Lovely

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Ich öffnete gelangweilt meinen Spint und kramte meine Bücher für die nächste Stunde raus. Gähnend schloss ich ihn wieder und lief, die Augen auf den Boden gerichtet in Richtung meines Klassensaales. Ich war nicht wirklich in Stimmung mit Menschen in Kontakt zu kommen und mit ihnen reden zu müssen. Tyler hatte ich auch noch nicht gesehen. Er war wahrscheinlich schon im Klassenzimmer, ich war mal wieder etwas spät dran.

Auf einmal stieß mich etwas an die Schulter und ich stolperte zur Seite und zwei meiner Bücher fielen auf den Boden, eines davon auf meinen Fuß. Ich fluchte leise und schaute der Person nach, die mich angerempelt hatte. Doch sie war schon mehrere Meter weit weg, nur an ihrem rotblonden Haarschopf konnte ich ausmachen, wer es war.

Das schönste Mädchen, dass ich kannte. Das Mädchen, das so umwerfend war, dass ich ihm unwürdig schien. Ich kannte sie eher flüchtig. Wir hatten ein paar Kurse zusammen und hatten sogar schon ein paar Worte gewechselt und ich saß einmal neben ihr in der Kaffeteria, als Tyler krank war und neben ihr war noch Platz. Sie war oft alleine. Ich wusste nicht warum. Generell wusste ich so wenig über sie. Doch sie hatte mein Herz erobert.

Sie rannte schnell, hatte ihren Kopf gesenkt und ihre Bücher fest vor ihre Brust gepresst. Ich brauchte ein paar Sekunden, bis ich mich aus meiner Starre lösen konnte und ich sammelte meine Bücher wieder auf und ließ meinen Kopf gesenkt, um meine geröteten Wangen vor den wenigen Schülern zu verstecken, die noch durch die Flure geisterten, auf ihren Wegen in ihren Unterricht.

Ich richtete mich wieder auf und sah, wie sie am Ende des Ganges durch die Tür schlüpfte und verschwand. Ohne zu denken, rannte ich los. Ihr hinterher. Als ich die Türklinke in der Hand hatte, hielt ich kurz inne.

"Joshua Dun, bist du wahnsinnig?", dachte ich mir und versuchte mein stark klopfendes Herz wieder zu beruhigen. Doch ich hatte im Stillen beschlossen mit ihr zu reden, oder wenigstens zu schauen, ob es ihr gut ging.

Ich atmete tief ein und mit dem Ausatmen drückte ich die Türklinke hinunter und zog die Glastür auf. Jetzt stand ich in dem Treppenhaus und lauschte nach ihr. Kein Ton. Der Unterricht hatte schon begonnen und hier war keiner mehr. Ich wollte noch nicht aufgeben und ging die Treppenstufen hinauf.

Mittlerweile war ich im dritten Stock. Das letzte Stockwerk mit Klassenräumen. Im nächsten ist die Bibliothek. Ich hatte sie immer noch nicht gefunden und ein Gefühl sagte mir, sie war noch nicht in ihre Klasse gegangen. Also bezwang ich noch die letzte Treppe und befand mich in der Bibliothek der Schule. Langsam machte ich ein paar Schritte, unschlüssig, was ich tun sollte. Es war doch eine dumme Idee gewesen.

Ich war schon kurz davor gewesen mich wieder umzudrehen und zu veschwinden, als ich ein ganz leises Schluchzen vernahm. Ich stoppte in meiner Bewegung und folgte dem Geräusch. Und dann fand ich sie. Hinter dem Regal mit den Bestsellern saß sie an der Wand gelehnt, die Beine angezogen und den Kopf auf ihren Knien. Ihre Arme hatte sie um ihre Schienbeine geschlungen und ihre Bücher hatte sie achtlos neben sich geworfen.

Ich sah sie an und wusste nicht, was ich sagen sollte. Wie soll ich denn erklären, was ich hier treibe? Ich habe dich verfolgt? Das kommt nicht so gut.

"Hey, alles okay?", höre ich meine Stimme sagen und hätte mich am liebsten geohrfeigt. Natürlich ist nichts okay.

Sie zuckte zusammen und sah auf. Sie weinte und ihre Wimperntusche war verschmiert. Ich kramte in meiner Jackentasche nach einem Taschentuch und reichte es ihr. Mit zitternder Hand nahm sie es zögerlich an und tupfte sich die Augen.

"Was ist los?", fragte ich vorsichtig. Ich war mir nicht sicher, was man in solchen Situationen zu einem Mädchen sagt, dass einem etwas wert ist.

Twenty One Pilots |-/ OneShotsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt