Sie lächelt mich freundlich an. Ihre langes schwarzes Haar hat sie nach hinten gebunden und trägt einen schwarzen Rock. Dazu eine weiße Bluse, deren Ärmel unter einer schwarzen Jacke verschwinden. Ihre grünen Augen fixieren mich und ihre roten Lippen bewegen sich. Doch ich verstehe kein Wort.
Ich stehe einfach da und starre sie an. Akneya gibt mir einen Stoß und ich blinzle.
"Jine, geht es dir gut?", fragt Miss Cruz.
Ich nicke und halte mich an dem Gelände fest. Mit wankenden Schritten gehe ich auf sie zu. Meine Gefühle spielen verrückt. Ein Hin und Her zwischen Wut und Verwirrung. Weshalb hat mir Akneya nichts davon erzählt? Was macht Mrs Cruz hier?
Ich setze mich auf den kalten Boden, während Akneya sich auf dem Schaukelstuhl nieder lässt und in die Gluten starrt.
Wir schweigen. Neben Miss Cruz steht ein dunkelhäutiger Wache im schwarzen Anzug und stechenden schwarzen Augen. Sein Blick lässt mich erschaudern. Kälte und Gleichgültigkeit strahlt er aus und ich rücke etwas zurück. Ich schlucke schwer und versuche mich wieder auf meine Fingernägel zu konzentrieren. Vor lauter Aufregung geht mein Atem schneller. Mein Körper zittert vor Anstrengung, nicht über die Verhängnisse nachzudenken, die mir bevor stehen würden, würden sie mich jemals abführen und dorthin bringen, wo alle Kinder hinkommen, die keine wirklichen Eltern haben. Bisher sind sie bloß nie auf mich aufmerksam geworden, da ich mich so unbemerkbar wie möglich verhaltet habe. Vielleicht bin ich aber auch Akneya zur Last gefallen und sie hat beschlossen mich der Regierung auszuhändigen. Vielleicht hat mich aber auch irgendeine Marktfrau verklagt, der ich mal einen Apfel gestohlen habe.
Ich habe Mühe mit dem klaren Denken. Eine Frage beschäftigt mich mehr den Je.
Weshalb sind Sie hier?
"Jine, du weißt sicher, wieso ich hier bin", beginnt sie.
Ich schüttle den Kopf und will etwas sagen, doch Akneya wirft mir einen warnenden Blick zu. Ich beiße mit auf die Lippen und starre meine Hände an.
Miss Cruz blickt zu Akneya, die ihr mit verkniffenem Lächeln etwas zu raunt. Miss Cruz lacht und nickt.
Ich will erst gar nicht wissen, was genau die Beiden getuschelt haben. Langsam legt sich meine Schüchternheit. Wut macht sich in mir breit. Und Wut macht mich zu einem Menschen, der sehr schnell spricht, bevor er wirklich denkt. Mister Wächter mit scharfen Augen lässt mich mit seinem Blick immer noch nicht in Ruhe und ich sende einen verwünschenden Blick an ihn.
Seine Lippen verziehen sich zu einem kalten Lächeln, das ich auf der Stelle hasse.
"Wie ich gerade mitbekommen habe, bist du ein bisschen vergesslich."
Natürlich! Ich sehe Akneya wütend an, doch Miss Cruz scheint es nicht zu bemerken. Sie redet mit gelangweilter Stimme weiter.
"Ich weiss, gerade ist es besonders schwer für dich. Als Waise, wie es sich versteht, ist es immer schwer Entscheidungen zutreffen. Ich meine, es ist ja wirklich nett, dass Akneya dich aufgenommen hat und für dich sorgt."
Auf was will sie raus? Da sie schon von all dem weiß. Will sie mich nun mitnehmen und ins Heim werfen? Miss Cruz redet sonst immer gerade hinaus, doch heute ist sie wohl gesprächiger als sonst und will die Unterhaltung so gut wie möglich in die Länge ziehen.
Langsam wird mir dieses Gespräch unangenehm und ich knete meine Hände im Schoß. Meine Lippen sind schon fast wieder ungeschminkt, weil ich so oft auf ihnen herumreiße.
"Aber du dann in Ikava bist, wirst du merken, dass niemand deine Zukunft bauen kann, sondern, dass du selbst zusehen musst, dass es dir gut geht."
"Was?"
Ich springe auf und starre sie an. Das kann nicht ihr Ernst sein. Hat sie jetzt gerade gesagt, dass ich den WK4 testen werde? Ich sehe den Artikel noch genau vor mir.
Der WK4 wird zum WE4 umgebaut
Kim Frey,23, hat vor einigen Monaten der WK4 erfunden, mit dem man viel Geld spart. Seit zwei Wochen ist der WE4 erfunden. Der WE4 (Welten Entdecker 4) ist dafür da, um Tore zu anderen Welten zu öffnen. Um diese Welten zu erforschen brauchen wir Freiwillige, die die erste Welt Ikava erforschen.
Die Freiwilligen müssen fünfundvierzig Nächte in der fremden Welt verbringen. Wenn die Mehrheit überlebt, kann man düse Welt bewohnen.
Jeder Freiwillige, ob tot oder lebendig, wird mit Geld und einem besseren Leben belohnt. Alle Freiwillige melden sich bitte unter der Nummer 367 890 232 45. Fünf Freiwillige werden ausgelost.
Ich beiße mir wütend auf die Lippen, als Miss Cruz mich erstaunt ansieht. Sie lächelt mich kurz an.
"Es scheint schon fast so, als wüsstest du nicht, dass du ausgelost wurdest."
Ja, scheint fast so.
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City of Devil
Science-FictionEine fremde Welt Eine seltsame Stadt Ein tödliches Spiel Alle gegen jemand Jien weiß nicht, dass sie gewählt worden ist, um an den Spielen in der fremden Welt Ikava teilzunehmen. Doch das erfährt sie genug früh, als die Präsidentin vor ihrer Tür ste...
