Klinke zu ruhen schien.
"Oh, ja natürlich", stammelte sie verwirrt. Was war nur los mit ihr? Sie verstand sich selbst nicht mehr. Sie hatte sich so um die schöne Frau mit den bernsteinfarbenen Augen gesorgt. Sie lagen sich im Traum in den Armen und küssten sich. Sie spürte noch immer die Sehnsucht, und jetzt vermochte sie diese Schwelle partout nicht zu überschreiten.
Geistesabwesend betrat sie, dicht gefolgt von Marialle, die kleine Hütte und bot ihr mit einer halbherzigen Handbewegung den Platz auf ihrem Bett an. Die Priesterin setzte sich elegant hin, und auch in der aufrecht sitzenden Haltung raubte ihre traurige Schönheit der dunklen Elfe den Atem. Als sie nun genauer hinsah, erkannte sie, wie rot vom Weinen die Augen der sonst so lebenslustigen Frau waren. Sie schien ähnlich schlimme Gedanken in den letzten Tagen gehabt zu haben. Wer weiß? Vielleicht sogar schlimmere. "Bitte sag mir, was in dir vorgeht", bat sie flehentlich, und in ihren Augen stand tiefe Trauer, wobei die Todesritterin sich nicht sicher war, ob es Spuren der Sorge waren oder ob sie die Zurückhaltung, die sie ihr gerade entgegenbrachte, so sehr verletzte. Sie wusste nicht, wie sie darauf antworten sollte, darum entgegnete sie eine Gegenfrage. "Wie meinst du das?" Bemüht, wieder die Maske der Gleichgültigkeit aufzulegen, die ihr so lange ein treuer Begleiter war. Marialle schmunzelte kaum merklich und ließ den traurigen Blick wieder sinken. Sie schien selbst um die richtigen Worte zu ringen, für das, was sie gerade empfand.
"Ich dachte, ich hätte dich verloren", wiederholte sie die Worte, die sie ihr schon bei ihrer stürmischen Begrüßung entgegengebracht hatte. Dolette spürte einen heißen Stich in ihrem Herzen, als eine einsame, silberne Träne das ausdruckslose Gesicht hinabrollte und auf dem Schoß der Hohepriesterin zerbarst.
Überwinde deine Scheu!, erklang die Stimme in ihr gebieterisch. Ihre Augen weiteten sich kurz, als sie den ungewohnt harschen Befehl vernahm und erinnerte sich nur noch schemenhaft an den Wandel, der in ihr stattgefunden hatte, seit die Runen auf ihrem Schwert umgeschmiedet worden waren. Einem Impuls folgend, kniete sie sich vor die verzweifelt scheinende Frau und legte ihre Hand auf die, schwach auf dem Bett ruhende, der Priesterin. Das goldene Schimmern erhellte das Gesicht der Menschenfrau und ließ das salzige Nass in ihren Augen glitzern.
"Ich dachte doch auch, ich hätte dich verloren, Marialle." Als sie ihren Namen vernahm, blickte sie auf und sprach leise, fast zaghaft: "Warum bist du denn dann noch immer so unerreichbar fern?" Ihre Stimme zitterte und schien dem Schluchzen nah, doch Dolette konnte sich endlich ein Herz fassen. Sie ließ ihre Hand langsam am Arm von Marialle hochgleiten, streifte über ihre Schulter und ihr Schlüsselbein, bis hoch über ihren schlanken Hals zu ihrer Wange und strich dort sanft mit ihrem Daumen entlang. Die Elfe spürte wie es ihr selbst Schauer durch den Körper jagte und hin und wieder zuckte sie leicht.
"Du musst mir verzeihen.", bat Dolette nun flehentlich und erntete dafür einen überraschten Blick.
"Was denn?", entgegnete die Priesterin knapp. "Wir waren uns schon so nah, damals in dem See und in unseren gemeinsamen Träumen, aber jetzt bin ich so ..." Zorn stieg in ihr auf, über die Unfähigkeit, sich der Frau, die sie doch liebte, erklären zu können. Sie wandte den Blick ab. Marialle ihrerseits legte der dunklen Elfe einen Finger auf die Lippen und versuchte zu lächeln.
"Schon gut, du musst nichts sagen und auch nichts tun, du lebst und ich lebe auch, das ist doch das Wichtigste." Das war zwar wahr, dennoch konnte Dolette ihr die Enttäuschung weiterhin ansehen und sie wusste, dass sich dieser Ausdruck in ihrer eigenen Miene widerspiegelte. Sie entschied sich für den direktesten Weg, der ihr gerade machbar erschien und schaute Marialle direkt an.
"Ich liebe dich!", kam es viel zu laut und schroffer, als sie es gewollt hatte, aus ihrem Munde. Die Hohepriesterin sah sie kurz, wie vom Geist gerührt, an, doch wurden ihre Züge rasch sanft. Erneut bildeten sich Tränen in ihren Augen, und nun konnte sie ehrlich lächeln. Kurz schien es Dolette, als würde sie ihr wieder um den Hals fallen wollen, und sie sah beschämt zu Boden, als sie sich offensichtlich selbst davon abhielt, doch das seichte Lächeln umspielte noch immer ihre vollen, blassrosanen Lippen. Sie nahm die Hand der Elfe, die noch immer auf ihrer Wange ruhte, in ihre und zog sie mit zarter Gewalt vor ihren Mund, um ihr einen sanften Kuss auf den Handrücken zu legen. Sie sagte nichts und das musste sie auch nicht. Langsam entließ sie die Hand der Todesritterin und sah ihr nun wieder direkt in die Augen. Dolette spürte auf einmal den Drang in sich aufsteigen, den sie die ganze Zeit über vermisst hatte, und bevor sie sich im Blick der Priesterin verlor, beugte sie sich leicht vor und küsste zaghaft die Wange der schönen Menschenfrau. Als sie sich wieder zurückziehen wollte, wurde sie fest und bestimmend von ihr zurückgehalten. Die ehemalige Paladin spürte den warmen Hauch des Atems an ihrem Ohr, als Marialle flüsternd zu ihr sagte: "Gib nur das was du kannst, ich habe so lang auf dich gewartet und ich würde die Ewigkeit weiter warten." Die Worte klangen merkwürdig vertraut und der warme Hauch jagte ihr einen Schauer über den Rücken, von dem sich ihre Nackenhaare aufstellten und der Drang wurde plötzlich übermächtig. Ihr wurde heiß und kalt und sie schloss die Arme um die schmale Taille der Priesterin. Die dunkle Elfe zog ihren Kopf leicht zurück, während sie eine Hand ihren Rücken hinaufstreichen ließ. Von den wunderschönen, bernsteinfarbenen Augen rutschte ihr Blick immer wieder hinab zu den vollen Lippen und ein Verlangen stieg in ihr auf, wie sie es noch nicht gekannt hatte. War es das, was Koltira bewog, ohne Rücksicht auf die anderen, seiner Begierde nachzugehen?
Sie wusste, dass Marialle sich auch danach sehnte, doch selbst wenn sie es nicht getan hätte, wäre es ihr in diesem einen Moment vielleicht egal gewesen. Sie legte ihre aschfahlen Lippen auf die rosigen der Hohepriesterin und küsste sie mit einer Leidenschaft, wie sie nie geglaubt hätte, sie verspüren zu können. Marialle erschauderte in ihren Armen und ließ sich nur allmählich auf den Kuss ein. Ihr entfuhr ein Keuchen, als sie sich kurz voneinander lösten und sie in den Augen der Priesterin einen begierigen Funken erhaschte, mit dem sie sich zu vergewissern schien, ob die Todesritterin wirklich sie selbst war. Sie zog sie wieder an sich und presste ihre Lippen auf die der dunklen Elfe. Der Kuss nahm an Intensität zu und die Hände der Untoten strichen wild und forschend über den wohlgeformten Körper der Menschenfrau.

Was geschah hier nur? Dolette war die ganze Zeit so zurückhaltend gewesen, und jetzt schienen all die Gefühle aus ihr herauszubrechen. Marialle spürte die hagere Statur der eh schon schlanken Elfe deutlich an sich, und obwohl ihr eigenes Verlangen stetig anstieg, kam ihr die plötzliche Leidenschaft der Todesritterin übereilt vor, und so legte sie ihr sanft eine Hand unter das Schlüsselbein, das bedenklich hervortrat. Dolette ließ sich nicht beirren, sie erschien ihr nun fast wie besessen. Sie verstärkte den Druck mit der Hand, und so gab sie widerwillig nach. Geräuschvoll ausatmend sah sie die Priesterin fragend an. Marialle beließ ihre Hand an der Stelle und spürte überrascht, wie das Herz der dunklen Elfe hart und schnell pochte.
"Nicht so schnell, Dole. Eben schienst du eine Berührung von mir kaum ertragen zu können, und nun bist du dabei, mich mit Haut und Haaren zu verschlingen." Überrascht registrierte sie, dass die Todesritterin schmunzelte, und in ihren Augen tanzte ein Glanz, der ihr gänzlich unbekannt war.
