Kapitel 26

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Ich schleifte die beiden Agents quasi hinter mir her, als wir im Krankenhaus ankamen. John wartete am Eingang auf uns. Er sah mitgenommen aus und dunkle Augenringe zierten sein Gesicht.
"Und?" Obwohl ich vor der Antwort Angst hatte, sah ich ihn gespannt an.
Er räusperte sich. "Er hat es geschafft. Jetzt kommt es nur noch drauf an, ob er die Nacht überlebt. Der Doc meinte, da er so viel Blut verloren hat, ist er kaum bei Kräften. Deshalb muss er kämpfen, wenn er leben will."
Langsam nickend lehnte ich mich an die hellgrüne Wand. Es schwirrten so viele Gedanken in meinem Kopf herum, die ich gar nicht richtig ordnen konnte. Ich hoffte einfach so sehr, dass er alles gut überstehen würde. Er durfte einfach nicht sterben. Was sollte ich denn ohne ihn machen? Ohne seine ständigen neckenden und genervten Kommentare. Ohne sein freches Grinsen, das er mir häufig schenkte. Ohne seine unglaublichen Augen, die mich immer so durchdringend musterten. Und ohne seine Angewohnheit im Schlaf zu reden. Das konnte zwar tierisch aufregen, war aber gleichzeitig auch total süß und liebenswert.
"Darf", ich schluckte, "darf ich ihn sehen?" Er schüttelte den Kopf. "Tut mir leid. Es dürfen nur Familienangehörige zu ihm, solange er nicht bei vollem Bewusstsein ist." Nickend strich ich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Das war vorauszusehen, aber enttäuscht war ich trotzdem.
"Du kannst aber mal durch die Scheibe gucken. Wenn ich das Rollo hoch mache, kannst du ihn sehen." Dankend schenkte ich ihm ein, wenn auch trauriges Lächeln.
Die Agents und ich folgten ihm durch die Gänge bis wir bei der Intensivstation ankamen. Er bedeutete mir zu warten und ging in Nathan's Zimmer. Kurz darauf wurden die Rollläden hochgezogen.
Ich sah ihn und mein Herz brach. Aschfahl lag er da und mit einigen Schläuchen verbunden. Ein stummer Schluchzer entfuhr mir und ich presste meine Hand vor den Mund. Gott, es tat so weh ihn dort liegen zu sehen. Normalerweise war er dieser starke, lebensfreudige und nicht unter zu bringende Mann, doch jetzt wirkte er so klein und zerbrechlich. Eine warme Hand legte sich auf meine Schulter, drehte mich um und zog mich an eine feste Brust. Palmer legte sein Kinn auf meinen Kopf.
Ich schluchzte einfach in sein T-Shirt. Mir war egal, dass ich ihn voll rotzte, und ihn schien es auch nichts auszumachen.
Als ich mich langsam von ihm löste, waren die Jalousien wieder unten und John kam zu uns. Er schloss die Tür hinter sich.
"Geh zurück ins Hotel. Palmer wird dich begleiten", sagt er sanft. Er war so mitfühlend mit mir und kümmerte sich um mich. Dabei sollte ich für ihn da sein, immerhin ging es um seinen Sohn. Das bereitete mir ein schlechtes Gewissen, aber ich konnte auch nicht genügend Kraft aufbringen etwas dagegen zu unternehmen.
Ich wollte protestieren, doch er ließ mich gar nicht erst zu Wort kommen. "Es ist schon spät. Du musst noch, so schwer das auch ist, Agent Palmer alles haargenau schildern, was vorgefallen ist. Danach brauchst du dringend Schlaf, du siehst erschöpft aus."
"Na komm", meinte der zuvor genannte Agent leise. Ohne jegliche Antrieb ließ ich mich, nach einer kurzen Umarmung von John, von ihm zu seinem Wagen ziehen. Hunter sollte im Krankenhaus bei Nathan bleiben. Er positionierte sich vor dem Zimmer, wo ihn ein Polizeibeamter in wenigen Stunden ablösen würde.

Die Autofahrt verlief ruhig und ich war froh, als wir auf den Parkplatz vom Motel fuhren. Allerdings wurde mir dann bewusst, dass ich jetzt vernommen werden sollte. Ich wusste, dass es wichtig war, immerhin war der Eigentliche Mörder noch nicht gefasst. Trotzdem war mir nicht danach, über das Geschehene zu reden. Ich war einfach noch nicht bereit.

"So", fing er an und legte ein Aufnahmegerät auf den kleinen Tisch in unserem Zimmer und wir nahmen gegenüber Platz. "Ist das nötig?", fragte ich und deutete auf das kleine Gerät. "Vorsichtsmaßnahme", nuschelte er. Ah ja! Ich verstand. Falls ich doch noch getötet werden würde, hätten sie zumindest eine Aussage, die belastend sein konnte. Toll, viel nützen würde mir das dann zwar nicht mehr, aber egal wie oder wann, der Killer sollte hinter Schloss und Riegel.
Ich nickte und atmete tief ein. Anfangen tat ich damit, dass Nathan und ich auf der Motorcross Maschine Richtung Wald flüchteten, nachdem wir die Gangster gesehen hatten, wie sie sich mit ihrem Auto schnell dem kleinem Häuschen näherten.
Zehn Minuten später endete ich damit, wie die Frau den Krankenwagen rief und der uns ins Krankenhaus brachte.
Den Fakt, dass ich jemanden umgebracht hatte, hatte ich schnell und möglichst emotionslos rausgebracht. Ein kleines Zittern in meiner Stimme konnte ich jedoch nicht verhindern.
Palmer hatte mich während der ganzen Zeit nur angesehen und ab und zu mal eine Frage gestellt.
Er stellte das Diktiergerät aus und stützte sich mit den Ellenbogen auf den Tisch. Er sagte nicht.
"Werde ich ins Gefängnis kommen?", durchbrach ich die Stille. Vor dieser Antwort hatte ich Angst. Meine Kehle schnürte sich zu.
"Das kann ich nicht genau sagen", meinte er nach einer Minute des Schweigens. "Du kommst auf jeden Fall vor Gericht, da du kein Agent oder keine Polizistin bist. Aber es war Notwehr. Du kriegst einen Anwalt und der wir darauf plädieren. Die Chancen stehen somit sehr gut, dass du als unschuldig erklärt wirst. Versprechen kann ich dir dennoch nichts." Ich schluckte. Er klang zuversichtlich, aber wirklich beruhigt war ich nicht. Ich konnte immer noch als schuldig ernannt werden. Wenn ich denn bis dahin überhaupt noch am Leben wäre.

"Leg dich hin. Morgen früh fahren wir wieder ins Krankenhaus." Er klopfte kurz auf den Tisch, legte das Aufnahmegerät in seinen Rucksack und verschwand dann im Bad. Seufzend stand ich auf. Obwohl ich total Müde war, wusste ich, dass ich mir das mit dem Schlafen abschminken konnte. Dazu schwirrten zu viele Gedanken in meinem Kopf rum. Trotzdem zog ich mir ein viel zu großes blaues T-Shirt und schwarze Boxershorts an, die Palmer mir ebenfalls mitgebracht hatte. Diese Sachen hatte er definitiv nicht aus der Mädchen Abteilung. Na ja, sollte mir recht sein. War eh viel bequemer als so enge Sachen.
Der Agent kam wieder ins Zimmer und ich verschwand im Badezimmer um Zähne zu putzen. Nachdem ich mir noch schnell einen unordentlichen Zopf machte, ging ich zurück ins den unschönen Raum. Palmer lag im Bett auf der Seite der Tür und tippte etwas in den Computer. Es störte mich nicht, mit ihm ein Bett teilen zu müssen, das hieß jedoch nicht, dass ich es nicht lieber für mich allein gehabt hätte.
Ohne etwas zu sagen krabbelte ich auf die andere Seite und deckte mich zu. Ein paar Minuten wälzte ich mich hin und her um eine bequeme Position zu finden, aber immer hatte ich etwas auszusetzen. Entweder schlief mein Arm ein. Oder mein Bein lag verdreht da. Oder es war einfach scheiße so zu liegen. Nach zehn Minuten klappte der Mann neben mir das MacBook zu und legte es auf den Schreibtisch.
Er löschte das Licht und legte sich unter die zweite Decke. Aber nicht ohne vorher eine Waffe unter sein Kopfkissen zu legen. Da spürte ich, wie er seine Hand auf meinen Arm legte und kurz drückte. Eigentlich eine sehr beruhigende Geste, die aber jetzt nicht viel bewirkte.

Bestimmt erst zwei Stunden später fand ich einen unruhigen Schlaf, während ich neben mir den gleichmäßigen und ruhigen Atem des Agents hörte.

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Hey Leute,

Ich hoffe, es geht euch allen gut.
Okay, das mit dem alle vier Tage updaten klappt wohl nicht mehr. Deshalb werde ich nur noch einmal in der Woche und zwar sonntags ein Kapitel hochladen. Vielleicht klappt das ja. xD

Na ja, wie findet ihr das Kapitel? Ich kenne mich null im Bereich Medizin aus, also nimmt mir den ein oder anderen Fehler vom Fachtechnischen her nicht übel. :D ich hab das Kapitel auch noch nicht Korrektur gelesen. Also keine Fehler korrigiert oder so.

Boar nee, ich hab so keinen Bock auf Weihnachten. So unnötig. Aber immerhin nur noch bis Mittwoch arbeiten. Yay xD

Habt ihr irgendein Talent? Ich nicht wirklich. Kann nur n bissle zeichnen. Aber sonst null Talent xD

Laura xx

My Personal BodyguardWo Geschichten leben. Entdecke jetzt