26. Teufelsreigen

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Es dauerte nicht lange, da konnte selbst Garrett den Friedhofsmief der Ghoule riechen. Wie ein grüner Pesthauch schob er sich durch die Gassen.

Er stand Seite an Seite mit Dionysos im Schatten nahe der Parkplätze. Jack hatte im Dunkel an der Straße Stellung bezogen. Anouk deckte eine weitere Zufahrtsstraße ab und Phil lag noch immer auf dem Dach der Bibliothek.

»Den großen Bulk werden sie auslassen. Einzelne Nachzügler sind am ehesten dran«, murmelte Dionysos. Die Vampire konnten ihn deutlich verstehen.

»Medio tutissimus ibis«, brummte Phil und Dionysos lachte leise. Jack und Anouk schnaubten hingegen.

»Ich bin weder ein Ex-Mönch noch ein Geistlicher. Was soll das bedeuten? Mal für die, die kein Latein können«, meckerte Jack und das Mädchen machte ein zustimmendes Geräusch.

»Es heißt, dass man in der Mitte am sichersten ist«, erklärte Dionysos. Garrett, der durch das Blut des Vampirs einen kleinen Teil seiner Gabe erhalten und dadurch jedes Wort verstanden hatte, murrte bloß.

»So wie das hier stinkt, stell' ich mir einen ganzen Heuschreckenschwarm von Ghoulen vor. Die alles überrennen.«

»Na bloß gut, dass wir genügend Munition haben«, kicherte Jack. Garrett zuckte zusammen, als die Turmuhr Mitternacht schlug und spürte, wie Dionysos seine Hand drückte. Bereits nach 10 Minuten kamen die ersten Gäste aus dem Schulgebäude. Schüler aller Jahrgangsstufen ab der 8. Klasse durften an der Party teilnehmen. Aber auch viele Eltern ließen es sich nicht nehmen, sich dort zu amüsieren - was wiederum gerade die älteren Schüler oft enorm nervte.

Doch Gatwick wäre nicht Gatwick, wenn es anders gewesen wäre. Man kannte einfach jeden und man mochte sich - oder man tat zumindest so.

Die Leute sammelten sich auf dem Schulhof, Eltern tratschten und warteten auf ihre Sprößlinge oder auf die Partner der Fahrgemeinschaft, Schüler nutzten die letzten Minuten für Scherze mit Freunden.

Garrett hatte solche Zusammenkünfte immer gehasst, hatte sich gelangweilt, sich nach Hause gesehnt. Jetzt fehlte ihm das. Denn damals war er immer zusammen mit seinen Eltern dort gewesen. Egal, ob es irgendwelche Schul- oder Stadtfeste waren. Madelyn und Robert Pinkerton waren Kinder dieser Stadt. Sie gehörten dazu. Wie auch Garrett - wenn er sich »Etwas mehr Mühe« gegeben hätte!

Der üble Geruch, der in der Luft hing, blieb auch den Partygästen nicht verborgen. Viele schnupperten in die Luft und verzogen ihre Gesichter in Abscheu.

»Alter!«, hörte Garrett Kyle deutlich heraus, »Was ist in letzter Zeit eigentlich los, dass es immer so stinkt, sobald es dunkel wird?!« Seine Freunde nickten, Gemma hielt sich den Jackenärmel vor die Nase.

»Wenn die wüssten«, murmelte Garrett.

Die Menschen bewegten sich in Trauben vom Schulhof weg, Autotüren klappten, Gespräche und Lachen verstummte. Dafür ertönten Automotoren und Radiomusik.

»Der Parkplatz ist jetzt leer«, verkündete Jack leise.

»Der Schulhof auch fast. Auf diese Nachzügler müssen wir Acht geben. Der Gestank ist nicht zum Aushalten. Allister scheint aufgestockt zu haben.« Dionysos spähte um die Ecke.

»Es genügt nicht, nur achtzugeben. Wir müssen säubern«, drang Phils klare Stimme in die Ohren der anderen.

»Sehe ich auch so. Seid ihr bereit?«

Alle brummten.

»Bleib' in meiner Nähe, Garrett.« Während die anderen die Schatten verließen und der Quelle des Gestanks folgten, hielt der Junge Dionysos am Arm fest.

DIONYSOS I. ZufluchtGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt