34. ... und Sühne

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Einen Moment lang war jedes Geräusch wie ausgelöscht. Wie im Vakuum lag die Stille über dem Platz.

Nur langsam nahmen die Sinne der Anwesenden ihren Dienst wieder auf. Garrett schlug benommen die Augen auf und fasste sich an den Kopf. Er war unsanft gegen die Tür geprallt, doch angesichts seiner bereits vorhandenen Wunden spürte er es kaum. Er konnte Allister neben sich an der Wand lehnen sehen. Er war auch zurückgeschleudert worden und ein feines Blutrinnsal rann durch seine schwarzen Haare an der Schläfe hinab in seinen kurzen, gepflegten Bart.

Der Blick des Jungen fiel auf Dionysos, der wie ein Bote aus der Hölle mitten auf dem Platz stand. Doch er wankte und in der nächsten Sekunde sank er keuchend auf die Knie.

»Dionysos!«, rief Garrett besorgt, als der Vampir den Kopf hob und lächelte.

»Es ist alles in Ordnung, Garrett. Nun, Allister, sind die Verhältnisse gleich.«

Der Angesprochene, der sich soeben wieder aufgerappelt hatte, blickte sich schockiert um.

Garrett tat es ihm gleich und als er sah, was mit seinen zwei Bewacherinnen geschehen war, schrie er vor Schreck laut auf. Auch allen anderen von Allisters Vampiren war dies geschehen. Sie alle hatten keine Köpfe mehr.

»Wie hast du...?«, stammelte Allister außer sich über das, was er sah.

»Psychokinese«, flüsterte Garrett und kam Dionysos damit zuvor.

»Du wolltest faire Verhältnisse. Jetzt hast du sie. Ich habe all meine Energie in diesen Schub gelegt. Ich bin nicht mehr mächtiger als du. Und damit sich deine Leute nicht mehr einmischen... nun ja.«

»Und ich soll dir trauen, dass deine sich nicht einmischen?!«, brüllte Allister mit zittriger Stimme. Der Tod seiner Leute schien ihn wirklich aufzuwühlen.

Dionysos erhob sich wieder in eine stehende Position und sah sein Gegenüber geradeheraus an.

»Zwei meiner Leute sind verletzt, Garretts Schnittwunden müssen außerdem versorgt werden. Jack und Phil werden sich nicht einmischen. Es sind nur du und ich, wie du es wolltest.«

Ein dunkles Grollen stieg in Allister hoch, als er einen Schritt auf den Platz hinaus machte. »Irgendwelche Regeln in deinem heeren Spiel um Leben und Tod?«

»Du wolltest 'Ritter und Drache' spielen, also lass uns kämpfen, Drache. Dein Feuer wird versiegen.«

Dionysos hob seine fallengelassenen Doppelschwerter auf und warf eines davon geschickt Allister zu, der es problemlos auffing.

»Ich hoffe, du hast in deinen Fechtlektionen nicht geschlafen, Saltire!«, knurrte der Vampir und schon in der nächsten Sekunde traf Stahl funkensprühend auf Stahl.

Garrett kauerte sich gegen die verschlossene Tür und hatte die Augen halb hinter seinen Fingern verborgen. Ihm war bewusst, dass die modrigen Überreste der Vampirinnen ihn umgaben, doch er konnte sich nicht rühren. Er war starr vor Angst und die Schmerzen seiner Wunden wurden schlimmer, je schneller sein Herz schlug. Die Angst schüttelte ihn und traf ihn hart und schmerzhaft, wann immer die Klingen klirrend aufeinander schlugen. Er wollte jedes Mal aufschreien, dazwischen springen, die beiden Kontrahenten auseinander bringen.

Wie töricht kam ihm plötzlich sein Wunsch nach Rache vor. Wenn Allister starb, würde das seine Mum nicht zurückbringen. Es würde nur ein weiteres Leben kosten, noch mehr Leid verursachen. Es würde niemals aufhören, wehzutun.

Er zweifelte nicht daran, dass Dionysos siegen würde. Andererseits hatte er freiwillig auf einen Großteil seiner Kraft verzichtet. Nun konnte er verletzt werden, da er nicht mehr stärker als Allister war, er könnte sogar sterben.

DIONYSOS I. ZufluchtGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt