Bevor ich mit diesem kleinen und spontanen Teil anfange, ein kleiner Tipp am Rande:
Kopfhörer rein, die angehängte Musik auf volle Lautstärke und genießen!
Kritisch besah ich mein Gesicht im Spiegel. Wendete den Kopf hin und her. Betrachtete meine Augen, Augenbrauen, meine Haut und Mund. Meine Stirn schlug Falten und ich entfernte mich enttäuscht vom Glas. Ich fuhr mir mit einer Hand durch meine ungekämmten Haare. Dabei blieb ein Finger an einem Knoten hängen. Ich griff nach der Bürste und durchkämmte meine Mähne. Das Resultat war annehmbar. Doch etwas störte mich. Irgendetwas an meinem Gesicht störte mich ungemein. Der Blick an mir hinunter machte es nicht besser. Was ich sah, war ein unförmiger Körper. Zu umfangreiche Oberschenkel und Polster auf den Hüften. Ich drehte mich zur Seite um mich wieder im Spiegel zu betrachten. Ich kniff mir in die weiche Seite. Seufzend wendete ich mich von meinem Spiegelbild ab. Es war hoffnungslos.
Auf die Waage stellen würde ich mich auf keinen Fall. Ich wusste, dass die Zahlen mir nicht gefallen würden. In schnellen rutinierten Bewegungen zog ich meine Kleider aus und stellte die Dusche an. Ich wartete kurz bis das Wasser warm war und streckte dabei meinen Arm unter den Wasserstrahl. Wieder fiel mein Blick in den Spiegel und mein Körper starrte mich unverschämt an. Ich wendete mich ab, um meinem eigenen Blick nicht weiter stand halten zu müssen und stellte mich unter den Duschkopf. Das heiße Wasser prasselte auf mich hinab und ich schloss die Augen. Alles, woran ich denken konnte, war, dass ich ihm niemals gefallen würde. Und im nächsten Moment dachte ich, wie dumm es ist, wenn man sich schlecht fühlt, weil man jemandem gefallen will. Und dass es nicht der richtige ist, wenn er mich nicht so mag, wie ich bin. Dass ich doch mehr zu bieten habe. Aber diese Dinge haben gerade wenig Gewicht. All diese Lieder und Menschen, die einem sagen, man soll sich keine Sorgen wegen ein paar Kilo mehr machen. Man ist schön, so wie man ist. Doch ich fühlte mich ganz und gar nicht schön. Ich fühlte mich wie ein Walross. Und ich würde ihm niemals gefallen. Geschweige denn mir selbst.
Während ich mich wusch suhlte ich mich in Selbstmitleid. Ich wusste, dass ich nichts an mir ändern würde. Einmal, weil ich zu faul war und bei diesem Selbstgeständniss erlaubte ich es mir mich noch einmal mehr nicht zu mögen. Außerdem aus Protest nicht. Ich muss doch lernen können mich zu mögen oder nicht? Das kann doch nicht so schwer sein. Andere haben das auch geschafft. Aber wahrscheinlich hatten die auch Hilfe dabei. Ich wusste, wenn er mir sagen würde, dass ich gut so bin, wie ich bin, würde ich es ihm vielleicht glauben, doch ich war mir sicher, das würde nie passieren. Er war eine andere Liga. Besser. Was sollte er mit einer wie mir? Das wäre doch absurt. Schon wenn ich mir uns beide nebeneinander vorstellte, sah ich, dass wir in meinen Augen ein ungleiches Paar abgaben.
Bald stellte ich das Wasser ab und wickelte mich in ein Handtuch. Der Spiegel war beschlagen und alles was ich sah, als ich hineinblickte, war der verschwommene Umriss von mir selbst. Ich ging meiner Rutiene nach und schon nach weniger Zeit verließ ich das Bad. Barfüßig lief ich durch den Flur und ließ mich schließlich auf meinem Bett fallen. Eine nasse Haarsträhne lag in meinem Gesicht und kitzelte mir an der Nase, doch ich ließ sie, wo sie war. Ich fragte mich einen kurzen Moment lang, wie es weiter gehen sollte, doch ich verwarf diesen Gedanken sofort wieder. Wie sollte es schon weitergehen? Genau so wie immer. Ich konnte mich nicht so schnell ändern. Er würde mich vergessen. Ich würde darüber hinweg kommen. Oder auch nicht. Und dann würde ich irgendwann als langweilige unattraktive Jungfrau sterben. Ich schüttelte den Kopf über meine übertriebene dramatische Art zu denken und robbte mich zu meinem Handy rüber, um Musik abzuspielen.
Kaum ströhmten die ersten Takte in mein Hirn, begann ich mich zu entspannen. Musik hatte schon immer geholfen. Gegen alles. Ein Problem? Höre Musik. So einfach ist das. Und selbst, wenn Musik nichts an dir ändert; sie versteht dich, unterstützt dich, denn sie zeigt dir, dass da noch mehr Menschen da draußen sind, die so fühlen wie du. Das ganze Lied über lag ich einfach nur da, die lautenTöne in meinen Ohren und versuchte zu entspannen. Das nächste Lied diente dazu, meine Lage nocheinmal zu überdenken. Dafür brauchte ich dann doch noch ein weiteres Lied. Letztendlich durchbrach ich meinen Gedankenwirrwar dadurch, dass ich aufhörte zu denken und den Text mitsang. Ich fühlte mich auf einmal nicht mehr alleine und hilflos.
I will make you believe you are lovely.
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Twenty One Pilots |-/ OneShots
Fiksi PenggemarEin paar Kurzgeschichten über twenty one pilots. Hoffe du hast Spaß beim Lesen. Stay alive my fren! |-/
