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Ich erblicke zwei blaue Augen, die mich fragend ansehen, und trete einen Schritt zurück. Vor mir steht wohl Kyle.
Er streicht sich durch sein halb langes blondes Haar und sofort bemerke ich, was zwischen seinen Lippen steckt. Er bläst Rauch in die Luft und ich huste.
Sein blaugrüner Frack ist mit Edelsteinen besetzt und er trägt seltsam faltige grüne Hosen. Auf seinem Haupt sitzt ein blauer Hut, der leicht schräg auf die Seite kippt. Ich glaube, ich bin falsch!
Wenn der jetzt weiter raucht, sterbe ich bald. Ich greife kurzer Hand nach der Zigarette in seinem Mund und werfe sie hinter mich. Dann trete ich sie aus.
Kyle sieht mir verwundert dabei zu und ich lächle ihn, als ich fertig bin, an.
"Hi, ich bin Jine und du bist Kyle."
"Holla, wie alt bist du?", fragt er mit gerunzelter Stirn.
"Sechzehn, wieso?"
Er zuckt mit den Schultern und starrt dann auf die Zigarette, die auf dem Steinboden liegt. "Du hast mir meine Zigarette weggenommen", bemerkt er kurz.
Ich nicke und seufze. "Darf ich rein?"
Er lacht kurz auf und schüttelt den Kopf. "Ich fange doch nichts mit einem zehn Jahre jüngerem Mädchen an!"
"Ich...", fange ich an mich zu verteidigen.
"Komm zum Punkt!"
Plötzlich kommt er mir nicht mehr wirklich nett vor. Ich frage mich, wieso ich nicht einfach bei James oder Lion geklopft habe. Er sieht mich leicht genervt und ich nehme ihn genau unter die Lupe. Er sieht gar nicht aus wie sechsundzwanzig und kommt mir eher wie einundzwanzig vor. Eigentlich spielt Alter gar keine Rolle. Jugendlich bedeutet bei uns von elf bis dreißig Jahren. Ellenlange Zeit.
"Starr mich nicht so an", bricht er schließlich das Schweigen.
Ich schnaube und blicke ihn abschätzend an. "Ich starre jeden so lange an, wie ich will!"
Kyle zuckt mit den Schultern. "Okay. Dann brauchst du mich wohl nicht mehr!"
Er schließt die Türe. Boah, ist das eine Angewohnheit der Menschen, die in der Stadt leben? Wütend klopf ich noch einmal gegen die Türe. Genervt öffnet sich die Türe wieder.
"Was?"
"Ihr seid immer alle so nett", informiere ich ihn zickig.
"Toll für dich."
Ich stoss ihn grob zur Seite und betrete das Zimmer oder soll ich gleich Haus sagen? Jedenfalls ist es riesig!
Überall hängen blaugetönte Stoffe von der Decke und alles ist voller Kerzen. Kyle hinter mir stöhnt.
"Du bist lässig, weißt du das?", fragt er mit einem gereizten Unterton.
"Jap!"
Er schließt die Türe, was ich seltsam finde. Ich meine, vor kurzem hat er mir noch die Tür vor der Nase zugehauen und jetzt?
Vielleicht ein Sinneswandel!
Das ich nicht lache.
"Also, wieso bist du hier?", fragt er mich.
"Sie haben meine Tür vergessen!"
Er nickt nur und geht auf eine Ecke zu, wo tausend Kissen liegen. Er setzt sich und schließt die Augen. Ich sehe ihm mit hochgezogenen Augenbrauen an. Was zum Himmel macht er da?
"Ach, sei so nett und fass nichts an. Danke!"
"Ich bin kein Kleinkind mehr", erkläre ich ihm.
"Du benimmst dich aber wie eines!"
Dann schweigen wir beide, bis die Show los geht.

City of DevilWo Geschichten leben. Entdecke jetzt