"Wa... ?" Sie kam nicht dazu, eine komplette Frage zu stellen, denn die dunkle Elfe drückte sie rücklings auf das Bett und kniete über ihr. Sie sagte nichts, doch wandelte sich das Schmunzeln in ein gefährliches Lächeln, und Marialle hatte Mühe, sich der Verführung zu erwehren, doch ihr Bauchgefühl rebellierte in ihrem Inneren.
"Dole! Was ist denn nur los mit dir?"
Die Todesritterin fuhr mit einem gewaltigen Satz zurück und stand plötzlich in der anderen Ecke des Raumes. Sie schien mit sich zu hadern, bis blankes Entsetzen auf ihre Züge trat. "Ist es nicht das, was du willst?", rief sie ihr aufgebracht entgegen.
"War das nicht der Grund, warum du die ganze Zeit so bedrückt warst? Was hast du denn geglaubt, was geschieht, wenn du diese Schwelle zusammen mit einem Todesritter überschreitest?" Marialle fuhr zusammen. Eiskalte Wut schien aus ihr zu sprechen und ihre hellblauen Augen glommen bedrohlich auf."Dole ich ..." Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Was sollte das denn heißen, wenn sie diese Schwelle mit einem Todesritter überschritt? Tatsächlich erschien Dolette ihr wie im Rausch, doch war sie jetzt dort in der Ecke und respektierte den Wunsch der Priesterin. Marialle fasste einen Entschluss und stand von dem Bett auf, um langsam zu ihr rüberzugehen.
"Bleib weg! Ich habe dir doch erzählt, was Koltira gesagt hat, wie er war. Es ist in jedem von uns. Und ich weiß nicht, ob ich noch einmal die Kraft habe, von dir abzulassen, wenn du mich darum bittest." Die Erkenntnis sickerte unbarmherzig in ihren Geist und die Menschenfrau fühlte sich nun bekräftigt in ihrem Vorhaben. Unbeirrt schritt sie weiter auf die Untote zu und kam vor ihr zum Stehen. Sie ergriff eine ihrer kalten Hände und führte sie an ihre Wange. Dolette sah sie fragend an, und die Hohepriesterin zog ihre Hand zurück. Das sanfte goldene Schimmern erhellte ihr Gesicht, und trotz ihrer mageren und ausgezehrten Erscheinung war sie schön.
"Ich will dir nicht weh tun, oder etwas tun, was du nicht willst." Sie ließ die fahle Hand herabsinken und das Leuchten erstarb. Die Hohepriesterin war bemüht, aufmunternd zu lächeln und legte nun ihrerseits sanft die Hände auf die Schultern der Elfe. "Nichts, was du tust, könnte mir jemals weh tun, Dole", sprach sie ernst und gefasst zu ihr, und ihre Züge veränderten sich.
"Dieses verlangende Gefühl ist mir so fremd, ich habe wirklich Angst, dass ein Unglück geschieht, wenn ich ihm nachgebe." Sie sah beschämt zu Boden, doch die Priesterin hob ihren Kopf wieder an, sodass sich ihre Blicke erneut trafen. Marialle zögerte nicht länger, es war ihr egal, worauf das Verlangen der Todesritter beruhte; sie gehörten zusammen, und wenn Dolette sich auch diesem Teil ihrer Gefühle ergab, würden sie nur noch mehr eins werden, als sie es ohnehin schon waren. Sie legte sanft ihre Lippen auf die der Untoten, und diese gab ihren Widerstand, nach nicht einmal dem Bruchteil eines Herzschlages, auf und gewährte Marialles fordernder Zunge willig Einlass. Sie tanzten wild miteinander, und die Elfe riss sie harsch herum und stemmte sie gegen die Wand hinter ihr. Die Menschenfrau schlang ihre Beine um ihre Taille und löste sich aus dem Kuss, um das Befinden der ehemaligen Paladin zu prüfen. In ihren Augen lag Verlangen, aber auch die jahrtausendealte Liebe, die die beiden verband, und sie war sich nun sicher. "Lass dich fallen, ich gehe jeden Weg mit dir, Dole", hauchte sie ihr in die langen Ohren und bekam ein unterdrücktes Knurren als Antwort. Sie wirbelte die Priesterin auf ihrem Arm herum und sie war erstaunt, wie viel Kraft Dolette noch immer hatte, obwohl sie so ausgemergelt war. Die Todesritterin ließ sie unwirsch aufs Bett fallen und beugte sich über das Objekt ihrer Begierde.

Die dunkle Ritterin - Staffel 1Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt