Ich sitze inmitten von Geröll und scharf kantigen Felsen im Schatten eines Steines und lehne mich an seine rauhe zum Meer gewandte Seite. Mir ist warm. Vom Himmel scheint die Sonne durch die über der See hängenden Wolken, die wie eine ungute Vorahnung stätig näher zu kommen scheinen. Das Grau des Himmels verleiht dem unruhigen Wasser eine unebene Verfärbung. Ich ziehe meine Knie zu mir heran und sehe in die Brandung.
Wie aus dem Nichts bilden sich Wellen, die sich langsam aufbäumen, auf das Felsenland zurollen, um dann mit schäumenden Kronen zu brechen und donnernd an den eigenartig geformten Steinen zerschellen. Immer und immer wieder wiederholt sich das Prozedere in beruhigend regelmäßigen Abständen. Die Beständigkeit der Wogen, die unendliche Masse an Wasser und die salzige Brise, die durch meine Haare fährt, erinnern mich schmerzlich daran, wie sehr ich dich vermisse.
Schreiend lacht mich eine vorrüber segelnde Möwe aus. Sie lässt sich von den Böhen tragen und reitet geschmeidig den Wind. Dann landet sie auf einem hoch aufragendem Felsen und steht direkt am steilen Abgrund, unter ihr spitze Steine, die von hartnäckigen Wellen überspühlt und geform werden. Die Gischt des Salzwassers spritzt fast bis zu dem Meeresvogel, der die Naturgewalten frech anlacht und sich schon wieder gegen den Wind stürzt um sich zur nächsten Klippe tragen zu lassen.
Im Gegensatz zu der unbeschwerten Möwe, fühle ich mich schwerfällig und ich bin unfähig meine innere Leere mit der unvergleichbaren Schönheit der Natur zu füllen. Ich sauge den Anblick des sich mir bietenden Naturschauspiels in mich auf, wo er wieder verpufft. Wieder sehe ich den Wellen beim Kollidieren mit den dunklen Felsen zu. Meine Gedanken sind bei dir.
Ich habe immer gesagt, du seist ein Mann der Worte, doch jetzt und hier brauche ich keine Worte. Die würden alles nur noch schlimmer machen. Alles, was ich gerade brauche, ist deine Nähe, deine Hände, dein Geruch und deine Lippen. Wie gerne würde ich mich jetzt gegen dich lehnen und deinen Arm um mich spühren. Ich strecke meine Beine aus und verlagere mein Gewicht, da sich der schroffe Stein hart gegen meine Wirbelsäule drückt.
Weit und breit ist keine Menschenseele, was mich erleichtert, denn ich will alleine sein mit meinem Schmerz. Einsam sein. Ich schließe die Augen. Manchmal lässt das die Dinge weniger unheimlich erscheinen. Die Einsamkeit und deine Abwesenheit haben sich ihr dunkles Nest in meinem Magen gebaut und ihr Nachwuchs hackt mir ihren hungrigen Schnäbeln gegen meine Magenwände.
Obwohl es ungemütlich ist, ziehe ich meine Beine wieder zu mir heran, um mich an ihnen festzuhalten. Meine Augen halte ich geschlossen. Ungewollt sehe ich dich vor mir. Deine braunen Haare, die nach Apfelshampoo riechen. Deine dunklen Augen, in deren Tiefe ich mich verliere. Dein Lachen, das mich in seinen Bann zieht. Meine Ohren sind erfüllt von dem dauerhaft anhaltenden Rauschen des Wassers und dem Geräusch des Windes. Blind lausche ich der Musik des Meeres mit seinen einzigartigen Klängen, die gutmütig und ein wenig tröstend meine Erinnerungen an dich untermalen.
Manchmal erliege ich der lächerlichen Hoffnung, dein Rufen würde von dem Wind zu mir heran getragen werden. Dann widerstehe ich dem Drang die Augen zu öffnen und die Küste nach deiner Gestalt abzusuchen, um die Enttäuschung zu verhindern. Und dann tue ich es doch und spühre ein Stechen in meiner Brust.
Ich starre hinaus auf den Horizont, der fast mit dem Grau des Himmels verschwimmt. Und ich erinnere mich an einen Text, den du damals geschrieben hast. Der Marsch zum Meer. Wir sterben mit jedem Schritt, mit jedem Atemzug, den wir tun. Bis wir dann ins Meer laufen und einschlafen. Du warst meine Stimme, die mir aus dem Raumschiff zurief: "Folge mir, statt dem Hinterkopf vor dir." Wegen dir hob ich meinen Kopf und begann den Krieg mit meinen Gedanken. Fast lief ich auf das Ende des Landes zu, doch deine Stimme war immer in mir und ich folgte dir, bevor es zu spät war. Doch ich war zu langsam, als es dir genau so ging. Ich konnte dich nicht mehr vor dem Meer retten. Also liefst du hinein und jetzt musst keinen einzigen Schritt mehr tun.
Ich bin den hohen Felsen hinaufgeklettert, auf den die Möwe sich gesetzt hatte. Die salzige Gischt erreicht mein Gesicht und vermischt sich mit dem Salzwasser auf meinen Wangen. Ich sehe hinunter auf die dunklen Felsen und die weißen Wellen. Hinter mir Land, vor mir das weite Meer. Und ich folge dir.
Diese Geschichte ist Chester Bennington gewidmet, der sich gestern das Leben nahm.
Rest in peace. Deine Musik lebt in uns weiter.
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Twenty One Pilots |-/ OneShots
ФанфикшнEin paar Kurzgeschichten über twenty one pilots. Hoffe du hast Spaß beim Lesen. Stay alive my fren! |-/
